09.02.2010 · Mobiltelefone mit GPS bringen das Internet auf eine lokale Ebene. Das junge amerikanische Unternehmen Foursquare gilt als Vorreiter der Bewegung. Doch bald werden Facebook, Twitter und Nokia in das Geschäft mit lokalen Informationen einsteigen.
Von Holger SchmidtWird Foursquare das nächste große Ding im Internet? Das New Yorker Start-up hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die gerade Strategen und Entwickler im Internet umtreibt: ortsbezogene Dienste, die Information und Kommunikation mit dem aktuellen Aufenthaltsort des Nutzers verknüpfen und damit das Internet lokal machen. Zentrale Funktion ist das "Check-in". Damit geben die Nutzer ihren aktuellen Aufenthaltsort an und zeigen ihren Freunden auf Foursquare an, wo sie gerade sind. "Auf Foursquare kann ich meinen Freunden Informationen und Tipps zu den Orten hinterlassen, an denen ich schon gewesen bin. Als ich zum Beispiel in München in die Cocktailbar "Schumann's" ging und eincheckte, poppte die Nachricht eines Freundes auf, der am Abend zuvor dort gewesen ist und mir einen guten Cocktail empfahl. Was wir gar nicht erwartet haben: Mütter checken oft auf Spielplätzen ein, um anderen Müttern zu signalisieren, auch mit ihren Kindern dorthin zu kommen", sagte der Foursquare-Mitgründer Dennis Crowley der F.A.Z.
Wichtig sei dabei der Schutz der Privatsphäre. "Mit einem Check-in zeige ich, dass ich meinen Standort mitteilen möchte. Dienste wie Google Latitude gehen davon aus, dass der Nutzer seinen Standort permanent mitteilen möchte. Das ist bei den meisten Menschen nicht der Fall. Wenn die Handys noch etwas besser werden und zum Beispiel Anwendungen im Hintergrund laufenlassen können, werden wir hybride Systeme zwischen manuellen Check-ins und ständigen Ortsbestimmungen sehen", sagte Crowley.
„Check-in“ als Signal an die Freunde
Seit das Unternehmen seine Idee im März 2009 vorgestellt hat, findet das "Check-in" immer mehr Freunde, auch in Deutschland. "Foursquare hat zwar noch weniger als eine halbe Million Nutzer, aber wir wachsen sehr schnell. Die Zahl neuer Nutzer wächst zwischen 60 und 70 Prozent im Monat; die Nutzung legt um mehr als 100 Prozent im Monat zu", sagte Crowley. Zum Wachstum trägt sicher auch die spielerische Komponente bei: Wer zum Beispiel am häufigsten in einer Kneipe eincheckt, ist der "Mayor", der vom Wirt gerne mal mit Freibier belohnt wird.
Foursquare ist als eine der ersten Anwendungen ausschließlich für das mobile Internet entwickelt worden. Während sich auf mobilen Geräten bisher stets die gleichen Dienste (und Anbieter) wie im stationären Web durchgesetzt haben, gehört Foursquare zu den Pionieren der neuen Gattung mobiles Internet. Allerdings muss sich das Unternehmen bereits gegen starke Konkurrenz behaupten. Google ist mit seinem Lokal-Dienst Latitude ebenso in diesem neuen Markt unterwegs wie die jungen Firmen Gowalla und Brightkite. Damit nicht genug. Immer mehr Schwergewichte steigen in das lokale Internet ein: "Ich bin sicher, dass auch Facebook eine Check-in-Funktion vorbereitet. Twitter arbeitet an einem Geo-System, dass jeder Tweet wie ein Check-in funktioniert. Die Check-in-Funktion wird Grundbestandteil aller sozialen, ortsbezogenen Dienste", sagte Crowley. Auch der Handy-Hersteller Nokia arbeite an einer Check-in-Funktion. "Künftig werden noch mehr Unternehmen in diesem Markt eintreten", ist sich Crowley sicher.
Mit acht Mann gegen Facebook und Twitter
Vor dem Markteintritt der Branchengrößen hat Crowley, dessen Unternehmen gerade einmal acht Mitarbeiter hat, aber keine Angst: "Wir wollen ja nicht das nächste Facebook werden. Die Modelle unterscheiden sich. Wir wollen Städte leichter nutzbar machen", sagte Crowley. Die Menschen werden ortsbezogene Inhalte zwischen verschiedenen Internetseiten teilen, hofft er. "Wenn jemand auf Foursquare eincheckt, senden wir das zu Facebook und zu Twitter. Wir haben keine Angst, diese Daten zu senden. Wir möchten ja, dass die Menschen diese Informationen teilen. Und ich denke, wenn die Menschen auch auf Facebook einchecken können, werden sie das auch zu Foursquare senden können. Das Spiel wird also nicht dadurch entschieden, auf welche Seite der Nutzer eincheckt. Entscheidend ist, wer die besten Informationen über den Ort aggregiert und bereitstellt, an dem ich mich befinde. Also die Fragen beantwortet, wo meine Freunde sind, was ich hier tun soll und wohin ich als Nächstes gehen soll. Entscheidend wird also sein, wer das Beste und Interessanteste aus diesen Daten macht", sagte Crowley. Ob der Austausch der lokalen Informationen allerdings wirklich so frei fließen wird, ist keine ausgemachte Sache. "Meine Sorge ist, ob die großen Unternehmen wirklich offen sind und die Daten austauschen. Twitter ist offen und teilt die Informationen per API. Und Facebook hat begonnen, die Geo-Daten zu sammeln, wenn man etwas postet. Genau wie bei Nokia bin ich mir aber nicht sicher, ob sie wirklich offen mit den Daten umgehen und anderen Diensten erlauben, daraus interessante Anwendungen zu bauen. Ich hoffe aber, dass sie sich an die Regeln halten", sagte Crowley.
