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Geplanter Kauf von Yahoo gescheitert Microsoft zieht Übernahmeangebot zurück

04.05.2008 ·  Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Die Unternehmen konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Das ist für keine der beiden Firmen eine richtig gute Nachricht.

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Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Yahoo habe sich trotz eines zuletzt nochmals erhöhten Angebots nicht bewegt, teilte Microsoft am Samstagabend mit. „Ganz klar: Das Geschäft kommt nicht zustande“, schrieb Konzern-Chef Steve Ballmer in einem Brief an Yahoo.

Mit dem Kauf für ursprünglich angebotene 45 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro) wollte der weltgrößte Softwareanbieter die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internet-Werbung brechen. Yahoo verlangte aber weit mehr als 50 Milliarden Dollar. Auch eine mehrfach angedrohte feindliche Übernahme von Yahoo gegen den Widerstand des Managements schloss Microsoft in der Absage nun definitiv aus.

Zuletzt nochmals fünf Milliarden draufgelegt

Microsoft habe die Offerte zuletzt noch einmal um rund fünf Milliarden Dollar aufgestockt, erklärte Ballmer gemäß einer Mitteilung auf der Website des Unternehmens. Die von Yahoo aber geforderten Konditionen machten für Microsoft keinen Sinn. Yahoo habe über die angebotene Aufstockung hinaus mindestens nochmals fünf Milliarden Dollar mehr gefordert. „Es ist im besten Interesse der Microsoft-Aktionäre, der Beschäftigten sowie anderer Beteiligter, unseren Vorschlag zurückzuziehen“, sagte Ballmer. Die Übernahme wäre die bislang mit Abstand teuerste in der Microsoft-Geschichte gewesen.

Ballmer teilte Yahoo-Chef Jerry Yang die Rücknahme des Kaufangebots am Samstagnachmittag in einem Brief mit. Er sei enttäuscht, schrieb Ballmer. Nach amerikanischen Medienberichten hatten sich die Spitzen beider Seiten kurz zuvor noch einmal vergeblich zu einem letzten Einigungsversuch getroffen. Microsoft hatte bereits zuvor mehrfach mit einem Rückzug gedroht.

Eine feindliche Übernahme wagt Microsoft nicht

Eine feindliche Übernahme von Yahoo will Ballmer auch mit Blick auf den Erzrivalen Google nicht wagen. Yang habe deutlich gemacht, dass Yahoo dann Schritte unternehmen werde, die den Konzern für Microsoft nicht länger attraktiv machten. Yahoo hatte parallel zu den Gesprächen mit Microsoft eine Allianz mit Google bei Suchanzeigen getestet. Microsoft kritisierte dieses Bündnis nun erneut scharf. Eine feindliche Übernahme wäre für Microsoft Experten zufolge zudem langwierig und teuer geworden - bei überdies ungewissem Ausgang.

„Wir glauben weiter, dass die vorgeschlagene Übernahme für Microsoft, Yahoo und den gesamten Markt sinnvoll gewesen wäre“, sagte Ballmer. Er räumte zudem ein: „Yahoo hätte unsere Strategie beschleunigt.“ Microsoft könne aber auch so seine Ziele erreichen.

Kreisen zufolge könnte Yahoo eine Partnerschaft mit Google im Anzeigengeschäft bereits in der kommenden Woche bekanntgeben. Yahoos Direktoriumsvorsitzender Roy Bostock erklärte, das Unternehmen verfolge „strategische Chancen“. Einzelheiten dazu nannte er jedoch nicht. Yahoo hat auch mögliche Übereinkommen mit Time Warners Internetsparte AOL und News Corps Internetnetzwerk Facebook in Betracht gezogen.

Analysten glauben, dass Yahoo überzogen hat

Analysten gehen davon aus, dass Yahoo mit seiner abwehrenden Haltung gegenüber Microsoft überzogen hat und erwarten, dass der Konzern dies mit einem Wertverlust seiner Aktien von 30 Prozent bezahlen wird. „Wow. Ich bin geschockt, dass Yahoo nicht vernünftiger war“, sagte Walter Price von der RCM-Vermögensverwaltung in San Francisco, die sowohl Microsoft- als auch Yahoo-Aktien hält. Es sei zudem überraschend, dass Ballmer keine feindliche Übernahme für 33 Dollar je Aktie versucht habe.

Andere Analysten glauben, dass Microsoft sein Gebot aus strategischen Gründen zurückgezogen haben könnte. Damit verstärke der Softwarekonzern den Druck auf Yahoo, ein künftiges Angebot anzunehmen. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge brachte Microsofts Drohung mit einer feindlichen Übernahme Yahoo bereits dazu, seine ursprüngliche Forderung von 40 Dollar je Aktie auf 37 Dollar je Aktie zu senken. Der Preis sei jedoch nicht das einzige Hindernis in den Verhandlungen gewesen, sagte die Person. Microsoft habe zudem kartellrechtliche Bedenken Yahoos nicht ausräumen können. Zudem habe Yahoo eine Garantie dafür gefordert, dass das Angebot Microsofts bis zu einer möglichen Übernahme gleichhoch bleibe.

Google bei der Internetwerbung klar vorne

Im einträglichen Online-Werbemarkt wird Google in diesem Jahr nach Schätzung der Marktforscher von eMarketer mehr als 30 Prozent der Umsätze kassieren, Yahoo 14 Prozent und Microsoft knapp sieben. Internetwerbung wird für Microsoft immer wichtiger, da kostenlose werbefinanzierte Internetsoftware den Programmen des Konzerns aus Redmond zunehmend Konkurrenz macht.

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Von Holger Steltzner

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