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Digitalkonferenz DLD Von den Kleinen lernen

 ·  Auf der Münchener Digitalkonferenz DLD umarmen Großunternehmen ihre neuen Start-up-Partner. Und die Teilnehmer lernen: Wer das neue Facebook werden will, braucht auch eine Portion Größenwahn.

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René Obermann zeigt Gefühle. Am Sonntag sitzt der Noch-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom auf dem Podium der Digitalkonferenz „Digital Life Design“ in München. Seit der Verleger Hubert Burda vor acht Jahren zum ersten Mal zu dieser Konferenz eingeladen hat, ist sie ein Treffpunkt für alle geworden, die versuchen, mit dem Internet Geld zu verdienen. Im Jahre 2005 gehörten Unternehmen wie die Deutsche Telekom noch zur Speerspitze der Mitverdiener. Seitdem hat sich viel verändert. Die Telekom verdient zwar immer noch gut. Aber junge, agile Unternehmer haben Ideen in den Markt gedrückt wie den Onlinetelefondienst Skype oder auch den SMS-Ersatz Whatsapp. Inzwischen haben große Unternehmen lernen müssen, den Kleinen zuzuhören und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Die Telekom ist zum Beispiel mit dem Musikstreamingdienst Spotify eine Partnerschaft eingegangen. „Spotify liebt die Telekom“, so stand es auf der Homepage des jungen Unternehmens als die Zusammenarbeit verkündet wurde, berichtet Obermann nun. Diese Zuneigungsbekundung scheint ihn tief bewegt zu haben. „Sie wissen nicht, was das für einen Manager der Deutschen Telekom bedeutet“, sagt er. Ein Newcomer preist einen Marktdinosaurier – ein Lob, das Obermann hörbar gefällt.

Es gibt immer wieder diese Momente auf der dreitägigen Konferenz, die zeigen, wie sich Große und Kleine annähern aber auch abstoßen. Auf einem Podium sitzt am Montag ein Manager des Fernsehsenders Pro Sieben neben Lisa Donovan, die die Videoplattform Maker Studios aufgebaut hat. Die Plattform hat mehr als 10.000 Kanäle und jeden Monat stehen dort mehr als 30.000 neue Videos zur Verfügung.

Donovans Unternehmen ist ähnlich wie Googles Videoplattform Youtube eine Bedrohung für herkömmliche Fernsehsender – gerade weil sie auch mit professionellen Produzenten zusammenarbeitet und mit den Sendern um hochwertige Inhalte konkurriert. „Wir brauchen Premium-Content, weil das auch wichtig ist, um Anzeigenkunden zu bekommen“, sagt Donovan. Es ist aber auch wichtig, um das Geschäft schnell aufzubauen. Skalieren heißt das in der Sprache der Internetunternehmer, und skalieren will hier jeder, denn wer schnell viele Nutzer hat, kann auch viel Geld verdienen.

So wie der junge Amerikaner, der 2009 die Konferenz besuchte. 2 Millionen Mitglieder hatte Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk Facebook damals. Mehr als 998 Millionen Neumitglieder später träumen in München viele davon, so etwas wie der nächste Zuckerberg zu werden.
Zum Beispiel Sam Shank. Der 39 Jahre alte Amerikaner ist der Geschäftsführer des Unternehmens Hotel Tonight – einer Plattform, auf der Geschäftsreisende aber auch Touristen in letzter Minute noch freie Hotelbetten in einer Stadt zu reduzierten Preisen buchen können.  Für jede Buchung erhält Shank eine Provision. Am Montag ist Hotels Tonight nach nur zwei Jahren Entwicklung auch in Deutschland und der Schweiz gestartet, und so soll es weitergehen.

Jede Woche will Shank nun eine neue Stadt hinzufügen, 80 Städte in verschiedenen Ländern sind es heute. „Die Probleme der Hotels, die kurzfristig noch freie Betten haben, sind global, die Probleme der Nutzer, die kurzfristig noch ein Bett suchen, sind global“, sagt Shank. Nur die physische Welt, so scheint es,  schränkt die Grenzen des digitalen Wachstums ein.

Mut und eine Portion Größenwahn

Und Geld. Wer das nächste große Ding im Internet hochziehen will, braucht Investoren. Manche Meinungen gehen dabei auseinander, wie es um die Geldgeberszene in Deutschland und Europa bestellt ist. Klaus Hommels, der selbst Wagniskapital in Skype, Facebook und das Karrierenetzwerk Xing gesteckt hat, sagt: „Es gibt einen massiven Geldmangel, und wir brauchen mehr Investitionen, die aus Europa kommen.“ Telekom-Vorstand Obermann sieht das anders: „Ich glaube nicht, dass wir einen Kapitalmangel haben, sondern dass uns großartige Gründer fehlen.“

Wer Ben Horowitz zuhört, der könnte den Eindruck bekommen, dass an beiden Positionen etwas Wahres dran ist. Horowitz ist vielleicht einer der einflussreichsten Internetinvestoren der Welt, und hat zuletzt beim Börsengang von Facebook mit verdient. Nun soll er erklären, wie er die Ideen herausfiltert, in die er investiert. Aus 2355 Vorschlägen, die er sich im vergangenen Jahr angeschaut hat, entwickelten sich 24 Abschlüsse. Was dieses eine Prozent ausmachte? „Wir suchen Unternehmertypen mit einer verrückten Idee“, sagt Horowitz. Das Geheimrezept sei ein Dreiklang aus Brillanz, Mut und einer Idee, die den Durchbruch garantiert.
Manchmal gehört wohl auch ein Schuss Größenwahn dazu. So wie bei den drei Männern, die das Portal Rapgenius gegründet haben, in das Horowitz 15 Millionen Euro investiert hat.

Eigentlich wollten sie anfangs nur unklare Textstellen in Rap-Songs aufhellen. Inzwischen erklärt ihre Internetseite auch Literatur, Ansprachen und Gesetzestexte – von „Moby Dick“ bis zur Amtseinführungsrede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama vom Vortag. Das meiste machen die drei Gründer nicht selbst, sie haben es an die Masse ausgelagert – an Nutzer, die sich die Mühe machen, den Sinn hinter Texten aufzuhellen. Dazu gehören inzwischen auch Musiker und Autoren, die ihre Werke gleich selbst nachträglich kommentieren.
Zusammen mit ihrem Investor Horowitz sprechen die drei äußerst selbstbewussten Rapgenius-Gründer über ihre Idee. Wie diese Idee irgendwann mal Geld verdienen soll, erwähnen die Vier mit keinem Wort. Hauptsache, sie skaliert. Und dass sie das wird, da sind sich die drei jungen Männer durchaus sicher. Eigentlich ist die Diskussion über das mutmaßlich „nächste große Ding“ schon vorüber, wie es auf der Bühne zum Abschied heißt. Für den Rapgenius-Gründer Mahbod Moghadam scheint dieses Lob aber noch nicht genug. Als er die Bühne verlässt, sagt er: „Wir werden die größte Internetseite der Welt.“

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21.01.2013, 13:18 Uhr

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