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Dropbox und Co. Der Hype um die Datenspeicher

 ·  Texte, Bilder und Videos sollen nach dem Willen der IT-Industrie künftig in der Datenwolke gespeichert werden. Der Anbieter Dropbox hat klein angefangen - und muss sich nun gegen große Namen wehren.

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Große Dinge fangen üblicherweise klein an. Im Falle von Drew Houston war es ein vergessener USB-Stick. Der lag zu Hause, und Houston ärgerte sich am Bostoner Bahnhof South Station, dass er während einer längeren Busfahrt keine Arbeiten erledigen konnte. Der Student am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde noch vor Ort aktiv und schrieb die ersten Zeilen eines Programmcodes. Keine fünf Jahre später ist das daraus entstandene Unternehmen Dropbox auf dem Weg zu einem Milliardenunternehmen.

Startups gibt es im Silicon Valley reichlich. Viele dieser aufstrebenden Unternehmungen überleben nur kurz, manche etwas länger, und nur wenigen gelingt der ganz große Durchbruch. Dropbox scheint zur letzteren Kategorie zu gehören. Ein Indiz dafür lieferte vergangene Woche das Technikblog Techcrunch. Nach dessen Informationen ist Dropbox gerade dabei, weiteres Geld von Wagniskapitalgebern einzuwerben. In einer früheren Runde waren es gerade 7,2 Millionen Dollar, die Investoren in das Startup steckten. Jetzt geht es um ganz andere Dimensionen. Angeblich wird eine Summe zwischen 200 und 300 Millionen Dollar angepeilt. Insgesamt soll der Datenspeicheranbieter zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar wert sein.

„Es funktioniert einfach“

Solche Zahlen lassen nur zwei Meinungen zu. Die Pessimisten sehen - auch mit Blick auf teils zweistellige Milliardenbewertungen von Social-Media-Unternehmen wie Facebook - nach dem Hype zur Jahrtausendwende schon die nächste Internetblase am Horizont. Die anderen verweisen darauf, dass Dropbox in einem Geschäftsfeld tätig ist, das derzeit die Phantasie der Netzgemeinde mehr anregt als irgendein anderes: Cloud-Computing, also das Verlagern von Daten, Rechenleistung und Software vom Rechner zu Hause irgendwohin ins Internet, in die „Datenwolke“, gilt als eine so einschneidende Entwicklung, dass niemand in der Branche mehr daran vorbeikommt.

Auch die großen Namen nicht. Sie überbieten sich geradezu damit, Nutzerdaten auf ihre Server zu ziehen. Microsoft offeriert im Rahmen von Windows Live das Anbot „Skydrive“ (“25 GB kostenloser Speicherplatz auf ihrer Online-Festplatte“), Google ist mit „Google Docs“ (deutsch: Text & Tabellen) dabei, und Apple hat den Nachfolger des Synchronisierungsdienstes Mobile Me angekündigt, dessen Fehlerhaftigkeit Firmenchef Steve Jobs schon zu Wutausbrüchen vor versammelter Mannschaft getrieben haben soll. Nun präsentierte Jobs iCloud - eine Anwendung, die Musik, Fotos, Apps, Kalender und Dokumente speichern und auf allen Geräten (der Personalcomputer ist nur eines davon) auf dem neuesten Stand halten soll. „It just works“ lautet das Motto, „es funktioniert einfach“. Das lässt sich der Konzern eine Menge Geld kosten. Nahe des kleinen Ortes Maiden in North Carolina entstand ein neues Rechenzentrum, eine Milliarde Dollar teuer.

Für bessere Dienste muss man zahlen

Mit der dann dort beheimateten Apple-Datenwolke ist Jobs jedoch vergleichsweise spät dran. Nicht zuletzt Dropbox gehörte zu den ersten Anbietern, und so kann das bislang gerade 50 Mitarbeiter starke Unternehmen inzwischen auf eine breite Kundschaft verweisen. Im April zählte man mehr als 25 Millionen Anwender, die jeden Tag mehr als 200 Millionen Dateien online speichern. Die Frage nach der Profitabilität ihres Geschäftsmodells mögen die Gründer Drew Houston und Arash Ferdowsi nicht beantworten, nicht einmal zum Umsatz gibt es Auskünfte. So können sich Branchenfachleute nur auf Plausibilitäten und Schätzungen berufen.

Dropbox setzt wie viele andere Internetunternehmen auf das „Freemium“-Modell: Der Basis-Einstieg ist gratis, für bessere Dienste (“Premium“) muss man zahlen. So kostet die Speicherung von Daten bis zu zwei Gigabyte nichts. Für bis zu 50 Gigabyte werden 9,99 Dollar pro Monat fällig, für bis zu 100 Gigabyte 19,99 Dollar. Wie stets in solchen Fällen entscheidet die Rate der Wechsler zur kostenpflichtigen Variante über die Umsätze. Unter der Annahme, dass diese Rate bei 5 Prozent liegt, käme man auf jährliche Erlöse in einer Größenordnung von 100 Millionen Dollar. Die Umsätze des Kurznachrichtendienstes Twitter dürften sich im vergangenen Jahr auf einem Niveau bewegt haben, das in etwa der Hälfte dieser Summe entspricht.

Die Gefahren des Wachstums hat auch Dropbox zur Kenntnis nehmen müssen. Vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen seinen Datenskandal, als für Stunden die Konten mit jedem Passwort zugänglich waren. Trotzdem ist die Community - verfolgt man entsprechende Kommentare - überwiegend überzeugt von dem Dienst, vor allem wegen seiner Einfachheit. Ob das gegen die anrückenden großen Namen hilft, ist trotz der vermeintlichen Milliardenbewertung alles andere als sicher. Als einen Trick zum Erfolg nennt Gründer Houston, sich als Unternehmer in die Gedankenwelt der Konsumenten hineinzuversetzen. Das versprechen freilich auch andere.

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20.07.2011, 13:00 Uhr

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