Der Wettbewerb der sozialen Netzwerke zwischen den Internetunternehmen Google und Facebook gewinnt an Schärfe: Google hat sein im Juni gestartetes soziales Netzwerk Google+, das bislang nur auf Einladung zugänglich war, jetzt offiziell für die Allgemeinheit geöffnet und gleichzeitig eine Reihe neuer Funktionen für den Dienst angekündigt. Facebook konterte und hat zum wiederholten Mal in den vergangenen Wochen Änderungen auf seiner Seite vorgenommen.
Mit Google+ hat Google neue Dynamik in das bislang von Facebook dominierte Gebiet der sozialen Netzwerke gebracht. Nach vielen erfolglosen Initiativen mit früheren sozialen Netzwerken stieß Google mit seinem neuen Angebot auf positive Resonanz. Applaus bekam das Unternehmen vor allem für die Idee, bei Google+ den selektiven Austausch von Informationen mit jeweils bestimmten Gruppen von Kontakten ("Circles") in den Mittelpunkt zu stellen. Bei Facebook war eine solche Gruppierung von Freundeskreisen zwar auch schon möglich, aber komplizierter. Google+ hob sich von Facebook mit einigen anderen Neuheiten ab, etwa der Funktion "Hangout", die Videokonferenzen in Gruppen von bis zu zehn Personen erlaubt. Bei der Vorlage seiner Quartalszahlen Mitte Juli teilte Google mit, das neue soziale Netzwerk habe mehr als 10 Millionen Nutzer. Seither hat das Unternehmen keine aktualisierte Zahl herausgegeben - somit ist völlig unklar, ob die Anfangsbegeisterung wieder nachgelassen hat. In jedem Fall dürfte Facebook noch immer einen gewaltigen Vorsprung haben: Das Unternehmen hatte nach letzten Angaben weltweit mehr als 750 Millionen Mitglieder.
Schlag auf Schlag
Seit dem Start von Google+ hat Facebook eine ganze Reihe von Veränderungen angekündigt, die in der Branche als Reaktion auf den neuen Wettbewerber interpretiert wurden. So führte Facebook eine Funktion für Videogespräche über den Internetdienst Skype ein. Allein in den vergangenen Wochen ging es Schlag auf Schlag mit Neuerungen bei Facebook. Viele folgen dem Grundgedanken von Google+, Gruppen von Kontakten zu bilden und einen kontrollierten Datenaustausch zu erleichtern. Am Mittwoch gab sich Facebook abermals ein neues Erscheinungsbild. Zum Beispiel werden nun die Nachrichten auf der Seite nach Priorität gewichtet und in veränderter Reihenfolge angezeigt. Auch Google hat gleichzeitig mit der Öffnung von Google+ neue Funktionen für seinen Dienst angekündigt. So wird zum Beispiel der Videokonferenzdienst "Hangout" nun auch als mobile Anwendung für internetfähige Handys (Smartphones) verfügbar gemacht.
Unterdessen gab das Marktforschungsinstitut Emarketer neue Prognosen für die Geschäftsentwicklung von Facebook heraus: Demnach werde sich der Umsatz des Unternehmens in diesem Jahr auf 4,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, für 2012 werden 5,8 Milliarden Dollar erwartet. Facebook selbst veröffentlicht als nicht börsennotiertes Unternehmen bislang keine Geschäftsergebnisse. Der Börsengang wird allerdings 2012 erwartet, und Facebook hat in Aussicht gestellt, bis zum kommenden April Zahlen vorzulegen.