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E-Jamming Rock im Netz

16.04.2007 ·  Beim E-Jamming treffen sich Musiker im Internet, um dort gemeinsam zu musizieren. Nun gibt es sogar eine neue Technik, die es erlaubt, dass das Online-Orchester eine Art Dirigenten bekommt.

Von Johannes Winkelhage
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Gemeinsam über das Internet Musik zu machen war bisher noch kaum möglich. Der Grund: Trotz hoher Leitungsgeschwindigkeiten per DSL waren die Laufzeiten der Signale zwischen den Musikern, die auf einen einheitlichen Takt und damit quasi auf eine Echtzeitanwendung angewiesen sind, zu lang. Der Paukenschlag aus Hamburg kam in München zu spät an. Das aber wird sich nach Meinung von Gail Cantor, der Vorstandsvorsitzenden des kalifornischen Unternehmens E-Jamming Inc., jetzt ändern.

Cantor und der Mitgründer Jay Glueckman haben sich für E-Jamming eine Technik patentieren lassen, mit der die Laufzeitunterschiede von Echtzeitanwendungen so weit heruntergerechnet werden können, dass ein gemeinsames Musizieren möglich werden soll. „Wir übernehmen die Aufgabe, die in einem Orchester vom Dirigenten wahrgenommen wird“, sagte Cantor im Gespräch mit der F.A.Z. Dabei geht es ihr, die früher selber Musikerin war und unter anderen mit Barry Manilow und Bette Midler gearbeitet hat, vor allem auch um die Klangqualität der Übertragung über das Internet. „Es soll sich ja nicht anhören wie Skype oder ein normales Telefongespräch“, erklärt sie. Dies sei mit E-Jamming möglich. Das Angebot ist zur Musikmesse in Frankfurt Ende März offiziell gestartet, und die Software kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Auch für Profi-Künstler

E-Jamming wurde im Jahr 2004 zunächst von Gründern und Freunden mit rund 250.000 Dollar finanziert. Später kamen 1,7 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern wie Allen and Company, New York Angels und Golden Seeds hinzu. Knapp 70 Prozent der Anteile liegen aber noch bei den Unternehmensgründern. Zunächst konzentrierte man sich auf die Übertragung im in Musikerkreisen gängigen Midi-Format, um das Zusammenspiel über das Internet zu ermöglichen. „Wir erkannten aber, dass das nicht genug ist. Jetzt haben wir auf das Audio-Format umgestellt, das jeder nutzen kann, der einen Computer mit einem Audioeingang, ein Mikrophon und einen Kopfhörer besitzt“, betont Kantor. Nach dem Ende des Beta-Tests der Software in einigen Wochen soll das Unternehmen aber eigenes Geld verdienen. „Unser Geschäftsmodell ist einfach. Die Kunden sollen zahlen“, sagt Kantor. Drei Monate Nutzung werden nach ihren Angaben rund 30 Dollar kosten, das Tagesticket gibt es für knapp 5 Dollar.

Cantor sieht dabei aber nicht nur Hobbymusiker als potentielle Kunden. „Auch für professionelle Künstler oder Musiklehrer kann E-Jamming eine große Hilfe sein.“ So könnten Musiker, die häufig in unterschiedlichen Besetzungen zusammenspielten, kurze Proben vor den Auftritten im Internet vereinbaren. So würden Fahrtzeiten und der oft sehr hohe Transportaufwand für die Ausrüstung gespart. Musiklehrer könnten ihre Schüler im Internet unterrichten und so durch Zeitersparnis produktiver werden, erklärt Kantor. Dabei bietet die Software noch einen weiteren Service. Die einzelnen Sessions werden auf den Rechnern der Musiker gespeichert, nach dem Ende der Probe abgeglichen und dann in CD-Qualität allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt. Damit wird das Programm auch zum Aufnahmestudio.

Treffpunkt für Musiker im Netz

E-Jamming will aber nicht nur die Software zur Verfügung stellen, sondern soll sich - ganz im Stil des Web 2.0 - auch als Treffpunkt für Musiker im Netz etablieren. Nach Angaben von Kantor soll das Portal zum Beispiel zeigen, wer gerade online ist und nach Mitspielern sucht. So könne man über den eigenen Bekanntenkreis hinaus international neue Kontakte knüpfen. Bis Ende April soll das Portal im Netz fertig sein, sagt Kantor.

E-Jamming braucht, um zu funktionieren allerdings einen DSL-Anschluss, der über eine hohe Geschwindigkeit beim Heraufladen von Daten ins Internet (Upload) verfügt. „300 Kilobit in der Sekunde sind ausreichend, 500 Kilobit sind besser, um E-Jamming zu nutzen“, sagte die Gründerin. Diese Geschwindigkeit haben in Deutschland - im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten - aber nur wenige der normalen DSL-Anschlüsse. Hier sind bisher eher 192 Kilobit der Standard. Bei vielen DSL-Anbietern kann aber eine zusätzlichen Option gebucht werden, die einen schnelleren Upload ermöglicht. Dadurch entstehen allerdings meist weitere Kosten.

In den Vereinigten Staaten hingegen sind vor allem die Haushalte, die ihren Internetzugang über das Kabelnetz beziehen, standardmäßig mit deutlich höheren Upload-Geschwindigkeiten ausgerüstet. Ähnliches gilt für die Breitbandinfrastruktur in vielen Ländern Asiens.

Quelle: F.A.Z., 16.04.2007, Nr. 88 / Seite 23
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