Der amerikanische Internetkonzern Google legt sich nach einem Angriff von Hackern auf seinen Email-Dienst Gmail abermals mit der chinesischen Regierung an. Google meldete eine Attacke auf Hunderte von Gmail-Konten, die das Ziel gehabt habe, an Passwörter heranzukommen. Betroffen von dem Angriff waren nach Google-Angaben unter anderem hochrangige amerikanische Politiker, politische Aktivisten aus China, Regierungsvertreter in anderen asiatischen Ländern wie Südkorea sowie Militärangehörige und Journalisten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums hat am Donnerstag jegliche Verwicklung der Regierung in den Angriff zurückgewiesen.
Google zeigte jedoch ausdrücklich mit dem Finger auf China und sagte, die Kampagne scheine ihren Ursprung in der Stadt Jinan zu haben, die rund 400 Kilometer südlich von Peking liegt. Google ging nicht so weit, die Regierung direkt verantwortlich zu machen, legte aber den Schluss nahe, dass politische Motive im Spiel sind.
Google war im vergangenen Jahr schon einmal nach einem Hacker-Angriff auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Regierung gegangen. Der Konzern meldete damals eine Attacke aus China auf seine eigenen Computersysteme und nahm dies zum Anlass für eine Debatte über die Zensur in dem Land. Google umging die Zensurvorschriften in China, indem die dortige Suchmaschine eingestellt wurde und die Nutzer stattdessen auf die unzensierte Seite in Hongkong verwiesen wurden. Auch beim damaligen Hacker-Angriff hat die chinesische Regierung jede Verantwortung bestritten.
Die amerikanische Regierung unterstützt Google
Die neue Attacke zielte nun nicht auf die Computersysteme von Google, sondern direkt auf die Konten der Gmail-Nutzer. Sie war offenbar auch technisch weniger ausgefeilt als das vormalige Manöver. Nach Auffassung von Google war es wahrscheinlich ein sogenannter „Phishing“-Angriff mit dem Ziel, sich Passwörter zu beschaffen, um Emails der betroffenen Nutzer lesen oder weiterleiten zu können. Phishing geschieht üblicherweise über das Senden vermeintlich vertrauenswürdiger Emails, die den Inhaber des Nutzerkontos dazu verleiten sollen, persönliche Daten wie sein Passwort preiszugeben.
Die amerikanische Regierung teilte mit, den Angriffen zusammen mit Google nachzugehen. Es gebe derzeit aber keinen Grund zur Annahme, dass offizielle Regierungskonten geknackt worden seien.
auf "Cyber-Angriffe" soll ja militärisch geantwortet werden
Sonja Domberga (sonjadomberga)
- 03.06.2011, 02:14 Uhr