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„Gamergate“ : Bitterer Ernst in der Spielewelt

Auch das ist die Welt der Computerspiele: Im Frankfurter Stadion gucken mehr als 10.000 Fans den Profis zu. Bild: Gilli, Franziska

Beschimpfungen, Boykotte, Morddrohungen: Unter Computerspielern wächst der Hass. Die echte Polizei muss in die Welt der Spiele eingreifen.

          Eigentlich war es nur eine Diskussion über Ethik in der Welt der Computerspiele. Doch in den vergangenen Wochen ist sie immer weiter eskaliert. An diesem Wochenende wurde eine Computerspiele-Entwicklerin aus Boston von der Polizei aus ihrem Haus geholt und musste untertauchen, weil sie Morddrohungen bekommen hatte.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hinter dem ganzen Aufruhr steht, dass sich die Welt der Computerspiele umwälzt. Zur Jahrtausendwende waren die Spiele noch die Domäne enthusiastischer Fans, die sich tage- und nächtelang epischen Spielewerken widmeten, in denen ein Spiel insgesamt 70 Stunden oder noch länger dauern konnte.

          Heute sind Videospiele populärer. Sie werden auch auf dem Handy oder auf dem Tablet gespielt, auch mal auf Facebook zwischendurch, Spielekonsolen wie Nintendos angejahrte „Wii“ stehen sogar im Altersheim. Viele Spielekonzerne konzentrieren sich inzwischen mehr auf die große Masse der Menschen als auf die Fans. Inzwischen gibt es so viele begeisterte Computerspieler, dass ein Fernsehkanal unter dem Namen Twitch die Übertragungen von Spielen zu seinem Programm machen kann. Gleichzeitig entwickeln unabhängige Entwickler Spiele, in denen ein Thema mehr im Zentrum steht als das Spielen selbst: Entwicklungen, mit denen offenbar nicht jeder Computerspieler zurecht kommt.

          Die Affäre heißt „Gamergate“

          Alles begann mit der amerikanischen Computerspiele-Entwicklerin Zoe Quinn, die in dem Spiel „Depression Quest“ das Leben mit Depressionen verdeutlichte. Als sie eine Affäre mit einem Redakteur des Spieleblogs Kotaku anfing, wurde den beiden vorgeworfen, sie hätten Sex gegen gute Berichterstattung getauscht. Zwar stellte sich bald heraus, dass der Blogredakteur nach Beginn der Affäre überhaupt nicht mehr über die Entwicklerin geschrieben hatte. Doch Quinn musste weiterhin heftige persönliche Angriffe aushalten, und der Streit endete nicht.

          Im Gegenteil: Bald erfasste eine heftige Auseinandersetzung die ganze Welt der Computerspiele-Fans. Sie bekam den Namen „Gamergate“. Computerspieler beschimpften Frauen aus der Spielebranche und warfen ihnen Feminismus vor, der nichts mit der Welt der Computerspiele zu tun habe. Spielejournalisten hielten die Protestierer vor, die Journalisten seien nicht unabhängig genug.

          In der vorigen Woche brachte eine Petition von „Gamergate“-Spielern sogar Intel dazu, eine Werbekampagne von einem Spieleblog zurückzuziehen, nachdem eine Autorin dort einen kontroversen Artikel veröffentlicht hatte.

          An diesem Wochenende wurden die Drohungen gegen eine weitere Spieleentwicklerin so massiv, dass die Polizei einschritt. Auf Twitter wurde die Entwicklungschefin der Spielefirma „Giant Spacekat“, Brianna Wu, mit dem Tod bedroht. Freunde der „Gamergate“-Bewegung distanzierten sich von den Morddrohungen. Die Polizei hielt die Drohungen aber für so ernstzunehmen, dass sie Wu und ihren Ehemann nach Angaben Wus aus ihrem Haus an einen sicheren Ort brachte.

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