Der krisengeschüttelte hessische Kabelnetzbetreiber sieht Licht am Ende des Tunnels. "Bis Ende des Jahres haben wir unsere Hausaufgaben gemacht", sagte Jan B. Rittaler, der seit dem Frühjahr Vorsitzender der Geschäftsleitung von Iesy ist, im Gespräch mit dieser Zeitung. "Akut insolvenzgefährdet" sei das Unternehmen zu Jahresanfang gewesen. Iesy versorgt direkt und indirekt rund 1,25 Millionen hessische Haushalte mit Kabelfernsehen. Mittlerweile rechnet Rittaler zumindest operativ - beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - dieses Jahr wieder mit einem Gewinn. 2002 war diese Kennzahl bei Iesy dagegen negativ, was im Kabelgeschäft ungewöhnlich ist, haben die Unternehmen mit den Kabelgebühren der Haushalte doch eine stabile Einnahmebasis. "In 18 bis 24 Monaten werden wir auch nach Steuern wieder Geld verdienen", kündigte Rittaler an.
Mit konkreten Zahlen geizt das Unternehmen, das nach einer Umschuldung seit Jahresanfang von Finanzinvestoren kontrolliert wird. Damals tauschten Anleihegläubiger um die Risikokapitalgesellschaften Apollo und Pequot Capital ihre Forderungen in Gesellschafteranteile um. Mit einer Kapitalspritze in nicht genannter Höhe mußten sie zudem den Kollaps der Gesellschaft verhindern. Iesy verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro und erwartet für dieses Jahr ein leichtes Wachstum.
Rittaler hat bei Iesy noch einmal drastisch Stellen gestrichen. Mittlerweile arbeiten noch 300 Beschäftigte bei dem Unternehmen. Zur Jahresmitte waren es dagegen noch 350 und im vergangenen Jahr noch 400 Mitarbeiter. "Ein weiterer Stellenabbau ist nicht geplant", sagt der Iesy-Chef. Rittalers Liste der "Hausaufgaben" ist umfangreich. So hat er den Vertrieb neu organisiert. Bis Jahresende sollen 100 eigene Handelsvertreter für Iesy auf Kundenakquise gehen. Außerdem seien das Marketing verbessert, das marode Finanzwesen konsolidiert und günstigere Konditionen mit Lieferanten ausgehandelt worden.
Zu den strategischen Zukunftsperspektiven des Unternehmens hält sich Rittaler weitgehend bedeckt. Auch die Gesellschafter wollen sich nicht äußern. Marktteilnehmer und Branchenbeobachter rechnen in den kommenden Monaten mit Zusammenschlüssen unter den großen Kabelnetzbetreibern (F.A.Z. vom 23. Oktober). "In der Branche spricht zur Zeit jeder mit jedem", sagt ein beteiligter Banker. Ähnlich wie Iesy waren auch die Netzbetreiber in Nordrhein-Westfalen (Ish) und Baden-Württemberg (Kabel BW) durch überzogene Ausbau- und Modernisierungspläne für die überalterten Netze in Not geraten und werden nun von Finanzinvestoren (Iesy, Kabel BW) oder den Gläubigerbanken (Ish) kontrolliert.
Durch Zusammenschlüsse könnten Größenvorteile erzielt und so der Wert der Beteiligungen gesteigert werden. Außerdem würde sie einigen Banken und Investoren den raschen Ausstieg aus den Gesellschaften ermöglichen, bei denen sie nur notgedrungen Anteilseigner geworden sind. Als eine Variante gilt ein Zusammengehen von Iesy, Kabel BW und Ish. Dadurch würde ein Kabelunternehmen entstehen, das rund 7,5 Millionen Haushalte versorgt.
Allerdings dürfte auch Kabel Deutschland (KDG), größtes deutsches Kabelunternehmen, Interesse an der Übernahme anderer Betreiber haben. Die KDG kontrolliert das gesamte Überlandkabelnetz in Deutschland mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Direkt und indirekt sind rund 10,2 Millionen Haushalte in ihre Netze angeschlossen. Wegen dieser starken Marktstellung wäre eine Konsolidierung unter Einschluß der KDG freilich kartellrechtlich schwierig. (theu.)
