http://www.faz.net/-gqe-7nzoj

Internetbrowser : Firefox kämpft mit dem Homophobie-Problem

Schaut nicht homophob: Der Feuerfuchs, Maskottchen des Browsers Firefox Bild: AP

Der neue Chef von Mozilla kämpft gegen die Gleichstellung homosexueller Paare. Das empört die Internetgemeinde. Schon gehen Boykottaufrufe herum.

          Es ist ein mehr als ungewöhnlicher Schritt: Die in den Vereinigten Staaten äußerst beliebte Datingplattform OKCupid warnt ihre Nutzer vor der Verwendung des Internetbrowsers Firefox. Der Grund ist nicht etwa eine eklatante Sicherheitslücke oder eine veraltete Technologien, die Firefox einsetzt. Es geht darum, dass der Internetbrowser unvermittelt in eine Debatte über die Rechte von homosexuellen Paaren reingezogen wurde.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch von vorn. Vergangene Woche wurde Brendan Eich zum neuen Chef der Mozilla Corporation berufen. Diese ist unter Anderem für die Vermarktung aller Produkte der Mozilla Stiftung zuständig. Unter ihrem Dach wurde unter anderem der Internetbrowser Firefox entwickelt. Durch diesen wurde die damals vorherrschende Stellung des Internet Explorers von Microsoft aufgebrochen.

          Eigentlich eine gute Besetzung

          Die Berufung von Eich an die Spitze der Mozilla Corporation wurde von Anfang an kritisch begleitet. Er gilt als brillantes Technikgenie, der wegweisende Internettechnologien entwickelte, die heute auf nahezu jedem Rechner zu finden sind. Außerdem hat er genug „Stallgeruch“, da er an Bord seit der Gründung Mozillas. Doch einige Mitglieder des Aufsichtsrates wünschten sich eher jemanden von außen. Drei von ihnen traten noch vor Eichs Amtsantritt zurück.

          Dies könnte man als übliche Streitereien abtun, die immer auftreten, wenn wichtige Posten besetzt werden. Doch der Grund für die große Verärgerung, die Eich jetzt entgegen schlägt, ist ein anderer: Er hat vor einigen Jahren eine Kampagne finanziell unterstützt, die sich dafür einsetzt, dass homosexuelle Paare nicht heiraten dürfen in Kalifornien. Seine homophoben Ansichten sollen im Unternehmen schon lange bekannt gewesen sein.

          Das ist ein absolutes Tabu für die sonst so tolerante Internetbranche. Mozilla selbst wirbt offensiv für ein offenes Internet und Gleichberechtigung. „Gutes tun ist unser Fundament“, heißt es etwa auf der deutschen Homepage. Das passt mit den Ansichten von Eich nicht zusammen.

          „Persönliche Ansichten unwichtig für die Arbeit“

          Daraufhin traf eine regelrechte Empörungs-Welle in den sozialen Netzwerken die Mozilla Foundation. Das ist Gift für die  Stiftung, die auf Spenden angewiesen ist. Mehrere Menschen haben im Internet bereits angekündigt, ihre Spenden zurückzuziehen und die Foundation nicht mehr zu fördern. Daneben haben aber auch mehrere prominente Programmierer Mozillas den Rückritt Eichs gefordert und mit ihrem Austritt gedroht.

          Mozilla versuchte in Blog-Einträgen, die Gemüter zu beruhigen und versicherte, dass man sich weiter für Gleichberechtigung einsetzen werde. Auch Eich selbst äußerte sich, so sagte er, dass er glaubt, dass „seine persönlichen Ansichten  unwichtig sind“ für seine Arbeit.

          Die Internetgemeinde sieht das offenbar anders. Der vorläufige Höhepunkt war nun der Aufruf von OKCupid, den Browser nicht mehr zu benutzen: „Diejenigen, die danach streben, Liebe zu leugnen und stattdessen Elend, Scham und Frustration durchzusetzen, sind unsere Feinde, und wir wünschen ihnen nichts als Misserfolg“, heißt es dort. Das schädigt den Ruf der Stiftung, doch noch  lehnt Eich einen Rücktritt ab.

          Weitere Themen

          Die Unkaputtbaren Video-Seite öffnen

          Nischen im Einzelhandel : Die Unkaputtbaren

          Fotos? Instagram! Musik? Spotify! Klamotten? Zalando! Für fast jedes Bedürfnis gibt es eine App, die für den Nutzer bequem ist, aber traditionelle Geschäfte in den Ruin treibt. Wer überlebt, macht etwas richtig. Was genau?

          Topmeldungen

          Rund um die Frankfurter Messe sieht es am frühen Donnerstag Abend ungewöhnlich leer aus.

          Frankfurt : Evakuierung für Bomben-Entschärfung hat begonnen

          8000 Menschen müssen ihre Wohnungen räumen, bevor ein Blindgänger aus dem Weltkrieg entschärft werden kann. Die Polizei kontrolliert nun bis 23 Uhr, ob alle Anwohner der Anweisung gefolgt sind.

          Die Zukunft des Diesel : Zwingt das EU-Recht zu Fahrverboten?

          Wird der Streit um Fahrverbote für saubere Luft womöglich in Luxemburg entschieden? FAZ.NET hat die wichtigsten Punkte aus der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht zusammengefasst.

          Wehrhahn-Prozess : Angeklagter soll im Gefängnis mit Anschlag geprahlt haben

          Er hat die festgefahrenen Ermittlungen zum Wehrhahn-Anschlag wieder ins Rollen gebracht: Am Düsseldorfer Landgericht hat ein Schlüsselzeuge in dem Verfahren gegen den mutmaßlichen Attentäter ausgesagt. Dieser habe ihm die Tat gestanden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.