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Big Data : Google weiß, wo die Grippe lauert

In den vergangenen Wochen hat sich die Farbe der Deutschlandkarte im Netz von einem hellen Grün (minimale Verbreitung der Grippe) - in verschiedene Orange-Töne (mittlere Verbreitung) gewandelt. In Berlin und Sachsen-Anhalt ist die Lage derzeit offenbar besonders brenzlig, dort könnte bald die höchste Stufe erreicht sein: Rot. Zu diesem Ergebnis kommt der amerikanische Internetkonzern mit seinem Analyse-Projekt „Google Flu Trends“. Bild: F.A.Z.

Milliarden von Suchanfragen gehen jeden Tag bei Google ein. Daraus lässt sich eine ganze Menge lernen. Zum Beispiel, wie sich das Grippevirus verbreitet. Berlin ist als Erstes dran.

          Die Nase trieft, der Hals kratzt - in solchen Momenten gehen viele nicht mehr zuerst in die Apotheke, sondern gemütlich zu Hause ins Internet. „Hausmittel gegen Erkältungen“ googeln die Leute dann. Oder: „Mittel gegen Grippe“. Immer häufiger steht eine Google-Suche am Anfang der Therapie. Nicht umsonst schnellen jedes Jahr im November die Suchanfragen zur Grippe in die Höhe. Niemand weiß das besser als Google. Jeden Tag prasseln 3,5 Milliarden Suchanfragen aus der ganzen Welt auf den Internetkonzern ein. Gut für den Nutzer, der Antworten findet, wertlos für die Gesellschaft - so war das lange Zeit.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nun lässt ein amerikanischer Internetkonzern wie Google nicht gerne irgendwelche Datenhaufen ungenutzt herumliegen. Mit Informationen, die Menschen freiwillig über ihre Befindlichkeiten im Internet preisgeben, kennt sich das Unternehmen bestens aus. Die Suchanfragen seiner Nutzer analysiert es emsig; mit maßgeschneiderter Werbung verdient es Milliarden.

          Deshalb dauerte es nicht lange, bis Mitarbeiter im Silicon Valley auf eine simple Idee kamen: Wenn viele Menschen auf einmal nach einem Medikament gegen Grippe suchen, gibt das nicht vielleicht einen Hinweis darauf, dass eine Grippewelle im Anmarsch ist? Und könnte man dann nicht viel schneller als bisher die Behörden warnen? Um Notfallpläne zu erstellen, Impfstoff heranzuschaffen oder Medikamente? Um Krankenhäuser vorzuwarnen und Ärzte?

          Denn nur wenig ist für Menschen und die Wirtschaft so belastend wie eine ordentliche Grippewelle. Wie die vor zwei Jahren zum Beispiel: Es war kurz vor Weihnachten 2012, als die Influenza über Deutschland hereinbrach. In den darauffolgenden Wochen mussten sich rund 4,3 Millionen Menschen wegen Grippe krankschreiben lassen, 32 000 wurden so schwer krank, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Ende Februar 2013 erreichte die Welle ihren Höhepunkt, doch erst Mitte April, nach qualvollen 18 Wochen, war der Schrecken vorüber. Solche Grippewellen sind nicht nur schmerzhaft, sondern teuer. Schätzungen über den volkswirtschaftlichen Schaden belaufen sich auf bis zu drei Milliarden Euro im Jahr.

          Für „Google Flu Trends“ werden Sucheingaben in 29 Ländern analysiert

          Patienten, Ärzte und Gesundheitsbehörden würden einiges darum geben, wenn sie verlässlich und in Echtzeit wüssten, was geschieht. Und nicht erst zwei oder drei Wochen später, wenn die Behörden ihre Daten mühsam zusammengetragen und die Informationen sortiert haben. Google würde nur allzu gerne in diese Lücke stoßen.

          Mit dem Projekt „Google Flu Trends“ ist der Konzern nun zumindest auf dem Weg dorthin. In 29 Ländern analysiert Google inzwischen die Sucheingaben, um für die Öffentlichkeit ein möglichst akkurates Bild von der Grippeverbreitung zu zeichnen. Die Ergebnisse stellt es auf der Internetseite www.google.org/flutrends zusammen. Eine Karte zeigt in vier Hauptstufen (minimal, niedrig, mittel und hoch) und zahlreichen Unterstufen die aktuelle Grippeverbreitung. Nach dem derzeitigen Stand bewegt sich Deutschland noch ausschließlich im Bereich niedriger oder mittlerer Grippehäufigkeit, was sich auf der Google-Karte im Internet in unterschiedlichen Gelb- und Orangetönen niederschlägt. Doch vor allem die Berliner sollten sich warm anziehen: Dort könnte die höchste Kategorie bald erreicht sein. Das kleine Saarland dagegen scheint besonders widerstandsfähig zu sein.

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