18.08.2005 · Europas größte Messe für Computerspiele hat in Leipzig begonnen. Es gibt mehr Aussteller, mehr Spiele und mehr Online-Produkte als im letzten Jahr. Nur an deutschen Programmierern scheint es zu mangeln.
Mit dem Appell, Deutschland dürfe im wachsenden Markt für die Entwicklung elektronischer Spiele nicht den Anschluß verlieren, hat in Leipzig Europas größte Messe für Computer- und Videospiele begonnen, die Games Convention 2005. Bis Sonntag werden mehr als 110.000 Besucher erwartet, nach 105.000 im vergangenen Jahr. Nach Angaben der Leipziger Messe erreicht auch die Zahl der Aussteller mit 280 Teilnehmern aus 15 Ländern einen Rekord. Die Ausstellungsfläche, auf der etwa 190 Produktneuheiten vorgestellt werden, habe sich um fast 50 Prozent auf 80.000 Quadratmeter vergrößert.
Der Messe-Geschäftsführer Josef Rahmen beklagte, daß Deutschland trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung des Markts in der Entwicklung von Computer- und Videospielen noch immer ein Entwicklungsland sei. „Wir hinken hinterher, aber das Tor ist noch nicht zu.“ Um den Austausch innerhalb der Branche anzuregen, werde die Messe wiederum von einer internationalen Konferenz von Spiele-Programmierern begleitet, der GC Developer Conference 2005. Deren Teilnehmerzahl habe sich um mehr als 60 Prozent auf 450 erhöht.
Wachstumsmarkt mit sinkender deutscher Beteiligung?
Der Geschäftsführer des neu gegründeten Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware, Olaf Wolters, warnte, nach der Einführung neuer Spielecomputer (Konsolen) könnte sich die Kluft „zum Rest der Welt“ noch vertiefen. Nach den Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stieg der Absatz von Programmen für Video- und Computerspiele im ersten Halbjahr 2005 im Vergleich zur Vorjahreszeit um 13,5 Prozent auf rund 19 Millionen Einheiten. Der Umsatz sei sogar um 15,5 Prozent auf 466,5 Millionen Euro gestiegen.
Die Spielebranche ist auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern. „Nach mehr als 20 Jahren ist der Markt für herkömmliche Videospiele weitgehend gesättigt“, sagt Bernd Fakesch, Deutschland-Geschäftsführer des amerikanischen Herstellers Nintendo. Die neuen Wachstumsfelder sind aber schon ausgemacht: Online-Spiele über das Internet und mobile Spielekonsolen wie die Playstation Portable von Sony und Nintendo DS stehen in Leipzig im Fokus.
Nach Angaben der GfK ist der Markt der mobile Spielekonsolen im ersten Halbjahr in Deutschland um 78 Prozent gewachsen. Der Nintendo DS sei 160.000 Mal verkauft worden, sagte Fakesch. Die Branche hofft nun auf einen Wachstumsschub aus dem Verkaufsstart der Playstation Portable, die vom 1. September an in Deutschland zu kaufen ist.
„Das Geld wird noch mit den herkömmlichen Spielen verdient“
Die Online-Spiele werden allerdings erst dann Umsätze bringen, wenn genügend neue Konsolen mit Internetzugang verkauft worden sind. Die dritte Generation steht unmittelbar vor der Einführung: Microsoft wird seine Xbox 360 noch in diesem Jahr in die Läden bringen, die Sony Playstation 3 und Nintendo Revolution werden im kommenden Jahr verkauft werden. „Das Geld wird zur Zeit aber noch mit den herkömmlichen Spielen verdient“, sagte Martin Schneider vom Spieleentwickler Konami.
Allein das Konami-Fußballspiel Pro Evolution Soccer 2004 habe sich in Deutschland mehr als 100000 Mal verkauft und erheblich zum Umsatzanstieg des Unternehmens um 20 Prozent auf dem deutschen Markt beigetragen. Das japanische Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr 1,9 Milliarden Euro mit Spielen umgesetzt hat, bietet seit April auch Spiele für Mobiltelefone an. „Jugendliche können ihr Medienbudget nur einmal ausgehen. Spiele für Konsolen standen bisher in harter Konkurrenz zu Handy-Spielen und Klingeltönen“, sagte Schneider. Nun wolle die Spieleindustrie an dieses Budget heran.
Kinderhilfswerk wirbt für mehr Schulcomputer
Das Deutsche Kinderhilfswerk warb auf der Games Convention für den stärkeren Einsatz von Computern in Bildung und Erziehung. Es sei bedenklich, daß das Verhältnis von Jugendlichen zu elektronischen Rechnern in Deutschland weitgehend negativ gesehen werde, hieß es. Gemäß der Pisa-Studie von 2003 nutzten nur 21 Prozent der deutschen Kinder regelmäßig Computer in der Schule, so wenige wie in keinem anderen der untersuchten Länder. Im Durchschnitt seien es 39 Prozent, in Ungarn sogar 77 Prozent. Das Kinderhilfswerk unterstützt in Leipzig das Begleitprogramm GC Family für kindgerechte Medien und Schulsoftware.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2368 | −0,96% |
| Rohöl Brent Crude | 103,03 $ | −3,58% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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