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Fußballübertragung Arena gerät unter Zeitdruck

22.03.2006 ·  Was will Arena? Seit dem überraschenden Kauf der Pay-TV-Rechte ist außer dem vollmundigen Versprechen, „Fußball für alle“ zu bieten, nicht mehr viel zu hören von dem Münchner Unternehmen. Und der Druck wächst.

Von Marcus Theurer, München
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Am kommenden Montag will die Sportrechteagentur Arena über ihre Pläne für die Bezahlfernseh-Übertragung der Fußball-Bundesliga ab der nächsten Saison informieren. Doch anders als bisher erwartet, wird eine der wichtigsten Fragen auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in München voraussichtlich offenbleiben: Wie werden mehr als zehn Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen, die nicht zum Einflußbereich des Arena-Eigentümers Unity Media gehören, die Bundesliga empfangen?

Nach Informationen dieser Zeitung laufen vor allem die Verhandlungen zwischen Arena und dem größten deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) über eine Kooperation beim Bundesliga-Bezahlfernsehen zäh. "Eine Einigung bis kommenden Montag ist ziemlich unwahrscheinlich geworden", heißt es in verhandlungsnahen Kreisen.

Der Zeitdruck wächst

Für den Neueinsteiger Arena, das die Bundesliga-Rechte im Dezember überraschend dem Bezahlfernsehsender Premiere weggeschnappt hat, ist das ein großes Problem. Denn die KDG kontrolliert die Überlandkabelnetze in 13 Bundesländern, darunter auch zahlreiche Großstädte wie München, Hamburg und Berlin. Der Kabelbetreiber und Arena-Eigner Unity selbst versorgt dagegen mit seinen Netzen nur Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Der Zeitdruck wächst - bis zum ersten Spieltag sind es nur noch gut vier Monate. "Die ersten Termine für die Vorbereitungen sind bereits gerissen", heißt es. "Eine geordnete Vorbereitung wird immer schwieriger." Ein erheblicher Vorlauf sei zum Beispiel für Herstellung und Vertrieb der Bezahlfernseh-Zugangskarten (Smart Cards) notwendig. Diese benötigen die künftigen Arena-Kunden für ihre Digitalfernseh-Empfangsgeräte (Decoder) zur Entschlüsselung der Bundesliga-Übertragungen.

Ein Hemmschuh

Ein KDG-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zum Stand der Verhandlungen mit Arena äußern. Er sagte lediglich, der Kabelkonzern sei "weiter in aussichtsreichen Verhandlungen" mit der Sportrechteagentur. Auch eine Arena-Sprecherin bestätigte am Dienstag lediglich, daß weiter verhandelt werde. Als ein Hemmschuh in den Gesprächen gilt in Branchenreisen unter anderem, daß Unity seit der Übernahme des kleineren Netzbetreibers Telecolumbus auch in den Kabelnetz-Regionen der KDG tätig ist und deshalb zum direkten Konkurrenten geworden ist.

Weiter gediehen sind unterdessen die Planungen von Arena für die Haushalte mit Satellitenfernsehen. In der vergangenen Woche hat Arena bereits Übertragungskapazitäten beim Satellitenbetreiber SES Astra geordert. Offen ist allerdings, ob Arena auch die Dienste der Münchner Astra-Bezahlfernsehplattform APS, die eng mit dem Rivalen Premiere verbunden ist, nutzen will. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Software für die Programmverschlüsselung. APS und Premiere setzen auf die Technik Nagravision des Schweizer Anbieters Kudelski.

Kommen neue Decoder?

Sollte sich Arena gegen Nagravision entscheiden, hätte dies wohl weitreichende Folgen: Die rund 1,8 Millionen Premiere-Kunden mit Satellitenempfang bräuchten dann voraussichtlich neue Decoder, wenn sie weiter die Bundesliga sehen wollen. Andererseits wäre die Nutzung der vorhandenen Premiere-Decoder für Arena mit hohen Lizenzkosten verbunden. Zudem gibt es offenbar bei Arena wegen der Nähe von APS zu Premiere Bedenken. Beobachter erwarten deshalb, daß sich die Sportrechteagentur nicht allein an Astra und APS binden will. Parallelverhandlungen mit dem freilich deutlich kleineren Astra-Konkurrenten Eutelsat laufen deshalb weiter.

Nach eigenen Angaben verhandelt außerdem auch Premiere weiterhin mit Arena. So könnte die Sportrechteagentur die Bundesliga-Übertragungen ganz oder teilweise an den Bezahlsender weiterlizenzieren. Technisch wäre dies für Arena die einfachste Lösung, weil so die vorhandene Premiere-Infrastruktur genutzt werden könnte. Allerdings hat Arena öffentlich bisher stets bestritten, mit dem Rivalen Premiere zusammenarbeiten zu wollen.

Auf der personellen Seite verstärkt sich die Sportrechteagentur unterdessen weiter. Wie das Unternehmen mitteilte, stößt Albrecht Schmitt-Fleckenstein als Redaktionsleiter für das geplante Bundesligafernsehen zu der Sportrechteagentur. Der 45 Jahre alte Schmitt-Fleckenstein war zuletzt Sportchef beim Fernsehsender Sat.1 und tritt seine neue Stelle sofort an.

Quelle: F.A.Z. vom 22. März 2006
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