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Digitaler Nachlass : Was passiert mit dem Internet-Erbe von Verstorbenen?

Auch im Internet sollten die Erben für die letzte Ruhe des Verstorbenen sorgen. Bild: © Russell Underwood/CORBIS

Nicht nur ums Häuschen, sondern auch um den digitalen Nachlass sollten sich die Hinterbliebenen kümmern. Alles andere kann teuer werden.

          Zwei Jahre hatte der Twitter-Account geschwiegen. Keine Tweets mehr, keine Retweets, kein „Gefällt mir“. Das war auch nicht verwunderlich, denn der Inhaber des Accounts war einen Tag nach seinem letzten Tweet plötzlich und unerwartet verstorben. Umso erstaunter reagierten seine Follower, als der Account zu neuem Leben erwachte und plötzlich fleißig Herzchen an diverse fremdsprachige Tweets verteilte. Wie kann das sein? Wer setzt dem Spuk ein Ende? Und wer darf das überhaupt? Fragen über Fragen – und keiner hatte spontan eine Antwort darauf.

          Christoph Schäfer

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das kleine Beispiel veranschaulicht ein Problem, das seit der vollständigen Etablierung der sozialen Netzwerke und kommerzieller Internetanbieter in den Vordergrund drängt. „Für uns ist es seit knapp drei Jahren ein Thema“, sagt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter: „Inzwischen kommt es täglich vor, dass Hinterbliebene uns fragen, wie sie mit den Online-Daten des Verstorbenen umgehen sollen.“

          Wie groß das Problem ist, machen allein zwei Zahlen klar: Fast vier von fünf Deutschen nutzen mittlerweile das Internet, das sind etwa 60 Millionen Menschen. Selbst in der Gruppe der mehr als 70 Jahre alten Deutschen geht inzwischen mehr als jeder Dritte online. Insbesondere die wachsende Zahl älterer Nutzer führt aber zwangsläufig vermehrt zu Todesfällen und somit zu „Geisterprofilen“ im Netz. Das ist nicht nur ein Problem der Anbieter wie Facebook. Es sollte auch die Erben interessieren. Zahlreiche Online-Aktivitäten sind nämlich mit laufenden Verträgen verbunden, die Geld kosten. Und solange der Anbieter nichts vom Tod des Nutzers erfahre, laufe der Vertrag mit allen Kosten weiter, sagt Christian Welkenbach, Fachanwalt für IT-Recht in Mainz. Nicht nur aus Angst vor Hackern, sondern auch aus finanziellen Gründen sollten die Erben daher auch im Internet für die letzte Ruhe des Verstorbenen sorgen.

          Ohne Hilfe sind die Angehörigen aufgeschmissen

          Wer das auf eigene Faust versucht, wird allerdings nicht allzu weit kommen, denn die Liste möglicher Online-Aktivitäten des Verstorbenen ist lang: Ist er in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Snapchat gewesen? Hatte er jenseits von Amazon noch andere Kundenkonten? Nutzte er Video-on-demand, Partnerbörsen, Online-Banking, Bitcoins oder Instant Messanger? Und was ist mit Spieleplattformen, mit kostenpflichtigen Lizenzen und Inhalten in der Cloud? Hatte der Tote einen möglicherweise sehr erfolgreichen eigenen Blog oder eine eigene Internetseite? Schon zu Lebzeiten ist es schwierig, den Überblick über die eigenen digitalen Aktivitäten zu behalten. Für einen Angehörigen ist es ohne Hilfe nahezu unmöglich.

          Deshalb empfehlen die Verbraucherzentralen in Deutschland, noch zu Lebzeiten eine Person des Vertrauens zu bestimmen und dieser für den digitalen Nachlass eine „Vollmacht über den Tod hinaus“auszustellen. Die Vollmacht müsse handschriftlich verfasst, mit einem Datum versehen und unterschrieben werden. In ihr sollte festgelegt werden, ob in einem sozialen Netzwerk ein Gedenkstatus eingerichtet werden oder das Profil gelöscht werden soll. Auch sei mindestens zu regeln, was mit den im Netz vorhandenen Fotos geschehen soll.

          Damit der digitale Nachlassverwalter den Willen des Verstorbenen besser umsetzen kann, empfehlen die Verbraucherschützer, eine Liste mit allen Benutzerkonten und Passwörtern anzulegen und sie demjenigen zu geben, der sich später ums digitale Erbe kümmert. Dieser sollte sie an einem sicheren Ort aufbewahren.

          „Das tut doch keiner!“

          „Der Ratschlag der Verbraucherzentralen ist gut gemeint, geht aber meilenweit an der Praxis vorbei“, sagt dagegen Oliver Eiler: „Wer bitte schön dokumentiert denn regelmäßig seine Accounts? Das tut doch keiner!“ Eiler ist Geschäftsführer des Berliner IT-Unternehmens „Columba Online Identity Management GmbH“. Es hat sich darauf spezialisiert, die digitalen Spuren Verstorbener ausfindig und handhabbar zu machen.

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