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Digitales : Apple und die Chance des iPad

Lässig: Steve Jobs hat mit dem iPad mal wieder eine große Show geliefert - nicht mehr und nicht weniger Bild: AP

Digitale Musik wurde mit Apples iPod zum Massenphänomen. Das iPhone hat den Handymarkt verändert. Was wird das neuste Produkt, der Tablet-Computer iPad leisten? Bahnbrechende Elemente sind bisher nicht zu erkennen.

          Den will ich haben! Das sagen sich immer mehr Menschen, die noch vor zehn Jahren nicht im Traum daran gedacht hätten, einmal ein Produkt der Marke Apple zu besitzen. Inzwischen aber wurde der eine vielleicht vom digitalen Musikspieler iPod gelockt. Die andere hat das Mobiltelefon iPhone angezogen. Und davor soll es auch schon Menschen gegeben haben, die sich nach dem ersten Blick auf einen Laptop mit einer bei Dunkelheit beleuchteten Tastatur für Apple begeistert haben.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          So etwas ist zum Beispiel in Stieg Larssons Bestseller "Verblendung" nachzulesen. In zwei Monaten wird man Larssons Romane, die mit Apple-Werbung vollgepackt sind, auch auf dem soeben neu vorgestellten Tablet-Computer des Hauses lesen können, dem iPad. Seit der Online-Buchhändler Amazon sein Gerät zur Darstellung elektronischer Bücher mit dem Namen Kindle auf den Markt gebracht hat, wissen wir, dass dahinter ein Geschäftsmodell stecken kann.

          Über das iPad wäre in dieser Woche aber nicht so viel berichtet worden, wenn es nicht noch um eine ganz andere Frage ginge: Wird das iPad auch das Informationsverhalten der Generation derjenigen verändern, die derzeit unter dreißig Jahre alt sind, also von denjenigen, die sich schon lange nicht mehr auf den traditionellen Wegen über das Weltgeschehen auf dem Laufenden halten? Darüber ist unmittelbar nach der Präsentation des Geräts durch den Unternehmensmitbegründer und Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs eine heftige Debatte entbrannt.

          Nur das iPhone XXL, oder doch eine ernsthafte Bedrohung für Kindle und Co.?
          Nur das iPhone XXL, oder doch eine ernsthafte Bedrohung für Kindle und Co.? : Bild: AFP

          Es muss besser sein als Laptops und Smartphones

          Fest steht bisher nur, dass Jobs mal wieder eine große Show geliefert hat. Damit kennt man nun die technischen Details des Geräts. Aber viele Fragen bleiben, nicht nur für die Verlage. Und es kann munter weiterspekuliert werden. Wird das iPad zu seinem Verkaufsbeginn in zwei Monaten für eine ähnliche Hysterie sorgen wie im Jahr 2007 das Multimediahandy iPhone, das Menschenmassen in die Apple-Läden lockte? Kann das iPad zu einer ähnlich starken Säule für Apple werden wie das iPhone, das mittlerweile mehr als ein Drittel zum Konzernumsatz beisteuert?

          Jobs hat jedenfalls - wie üblich - dick aufgetragen und das iPad als "magisches und revolutionäres Produkt" angekündigt. Aber er hat auch zugegeben, dass die Messlatte sehr hoch liegt: Jobs will das iPad als "dritte Kategorie" von tragbaren Computern positionieren, in der Mitte zwischen Laptops und Smartphones wie dem iPhone. Damit das iPad aber überhaupt eine Daseinsberechtigung habe, müsse es in vielen Dingen besser sein als Laptops und Smartphones, sagte Jobs: für die Internetnutzung, das Ansehen von Videoinhalten, das Lesen digitaler Bücher oder für Videospiele. Freilich pries Jobs das iPad als genau einen solchen überlegenen Alleskönner an. Jenseits dessen habe es indes "keine Daseinsberechtigung". Auch das räumt Jobs ein. Immerhin.

          Tatsächlich nimmt sich der Apple-Chef viel vor, wenn er eine Revolution mit einem Produkt verspricht, das als eine Mischform bestehender Kategorien definiert ist. Das Publikum in San Francisco hing Jobs zwar während seiner Präsentation wie gewohnt an den Lippen, aber hinterher machte sich doch etwas Ernüchterung breit. Schnell mäkelten einige, das iPad komme im Prinzip nicht anders daher als die Großversion eines iPhone. Die von Jobs beschriebene Überlegenheit des iPad gegenüber allem bisher Dagewesenen wurde bezweifelt. Kritiker meinten, es werde nicht leicht sein, die Verbraucher zu überzeugen, dass sie noch eine dritte Art von Gerät brauchen, zumal das iPad mit einem Preis zwischen 499 und 829 Dollar je nach Version nicht billig ist. Die deutschen Preise stehen noch nicht fest.

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