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Festnetz Die „letzte Meile“ soll billiger werden

23.01.2009 ·  Wenn Wettbewerber der Telekom bisher für den Zugang zu Endkunden die „Teilnehmeranschlussleitung“ von der Telekom gemietet haben, waren hierfür 10,50 Euro im Monat fällig. Jetzt fordern sie eine Preissenkung um 25 Prozent. Der einstige Monopolist dagegen will mehr Geld sehen.

Von Johannes Winkelhage
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Die Wettbewerber der Deutschen Telekom fordern eine deutliche Senkung der Entgelte, die sie als Miete für die letzte Meile zum Kunden zahlen müssen. Bisher werden für diese auch Teilnehmeranschlussleitung (TAL) genannte Strecke 10,50 Euro im Monat fällig. Geht es nach dem Willen der Wettbewerber wie Hansenet, Teléfonica oder Versatel und QSC soll dieser Preis jetzt um 25 Prozent auf rund 7,90 Euro gesenkt werden. Das vom Regulierer zuletzt für zwei Jahre festgesetzte Entgelt wird derzeit überprüft. Ende März soll eine Entscheidung fallen. Die Telekom fordert eine kräftige Anhebung der Entgelte und möchte künftig 12,90 Euro für die letzte Meile erhalten.

„Diese Forderung sollte dem Telekom-Vorstand die Schamesröte ins Gesicht treiben“, erklärte Peer Knauer, der Vorstandsvorsitzende der Versatel AG, während eines Gesprächs mit Journalisten in Berlin. „Die Telekom nutzt die Krise, um den Wettbewerb in die Ecke zu treiben“, fügt er hinzu. Knauer spielt damit auf eine zusätzliche Forderung der Telekom an. Diese hatte die im Rahmen der Gespräche über einen Infrastrukturausbau zur Konjunkturbelebung angeboten, die weißen Flecken auf der DSL Landkarte innerhalb kurzer Zeit zu schließen und dafür mehr als 3 Milliarden Euro zu investieren. Im Gegenzug forderte Telekom-Chef Rene Obermann in Gesprächen mit der Bundeskanzlerin „ein Ende der Abwärtsspirale bei den Vorleistungspreisen“ - was eindeutig vor allem auf die TAL gemünzt war. So versuche die Telekom die Konjunkturspritzen der Bundesregierung mit einer für sie positiven Erhöhung der TAL zu verknüpfen, klagen die Wettbewerber und sind seither in Sorge, die Bundesnetzagentur werde - unter politischem Druck - eine Anhebung des TAL-Preises beschließen.

Starke Konkurrenz von Kabelnetzbetreibern

Das aber würde nach Angaben der Telekom-Konkurrenten weitere Investitionen von ihrer Seite erheblich erschweren. „Deutschland ist für die Telefónica ein strategisch bedeutsames Land und wir investieren hier bis 2010 rund 3,5 Milliarden Euro die Infrastruktur“, sagt Johannes Pruchnow, der Geschäftsführer der Telefónica Deutschland. „Die nächste Investitionsrunde fällt der Telefónica allerdings schwer, da die regulatorischen Rahmenbedingungen nicht geklärt sind. Die TAL-Entscheidung ist ein Meilenstein für die kommenden Investitionspläne“, fügte Pruchnow während der Veranstaltung in Berlin hinzu. Die Wettbewerber rechnen vor, dass eine Absenkung der TAL um 25 Prozent ihre Kosten innerhalb von 5 Jahren um rund 1,2 Milliarden Euro senken würde. Dies Geld würden auch sie in den Ausbau der Netze investieren und durch moderne Funktechnik ebenfalls die weißen Flecken auf der DSL-Karte schließen.

Die Margen der Wettbewerber im Telefongeschäft sind in den vergangenen Jahren stark abgeschmolzen und eine Erhöhung des TAL-Preises würde ihre Ertragssituation noch verschärfen. „Wir werden keine Glasfaser ausbauen, wenn wir mit unserm heutigen Kerngeschäft keine Marge mehr erzielen können, die den Fortbestand sichert“, fügt Knauer hinzu und verweist damit auf den Ernst der Situation. Selbst bei einem konstanten Preis für die TAL würden die Unternehmen nicht weiter investieren, hieß es in Berlin.

Die Telekom wie auch ihre Wettbewerber werden derzeit von den Kabelnetzbetreibern stark unter Druck gesetzt. Diese unterbieten sowohl die im Telefonmarkt bisher üblichen Preise für Pauschalangebote mit Internetzugang und Telefonie deutlich. Auf der anderen Seite liefern sie zu diesen Preisen Bandbreiten, die in den normalen Telefonnetzen ohne einen Ausbau auf VDSL nicht erreicht werden können. Allein deshalb ist es künftig für alle Telefongesellschaften notwendig auf eine neue Netzinfrastruktur zurückgreifen zu können. Ob nun selber gebaut oder von anderen gemietet wie heute die letzte Meile.

Telekom baut ihr VDSL-Netz aus

Auch nach Ansicht von Bernd Schlobohm, dem Vorstandsvorsitzenden der Kölner QSC AG, wäre es völlig ungerechtfertigt, jetzt einen höheren TAL-Preis zu setzen. „Die Telekom baut ein neues Netz und das alte, das die Wettbewerber mitnutzen, wird praktisch nur noch erhalten und gepflegt. Also dürfen nicht wie bisher die Wiederbeschaffungskosten als Grundlage für den TAL-Preis herangezogen werden“, erklärte er in Berlin. Allein deshalb müsse der Preis kräftig sinken.

Schlobohm und die anderen Vertreter der Unternehmen bestätigten auch, dass es Gespräche mit der Deutschen Telekom über einen gemeinsamen Netzausbau gebe. Zudem werde über die Modalitäten des Zugangs verhandelt. Daran zeigt sich abermals, dass die Telefongesellschaften immer stärker auf Kooperationen angewiesen sind. Auch die Deutsche Telekom, die in mehr als 50 Städten schon ihr VDSL-Netz ausgebaut hat, setzt immer häufiger auf einen gemeinsamen Ausbau, da auch sie alleine die rund 50 Milliarden Euro für einen weitergehenden Netzausbau nicht aufbringen kann und will.

In den Gesprächen mit der Telekom werde auch das Prinzip des Open Access diskutiert. Dabei treibe jedes beteiligte Unternehmen in anderen Regionen den Ausbau voran. Die anderen könnten dann jeweils auf diese Infrastruktur zugreifen und umgekehrt. So sei es möglich, sogar sehr schnell für eine weite Verbreitung der neuen Glasfasernetze zu sorgen. Damit kann nach Ansicht von Marktbeobachtern auch das Ziel der Bundesregierung erreicht werden, bis zum Jahr 2014 drei Viertel der deutschen Haushalte an moderne Glasfasernetze anzuschließen.

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