Der amerikanische Online-Händler Amazon.com Inc. startet eine neue Offensive, um die Verbreitung von Büchern in digitaler Form voranzutreiben: Der Vorstandsvorsitzende Jeff Bezos hat am Montag in einer Pressekonferenz in New York die zweite Generation seines digitalen Lesegeräts Kindle vorgestellt. Der neue Kindle hat ein aufgefrischtes Design, ist dünner und bietet mehr Speicherplatz und eine längere Batterielaufzeit. Die zweite Version hat außerdem eine Funktion, mit der sich der Nutzer die Inhalte auf dem Kindle vorlesen lassen kann. Die Art der Stimme und das Tempo des Vorlesens kann der Nutzer selbst variieren. Noch immer offen ist der Start in Deutschland. Amazon hat das Gerät zwar im vergangenen Herbst auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, zu einem Starttermin außerhalb der Vereinigten Staaten schweigt das Unternehmen aber beharrlich.
Amazon hat die erste Version des Kindle im Herbst 2007 eingeführt. Für das Unternehmen bedeutete das Produkt eine völlig neue Richtung, denn zum ersten Mal verkaufte Amazon ein elektronisches Gerät unter eigenem Namen. Der Kindle - der Name kommt vom englischen Verb „to kindle“ für „entzünden“ - wurde in der Branche sofort mit dem erfolgreichen digitalen Musikspieler iPod von Apple verglichen.
Ein iPod für Bücher
Das Prinzip des Kindle ist ähnlich wie das des iPod, nur eben für Bücher: Auf das Gerät können ganze Bücher heruntergeladen und zum Lesen abgerufen werden. Der Kindle hatte zunächst Speicherplatz für rund 200 Bücher, die neue Version wird 1500 Bücher unterbringen. Neben dem Gerät verkauft Amazon auch die digitalen Bücher, ähnlich wie dies Apple beim iPod mit der Online-Plattform iTunes macht. Die meisten Bücher kosten 9,99 Dollar. Amazon machte zunächst 90.000 Titel in digitaler Form für den Kindle verfügbar, mittlerweile ist die Bibliothek auf 230.000 Bücher angewachsen. Bezos sagte in New York, seine Vision sei es, irgendwann alle Bücher der Welt in allen Sprachen als Digitalversionen verfügbar zu machen. Neben Büchern können Kindle-Nutzer auch digitale Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften für ihr Gerät abonnieren. Der Kindle wurde zunächst für 399 Dollar verkauft, mittlerweile hat Amazon den Preis auf 359 Dollar gesenkt.
Amazon war nicht das erste Unternehmen auf dem Markt für digitale Lesegeräte. So führte der japanische Sony-Konzern im Herbst 2006 seinen E-Book-Reader ein. Im März soll eine neue Version des Reader in Deutschland auf den Markt kommen. Amazon hob sich beim Start des Kindle von Sony damit ab, dass Bücher über eine drahtlose Internetverbindung direkt auf das Gerät heruntergeladen werden können, während sie beim Sony-Reader zunächst auf einem Computer gespeichert werden müssen.
Keine konkreten Angaben zum Verkaufserfolg
Mit konkreten Angaben zum Verkaufserfolg des Kindle hält sich Amazon zurück. Das Gerät ist seit November vergangenen Jahres in Amerika ausverkauft, und Interessenten müssen sich auf eine Warteliste setzen lassen. Analyst Mark Mahaney von der Citigroup schätzt, dass Amazon im vergangenen Jahr insgesamt 500.000 Kindles verkauft hat, für das laufende Jahr erwartet er eine Verdopplung auf mehr als 1 Million Einheiten, für 2010 geht er sogar von mehr als 3,5 Millionen aus. Im Jahr 2010 könnte das Geschäft mit dem Kindle und zugehörigen Büchern Amazon einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar bringen, schätzt er.
Jeff Bezos nannte auch am Montag keine konkreten Absatzzahlen. Er sagte aber, 10 Prozent aller auf Amazon verkauften Bücher entfallen mittlerweile auf digitale Kindle-Versionen. Amazon gab am Montag auch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Bestseller-Autoren Stephen King bekannt, der ein Buch exklusiv für den Kindle schreibt.
Eine Milliarde?
Falk Hammer (FalkHammer)
- 09.02.2009, 19:10 Uhr
Gute Idee, schlechte Umsetzung.
Michael Meier (stupser)
- 09.02.2009, 19:32 Uhr
Ein guter Start
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 09.02.2009, 20:50 Uhr
Wie schnell ist die neue Version?
Runa Gisladottir (runag)
- 09.02.2009, 22:46 Uhr
Gute Idee, gute Umsetzung
Frank Muschalle (Royalflush)
- 09.02.2009, 23:44 Uhr