Home
http://www.faz.net/-gqe-73u5p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Facebook-Aktie Trotz Kursanstieg nicht über den Zuckerberg

Ermutigende Zahlen zum mobilen Geschäft lassen den Aktienkurs von Facebook trotz eines Quartalsverlustes deutlich steigen. Allerdings dürfte das Potential damit ausgereizt sein.

© REUTERS

Der Kurs der Facebook-Aktie steigt am Mittwoch deutlich. Im dritten Quartal hat das Netzwerk zwar einen weiteren Verlust von diesmal 59 Millionen Dollar verbucht. Doch die Entwicklung im mobilen Geschäft verlief ermutigend.

Martin Hock Folgen:

Werbung auf Smartphones und Tablets habe sich als effizienter herausgestellt, sagte Gründer Mark Zuckerberg. Diese mache inzwischen 14 Prozent der Werbeeinnahmen oder 150 Millionen Dollar aus.

Mehr zum Thema

Mehr Umsatz als erwartet

Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 32 Prozent auf 1,26 Milliarden Dollar. Die Werbung machte daran 86 Prozent aus, der Rest ist vor allem Facebooks Anteil an Einnahmen aus Online-Spielen. Der Beitrag des mit schweren Problemen kämpfenden „Farmville“-Erfinders Zynga ist dabei um ein Fünftel gesunken. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 1,23 Milliarden Dollar gerechnet. Die Gesamtzahl der monatlichen Nutzer lag zuletzt bei gut einer Milliarde, ein Zuwachs von 26 Prozent.

Grund für die Verluste waren dagegen vor allem hohe Steuern auf Aktien, mit denen das Unternehmen seine Mitarbeiter entlohnt sowie höhere Kosten für Marketing, Verwaltung und die Entwicklung neuer Produkte. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 227 Millionen Dollar verdient. Auf bereinigter Basis verdiente Facebook mit 12 Cents je Aktie etwas mehr als mit 11 Cents von Analysten erwartet.

Beeindruckte Analysten

„Was für ein mobiles Problem?“, stellte Brian Wieser, Analyst bei Pivotal Research eine rhetorische Frage. Er taxiert den Umsatz mit mobiler Werbung für das zweite Quartal auf 10 Millionen Dollar und sieht damit eine enorme Steigerungsrate. Bisher war die Sorge, Facebook könne aufgrund des Trends zu mobilen Anwendungen nicht dauerhaft profitabel arbeiten, der Hauptgrund für den desaströsen Kursverfall nach dem Börsengang im Frühjahr. Mittlerweile greifen 604 Millionen Facebook-Nutzer zu Smartphones oder Tablet-Computern. Das sind 61 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Auch Arvind Bhatia, Analyst bei Sterne Agee & Leach hatte den Umsatzanteil der mobile Anwendungen mit 5 Prozent deutlich niedriger angesetzt. Indes müsse Facebook immer noch beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniere. Es zeige sich aber, dass sich die Dinge hier recht rasch veränderten. Dennoch wird Facebook mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent in den Vereinigten Staaten nur der sechstgrößte Anbieter in der mobile Werbung sein. Marktführer ist Google mit einem Anteil von 55 Prozent.

Nur ein erster Erfolg

Im nachbörslichen Handel in Amerika stieg der Facebook-Kurs um 13,1 Prozent auf 22,06 Dollar, an den deutschen Börsen um 11 Prozent. So erfreulich das ist, es lässt sich als Gegenreaktion auf die Kurshalbierung seit dem Börsengang verstehen. Diese wiederum war ein sich selbst verstärkender Prozess aus Kursverfall und Sorgen ums mobile Geschäft.

Realistisch ist aber die Auffassung, dass Facebook dennoch erst noch beweisen muss, dass es in einer mobilen Welt ein funktionierendes Geschäftsmodell hat. Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von immer noch 40 für das laufende und mehr als 30 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit auf kurze Sicht weiter ambitioniert bewertet. Längerfristig ist das Potential weiter enorm, vorausgesetzt es gelingt dem Unternehmen mit den Nutzern Schritt zu halten.

Auch wenn der Kursanstieg stark war, so dürfte das Potential damit erst einmal ausgereizt sein. Die Notierung hatte sich seit August zwischen 17,70 und 23,30 Dollar stabilisiert. Diese Spanne hat sie nicht verlassen, sondern ist an das obere Ende gelangt. Insofern dürfte es nicht überraschen, wenn es wieder zu Gewinnmitnahmen auch im Zuge auslaufender Haltefristen kommt. Angesichts der Bewertung und der ungelösten Probleme ist mit weitere Kursaufschlägen eigentlich eher nicht zu rechnen.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Repression im Netzwerk So zensiert Facebook

Mark Zuckerberg, Chef eines Konzerns mit 1,5 Milliarden Nutzern, gibt sich gern harmlos. Doch er hofiert Despoten. Und seine Algorithmen unterdrücken die Freiheit der Kunst und der politischen Meinung. Mehr Von Adrian Lobe

06.07.2015, 16:30 Uhr | Feuilleton
Kommunikation Messaging-Services - die Zukunft sozialer Netze?

Mit mehr als 500 Millionen Nutzern ist WhatsApp der derzeit der erfolgreichste Messenger-Dienst. Smartphone-User verschicken über solche Apps Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten. Gerade junge Leute verzichten dadurch vermehrt aufs SMS-Schreiben oder die Kommunikation über Facebook. Mehr

20.01.2015, 18:17 Uhr | Wirtschaft
Startup Palantir Der mysteriöse Datensammler

Schon mal gehört? Ein Unternehmen namens Palantir soll 20 Milliarden Dollar wert sein. Doch nicht der hohe Wert macht das Unternehmen so interessant, sondern vor allem seine Geldgeber: Ein berühmter Deutsch-Amerikaner - und die CIA. Mehr Von Roland Lindner, New York

29.06.2015, 17:03 Uhr | Wirtschaft
Türkische Spielefirma Traditionelle Spiele als Online-Variante

Das türkische Unternehmen Peak Games entwickelt Online-Varianten von traditionellen Spielen aus der Region. Damit schließt die Firma eine Marktlücke und kann sich gegenüber Branchenriesen wie Zynga oder King behaupten: Täglich spielen zwölf Millionen Nutzer in der Türkei und im arabischen Raum die Spiele des Istanbuler Publishers. Mehr

10.03.2015, 12:51 Uhr | Technik-Motor
Weitere Nachrichten Damenmodehändler CBR bietet Aktien zu 14 bis 18 Euro an

Aktien von CBR können bis zum 1. Juli gezeichnet werden. Handy-Roaming-Aufschläge in der EU sollen nun doch ab 2017 entfallen. Die chinesische Industrie schrumpft den vierten Monat in Folge. Mehr

23.06.2015, 06:51 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.10.2012, 13:21 Uhr


Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Riester-Republik

Von Johannes Pennekamp

Muss der Staat die private Altersvorsorge bezuschussen? Wenn ja, dann sollte er das für die Geringverdiener tun. Doch die Riester-Rente erreicht sie nicht. Mehr 12 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --