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Glasfaserausbau Inseln im schnellen Breitband-Netz

16.12.2009 ·  Der Glasfaserausbau läuft, aber noch verkaufen sich die Turboanschlüsse an das Internet nur schleppend. Da jedes Unternehmen in seiner Region baut, entsteht ein Flickenteppich. Spielregeln für die Branche sind notwendig.

Von Helmut Bünder, Bonn
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„Glasfaser zu vergraben ist eine Lust. Wer jetzt in die neue Basisinfrastruktur investiert, wird damit glücklich werden.“ Den Skeptikern, die sich Gedanken über die schleppende Vermarktung der Turboanschlüsse machten, setzte Josef Schäfer auf dem Glasfasertag des Branchenverbandes VATM kernig formulierten Optimismus entgegen. Schäfer ist Bereichsleiter Strategie und Innovation beim Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Vodafone, und der folgt seiner Devise. Zusammen mit der Deutschen Telekom hat das Unternehmen neue Glasfasernetze in Heilbronn und Würzburg in Betrieb genommen; seit Ende August sind die ersten Kunden an den Leitungen. Auch anderswo wird kräftig investiert. In Köln schiebt Netcologne Glasfaser an die Wohnungen heran; in München und Augsburg verlegt M-Net Hochgeschwindigkeitsleitungen.

In Niedersachsen baut die Oldenburger EWE TEL sogar in vielen Kleinstädten am Turbonetz. „Wir ziehen technologisch nach“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Iken. Weil es im dünnbesiedelten Niedersachsen zu teuer wäre, die Glasfaser bis in die Häuser zu führen, beschränkt sich EWE TEL auf die Erschließung der Verteiler am Straßenrand. Von dort führt weiterhin die herkömmliche Kupferdoppelader als Teilnehmeranschlussleitung (TAL) in die Haushalte. Das Unternehmen reagiert auf die Konkurrenz des Fernsehkabels. KDG ist in Niedersachsen gut vertreten und bietet Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit in der Sekunde. Damit kann Iken nach der Netzaufrüstung mithalten. Technisch entspricht der Aufbau in etwa dem VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz, mit dem die Deutsche Telekom in fünfzig Großstädten mehr als zehn Millionen Haushalte erreicht.

Konsequent bis zum Endkunden beschleunigen

Für Hartwig Tauber ist das nur eine teure und überflüssige „Zwischenlösung“. Um den Rückstand zu Asien und den Vereinigten Staaten aufzuholen, müsse der Glasfaserausbau konsequent bis zum Endkunden beschleunigt werden, sagte der Generaldirektor des FTTH Council Europe, eines Interessenverbandes von mehr als hundert Technologieanbietern. Telekomausrüster wie Alcatel-Lucent, Cisco Systems, Ericsson und Nokia Siemens Network verspüren Goldgräberstimmung. Rund 40 Milliarden Euro wird es Schätzungen zufolge kosten, das deutsche Netz flächendeckend auf den in der Breitbandstrategie der Bundesregierung angepeilten Standard von wenigstens 50 Mbit aufzurüsten. FTTH bringt bereits das Doppelte, aber „perspektivisch“ seien auch über VDSL und TAL Geschwindigkeiten von 100 Megabit möglich, erläuterte Iken.

Bislang allerdings gibt es zu wenige Kunden, die solche Bandbreiten bestellen und mit ihren Gebühren die neuen Netze finanzieren. Die Deutsche Telekom hat drei Milliarden Euro in den Bau ihres VDSL-Netzes und viele Millionen Euro in die Werbung investiert, aber die Vermarktung läuft bisher eher schleppend. Die gleiche Erfahrung macht 1&1. Die Tochtergesellschaft von United Internet hat seit September von der Telekom angemietete Hochgeschwindigkeitsanschlüsse im Angebot, sieht dafür aber nur ein „verhalten positives Echo“. Es fehle an attraktiven Anwendungen für die vergleichsweise teuren Turboanschlüsse. Viele Kunden sähen noch keinen Bedarf, über sechs oder sechzehn Mbit hinauszugehen, sagte 1&1-Vorstandssprecher Robert Hoffmann dieser Zeitung. Der Preis bilde eine hohe Eingangsschwelle. Aber wegen des hohen Vorleistungspreises, den die Telekom verlangt, müsse das Produkt vergleichsweise teuer sein.

Hochauflösendes Internet-Fernsehen und Video-on-demand

Einer der großen Hoffnungsträger der Branche sind hochauflösendes Internet-Fernsehen und Video-on-demand in hochauflösender Qualität. Wenn sie sich durchsetzen, werden sie den Bedarf an Bandbreite sprunghaft in die Höhe treiben. „Die Kunden sind bereit, mehr zu zahlen, wenn sie einen Zusatznutzen und einen Qualitätssprung sehen“, sagte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. Doch eine flächendeckende Vermarktung anspruchsvoller neuer Dienste setzt voraus, dass sie auch netzübergreifend funktionieren. Weil kein einziges Unternehmen die Investitionskosten allein schultern kann, entsteht das superschnelle Breitband als Flickenteppich einzelner regionaler Netze verschiedener Betreiberunternehmen. „In dieser Patchwork-Struktur brauchen wir gemeinsame Standards und Schnittstellen für die Dienste. Sonst gäbe es beim Endkunden möglicherweise ein böses Erwachen, wenn ihn das moderne Netz auf einer Insel zurücklässt“, sagte Kurth dieser Zeitung. Im kommenden Jahr will er die Industrie an einen Tisch bringen, um gemeinsame technische Spielregeln voranzutreiben. Sie wären die Grundvoraussetzung für „Open Access“, für die Forderung also, dass die neuen Netze allen Diensteanbietern für eine gemeinsame Nutzung offenstehen müssen.

1&1-Vorstandssprecher Hoffmann setzt dabei auf Verhandlungslösungen. „Unser Anspruch ist es, dass die Zusammenarbeit ohne direkte Eingriffe der Regulierungsbehörde gelingt“, sagte er. Notwendig sei jedoch eine Missbrauchsaufsicht durch die Netzagentur, damit kein Unternehmen seine Netzhoheit zu Lasten Dritter ausspielen könne. Glasfaser zu regulieren sei „genauso widersinnig, wie jemanden ins Krankenhaus zu schicken, der noch gar nicht krank sei“, fasste EWE-TEL-Geschäftsführer Iken die Mehrheitsmeinung auf dem Glasfasertag zusammen. Doch mit dem Glasfaserausbau werden sich die Machtverhältnisse auf dem Markt verschieben. Während bisher nur die Deutsche Telekom der Regulierung unterliegt, werden in den jeweiligen Ausbauregionen auch kleinere Unternehmen zum Alleinherrscher über das neue Netz. Auf diese Entwicklung habe die Netzagentur noch keine endgültige Antwort gefunden, sagte Kurth. Unter bestimmten Voraussetzungen bietet das Telekommunikationsgesetz sogar die Möglichkeit, eine Öffnung derartiger Regionalmonopole zu erzwingen. Kurth wollte nicht ausschließen, dass die Behörde zu diesem letzten Mittel greifen muss. Zunächst werde man ein Forum schaffen, um die Fragen der Netzzusammenschaltung und der Interoperabilität der Netze zu klären. „Ob das ohne Regulierung gehen wird, wollen wir diskutieren und sind dabei nicht festgelegt“, sagte er.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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