Technisch sind solche lokalen Dienste erst möglich geworden, seitdem immer mehr Mobiltelefone mit dem Satellitennavigationssystem GPS ausgerüstet sind. Sie können den Aufenthaltsort des Handynutzers orten. Wer also ein Restaurant betritt, bekommt auf seinem Handy gleich den richtigen Namen angezeigt. Dann genügt ein Klick auf den Check-in-Knopf, um den Aufenthaltsort an Foursquare zu übermitteln.
Handys mit GPS setzen sich durch
Noch sind GPS-Handys in der Minderheit. Nach Berechnungen des amerikanischen Marktforschungsunternehmens IDC sind inzwischen 15 Prozent aller verkauften Mobiltelefone hochwertige Smartphones wie Apples iPhone oder das Nexus One von Google. Aber der Anteil dieser Geräte wird stark steigen. Zum Beispiel planen 45 Prozent der Deutschen den Kauf eines neuen Gerätes in den kommenden sechs Monaten - und viele schielen dabei auf die schicken Smartphones, auch wenn sie deutlich teurer als herkömmliche Handys sind. Trotz Krise ist die Ausgabebereitschaft für das nächste Mobiltelefon binnen eines Jahres um rund 20 Prozent gestiegen, hat TNS Infratest ermittelt. "Das gestiegene Vertrauen der Verbraucher und die Vielzahl neuer Smartphones sind die Grundlagen für einen deutlichen Aufschwung im Endgerätemarkt. Die Kaufabsicht ist seit dem letzten Jahr massiv angestiegen und hat inzwischen ein noch nie dagewesenes Niveau erreicht", sagt Oliver Janßen, Forschungsdirektor bei TNS Infratest. Gute Aussichten also für die lokalen Internetdienste, die einen zusätzlichen Schub bekommen, wenn das europäische Satellitensystem Galileo den Betrieb aufnimmt.
Ein paar Ideen, wie Foursquare Geld verdienen kann, hat Crowley auch schon. Auch wenn er es damit nicht eilig hat. "Im Moment haben wir alle Hände voll damit zu tun, das Produkt zu entwickeln, zu wachsen und das richtige Team zusammenzustellen. Umsatz und Gewinn liegen nicht in unserem Fokus. Später im Jahr werden wir eine bessere Antwort geben können." Er sieht einige Möglichkeiten. "Zum Beispiel lokalen Unternehmen Instrumente anzubieten, damit sie sehen können, welche Kunden in der Nähe sind und wer ihre besten Kunden überhaupt sind. Und natürlich Wege zu zeigen, um mit diesen Kunden zu interagieren. Wir führen bereits Gespräche mit lokalen Händlern über Coupons oder Werbeaktionen für Menschen, die ihr Gebiet besonders häufig aufsuchen. Wir sind auch mit großen Medienunternehmen im Gespräch, die ihren Kunden geographisch zugeschnittene Inhalte liefern wollen. Zum Beispiel könnte eine Zeitung ihre Restaurantkritiken ihren Lesern maßgeschneidert anbieten, wenn sie in der Nähe des Restaurants eingecheckt haben", sagte Crowley. Kooperationen miteinigen großen Markenherstellern haben dem jungen Unternehmen die ersten Umsätze eingebracht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.748,76 | −0,08% |
| FAZ-INDEX | 1.506,09 | +0,04% |
| TecDAX | 773,61 | +1,29% |
| MDAX | 10.316,30 | +0,10% |
| SDAX | 4.965,37 | +0,82% |
| REX | 421,06 | −0,60% |
| Eurostoxx 50 | 2.512,92 | −0,05% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,97 | +0,04% |
| Dow Jones | 12.884,00 | +0,04% |
| Nasdaq 100 | 2.545,72 | +0,54% |
| S&P500 | 1.349,96 | +0,22% |
| Nikkei225 | 9.000,40 | −0,17% |
| EUR/USD | 1,3260 | +0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 117,40 $ | −0,38% |
| Gold | 1.746,00 $ | +1,28% |
| Bund Future | 137,74 € | −0,20% |