Home
http://www.faz.net/-gqm-73nfi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Wegen neuer Regeln Europas Datenschützer stellen sich gegen Google

Lange schon ärgern sich Datenschützer über amerikanische Internetfirmen. Jetzt stellen sich Datenschützer in der EU gemeinsam gegen Google. Doch ihre Drohung ist erst mal unkonkret.

© ASSOCIATED PRESS Vergrößern

Europas Datenschützer stellen sich gemeinsam gegen Google. Sie fordern Änderungen bei der Auswertung von Nutzer-Informationen. Die Datenschützer stoßen sich vor allem daran, dass der Internet-Konzern nach seinen neuen Regeln Daten aus verschiedenen Diensten wie YouTube oder GMail gesammelt auswerten darf. Google betonte in einer ersten Reaktion, die Datenschutzerklärung respektiere europäisches Recht.

Google hatte sich im März neue Datenschutz-Regeln gegeben. Die müsse der Konzern nachbessern, damit sie den EU-Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre entsprechen, erklärte die französische Datenschutzkommission CNIL. Sie hatte die Google-Regeln im Auftrag ihrer europäischen Kollegen unter die Lupe genommen.

„In 3 bis 4 Monaten drohen wir“

Für einen Google-Nutzer sei nicht ersichtlich, welche Arten von Informationen in den Diensten ausgewertet würden und für welche Zwecke, kritisierten die Datenschützer. Außerdem müssten sogenannte „passive Nutzer“ von Google-Diensten - etwa solche, die auf anderen Webseiten zum Beispiel mit Werbung oder dem „+1“-Knopf des Online-Netzwerks Google+ in Berührung kommen - besser informiert werden.

Das Unternehmen habe rund drei bis vier Monate Zeit, um seine Regeln in Übereinstimmung mit den Datenschutz-Richtlinien der Europäischen Union zu bringen, erklärte CNIL-Präsidentin Isabelle Falque-Pierrotin am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Paris. Sollte Google keine Änderungen vornehmen, werde man mit rechtlichen Maßnahmen drohen müssen, warnte sie. Das amerikanische Unternehmen müsse unter anderem eindeutigere und vollständigere Informationen über das Verwendungsziel seiner gesammelten Daten vorzulegen.

„Die neue Datenschutz-Regelung erlaubt es Google nahezu, alle Informationen aus allen Diensten für alle Zwecke zu kombinieren“, heißt es in einem Brief aller 27 europäischen Datenschützer an Google-Chef Larry Page. „Die Kombination von Daten - so wie jegliche andere Auswertung von privaten Informationen - erfordert eine angemessene rechtliche Grundlage und muss dem Zweck entsprechen, zu dem diese Daten erhoben wurden.“

Google verteidigt sich

Google prüfe derzeit der Bericht, erklärte der globale Datenschutzbeauftragte Peter Fleischer. Zugleich verteidigte er ausdrücklich die aktuelle Regelung: „Unsere neuen Datenschutzrichtlinien demonstrieren unser langjähriges Engagement, die Informationen unserer Nutzer zu schützen und gleichzeitig tolle Produkte zu entwickeln. Unsere Datenschutzerklärung respektiert dabei das europäische Recht.“

Mehr zum Thema

Google hatte im Frühjahr eine einheitliche Datenschutz-Regelung für alle seine rund 70 Internet-Dienste eingeführt. Neben einer Vereinfachung erlauben die neuen Regeln Google, Daten zu verknüpfen, die es von einem Nutzer über die einzelnen Dienste wie YouTube, Gmail oder Google+ erhält. Die französischen Datenschützer hatten nach der ersten Ankündigung im Februar Ermittlungen im Auftrag anderer europäischer Datenschutzbehörden aufgenommen.

Google betont, erst die Verknüpfung der Daten erlaube einige praktische Angebote - etwa wenn ein Telefon mit Google-Software auf Grundlage von Kalender-Daten und der Verkehrslage einen Termin-Hinweis gibt.

Quelle: FAZ.net / dpa-AFX

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hamburgs Datenschützer Googles Umgang mit Nutzerdaten bleibt unzulässig

Googles Nutzerprofile greifen weit über das zulässige Maß hinaus in die Privatsphäre seiner Nutzer ein. Auch in Deutschland droht dem Unternehmen jetzt ein Zwangsgeld. Es gelobt Besserung. Mehr

08.04.2015, 15:50 Uhr | Feuilleton
Brüssel EU leitet weitere Untersuchung gegen Google ein

Die EU wirft dem Internetunternehmen Google Verfälschung von Suchergebnissen im Internet vor. In seiner Suchmaschine würde Google Treffer für eigene Dienste bevorzugen. Man habe auch eine kartellrechtliche Untersuchung gegen das Betriebssystem Android eingeleitet, teilte die Wettbewerbskommission in Brüssel mit. Mehr

16.04.2015, 11:57 Uhr | Wirtschaft
Kritik an Marktmacht EU knöpft sich Google vor

Im Streit mit Google schlägt die Europäische Union eine härtere Gangart ein. Einem Zeitungsbericht zufolge will sie dem Internetriesen hohe Strafen auferlegen. Der Konzern habe seine Position auf dem Markt missbraucht. Mehr

14.04.2015, 23:38 Uhr | Wirtschaft
Video-Plattform Psy hat Youtube kaputt gemacht

Öfter als zwei Milliarden Mal wird kein Video dieser Welt angeklickt, dachte sich Google, und programmierte Youtube so, dass es nicht weiter zählen kann. Aber der Konzern hat die Rechnung ohne den Gangnam Style gemacht. Mehr

04.12.2014, 11:28 Uhr | Aktuell
Facebook Die universale Volksrepublik

Wahrscheinlich hat Facebook von jedem Menschen, der das Internet benutzt, ein Profil, auch wenn er gar keinen Facebook-Account besitzt. So kolonisiert das soziale Netzwerk das ganze Internet. Mehr Von Christopher Lauer

19.04.2015, 20:00 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.10.2012, 13:42 Uhr


Googles Aktienkurs
Name Kurs Änderung
  Google Inc. --  --

Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Was tun mit Google?

Von Patrick Bernau

Das EU-Verfahren gegen Google ist übertrieben und nutzlos. Doch mit Google ist längst nicht alles gut. Deshalb sind bessere Ideen gefragt. Mehr 5 8

Grafik des Tages Junge Menschen verkaufen über das Netz

Ein gebrauchtes Smartphone oder der Wohnungsputz – viele Menschen verkaufen Produkte und Dienstleistungen über das Internet. Vor allem junge. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --