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Zweites deutsches Löschzentrum : Facebook bekämpft Grausamkeit im Netz künftig von Essen aus

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter von Facebook arbeiten rund um die Uhr im Löschzentrum in Berlin. Bild: dpa

„Bei der ersten Enthauptung habe ich geheult“, erzählte eine Mitarbeiterin im Facebook-Löschzentrum in Berlin unlängst. Nun stockt das soziale Netzwerk das Team deutlich auf.

          Facebook baut die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland demnächst stark aus, die strafbare oder beleidigende Einträge entfernen. Im Herbst werde in Essen ein zweites Löschzentrum mit 500 Mitarbeitern eingerichtet, teilte das soziale Netzwerk an diesem Mittwoch mit.

          Am ersten Standort Berlin wird gerade die Zahl der Mitarbeiter der Bertelsmann-Dienstleistungsfirma Arvato, die für Facebook im Einsatz sind, auf 700 erhöht. Das neue Zentrum in Essen soll nicht von Arvato betrieben werden, sondern dem europäischen Anbieter Competence Call Center.

          „Bei der ersten Enthauptung habe ich geheult“

          Das vor kurzem im Bundestag angenommene sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internet-Plattformen, strafbare Hassrede schneller zu löschen. In klaren Fällen soll das binnen 24 Stunden passieren, in weniger eindeutigen Sachverhalten innerhalb von einer Woche.

          Kritiker - auch aus der Internet-Branche - bemängeln unter anderem, dass damit die Unternehmen eine Deutungshoheit bekämen. Außerdem gebe es die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig, um vor nach dem Gesetz drohenden Geldstrafen sicher zu sein. Auf der ganzen Welt will Facebook die Zahl der Mitarbeiter, die Inhalte prüfen und löschen, von 4500 auf 7500 ausbauen.

          Vor einiger Zeit hatte Facebook der Öffentlichkeit außerdem erstmals Einblick in die Arbeit in seinem Löschzentrum in Berlin gewährt. Die Erfahrungen der Mitarbeiter sind teils schockierend. „Ich weiß noch, das erste Enthauptungsvideo - da hab’ ich dann ausgemacht, bin raus und hab erstmal ein wenig geheult“, erinnerte sich eine Mitarbeiterin.

          Das sei dann aber auch ihr einziger emotionaler Ausbruch gewesen - weil man beim ersten Mal unvorbereitet dafür sei. „Jetzt hat man sich so daran gewöhnt, es ist nicht mehr so schlimm“, sagt sie, 28 Jahre alt.

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