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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Georg Greve Der Software-Kämpfer

 ·  Georg Greve wurde auf Helgoland geboren. Vielleicht hat ihn das gelehrt, kräftigen Stürmen trotzig Widerstand zu leisten. Und er liebt den Blick zum Horizont, das Gefühl der Freiheit, das die große Weite vermittelt.

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Georg Greve wurde auf Helgoland geboren. Vielleicht hat ihn das gelehrt, kräftigen Stürmen trotzig Widerstand zu leisten. Und er liebt den Blick zum Horizont, das Gefühl der Freiheit, das die große Weite vermittelt. Jedenfalls schreckt der heute in Hamburg wohnende Greve angesichts dieser Erfahrungen aus der Jugendzeit nicht davor zurück, es als Erwachsener mit starken Gegnern aufzunehmen, zum Beispiel mit Microsoft, dem größten Softwarekonzern der Welt, oder Regierungen, die Softwarepatente befürworten. In seiner Funktion als Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) geben Greve und seine Mitstreiter zum Beispiel der Europäischen Kommission immer wieder Schützenhilfe, wenn es darum geht, die vor geraumer Zeit erlassenen Kartellauflagen gegen Microsoft auch wirkungsvoll durchzusetzen. Auch im Streit um europäische Softwarepatente hat Greve wieder und wieder seine Stimme erhoben. Greve hält Vorträge bei der Weltbank, warum die Institution bei ihren Entwicklungsprojekten die Förderung der Freien Software bedenken sollte, spricht vor Gremien der Vereinten Nationen und ist überhaupt viel unterwegs. "Sechs bis sieben Monate im Jahr", wie er sagt.

Was aber ist überhaupt Freie Software, was hat ein Stück Programmcode in einem Computer mit Freiheit zu tun? Und wie ist Greve, der eigentlich ein studierter Physiker ist, überhaupt dazu gekommen, sich an die Spitze einer kleinen, wenn auch zunehmend bekannter werdenden Lobbyorganisation in Europa zu stellen? Der Begriff der Freien Software wurde geprägt durch Richard Stallman, dem Gründer der amerikanischen Free Software Foundation, einer Schwesterorganisation der FSFE. Grundsätzlich geht es dabei um die freie Verfügbarkeit des Quelltextes (des sogenannten Sourcecodes) eines Programms, aber auch um die Freiheit, diesen Code als Programmierer zu verwenden, zu verändern und an Dritte weiterzugeben. Die Ansichten darüber, was Freie Software ist und was nicht, gehen bei Stallman, Greve und ihren Mitstreitern sogar noch weiter als bei den Vertretern der sogenannten - und manchmal sogar bekannteren - Open-Source-Bewegung.

Der Widerspruch zu den Geschäftsmodellen etablierter Softwarekonzerne wie Microsoft, SAP und vielen anderen, die mit dem Verkauf von Software und den dazugehörigen Lizenzen ihr Geld verdienen, ergibt sich jedenfalls zwangsläufig. Freie Software kann es nur geben, wenn idealistische Programmierer viel Zeit auf die Weiterentwicklung von Programmen verwenden, ohne dafür zwangsläufig eine Entlohnung zu erhalten. Das lizenzgebührenfreie Betriebssystem GNU/Linux ist ein Beispiel dafür, doch läßt sich die Liste lange fortsetzen. So beruht auch die Funktionsfähigkeit des Internet über den hohen Marktanteil des sogenannten Apache-Webservers, eines Netzwerkrechners, der Internetseiten bereitstellt, zu einem großen Teil auf Freier Software. Ohne einen vergleichbaren Idealismus würde auch die Free Software Foundation nicht funktionieren.

"Für mich geht es auch um die Frage der Menschenrechte in der digitalen Gesellschaft", begründet Greve seine Motivation, für die FSFE zu arbeiten. Dafür habe er Verantwortung übernehmen wollen, deshalb habe er seinen Lebensunterhalt nach der Gründung der europäischen Organisation im März 2001 sogar mit einem persönlichen Kredit vorfinanziert. Stallman war auf Greve, der schon mit zwölf Jahren mit dem Programmieren angefangen und sich seinen Lebensunterhalt im Studium mit einigen Programmierarbeiten finanziert hatte, nach einem Blick auf ein von Greve geschriebenes Stück Software aufmerksam geworden. Danach entwickelten sich die Dinge Schritt für Schritt. Inzwischen steht der 32 Jahre alte Greve an der Spitze der europäischen Kämpfer für Freie Software gleichberechtigt neben Stallman, der die amerikanische Organisation führt.

Ob der nicht immer erfolgreiche Kampf gegen die Lobbyisten der großen Softwarekonzerne dieser Welt nicht manchmal etwas zu frustrierend ist? "Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Und immerhin haben wir es zum Beispiel bei der Diskussion um die Softwarepatente geschafft, unsere Position in einer breiten Öffentlichkeit sehr deutlich zu machen." Die Freie Software gebe Europa und anderen Regionen der Welt endlich die Möglichkeit, auch auf dem bisher von amerikanischen Unternehmen dominierten Gebiet der Software wieder Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Carsten Knop

Quelle: F.A.Z., 11.04.2005, Nr. 83 / Seite 16
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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