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Digitale Fotos Geo-Daten bringen Ordnung in die Bilderflut

 ·  Es ist hoffnungslos. Dank digitaler Kameras hat jeder die Möglichkeit, in Windeseile Unmengen von Fotos zu schießen. 500 Milliarden Bilder entstehen so jedes Jahr. Wie soll man da nur den Überblick behalten? Mithilfe von GPS-Daten.

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„Rund 500 Milliarden digitale Fotos werden jedes Jahr auf der Welt gemacht. Die meisten werden aber nur durch den Datumsstempel der Kamera oder durch manuell vergebene Sortiermerkmale geordnet. Das kann sich jetzt ändern.“ Dies sagt Rolf Richter, Mitgründer des jungen Braunschweiger Unternehmens Locr. „Die Fragen was, wann, wo, die sich bei jedem Foto stellen, sollen mit Locr vollautomatisch beantwortet werden“, beschreibt er eine zentrale Idee, die hinter der Neugründung steht. Dabei soll vor allem die Bestimmung der genauen Position helfen, an der das Foto gemacht wurde. Der Trick dabei: Die Satellitendaten des Global Positioning System, besser bekannt unter dem Kürzel GPS, werden mit dem Foto gespeichert.

Mit Hilfe von Locr ist es dann möglich, die Fotos auf einer digitalen Karte im Internet - wie Google oder Yahoo sie anbieten - genau den Plätzen zuzuordnen, an denen sie entstanden sind. Der Nutzer kann sich dann entscheiden, ob er die Fotos auf seinem Rechner belässt oder sie ins Internet lädt und anderen Locr-Kunden zugänglich macht. Genau auf die Bildung einer solchen Internet-Community setzt das Unternehmen.

Geotagging verspricht Erfolg

Locr geht aber noch einen Schritt weiter. Wenn gewünscht, sucht die Software anhand der Positionsdaten des Fotos nach Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Findet Locr etwas, kann der Nutzer zum Beispiel das Foto vom Schiefen Turm von Pisa mit den entsprechenden Informationen, zum Beispiel aus der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, verbinden.

Das Thema dieses auch als Geotagging bezeichneten Verfahrens wird im Internet inzwischen heiß diskutiert und gilt als eine erfolgversprechende Anwendung. Sowohl die Handyhersteller als auch die Produzenten von Digitalkameras arbeiten mit Hochdruck an der Integration von GPS-Empfängern in ihre Geräte. Bisher macht den Produzenten allerdings der hohe Stromverbrauch der GPS-Empfänger zu schaffen. Richter rechnet aber damit, dass diese Schwierigkeit in Kürze behoben sein wird. Die Preise für die GPS-Chips hingegen sind in den vergangenen zwei Jahren auf ein Niveau gesunken, auf dem sie bei der Kalkulation höherwertiger Kameras oder Handys nicht mehr sonderlich ins Gewicht fallen.

Ortskoordinaten im Bild

Erste Handys mit Positionsbestimmung sind entsprechend schon auf dem Markt, und Olli-Pekka Kallasvuo, der Vorstandsvorsitzende des Handy-Marktführers Nokia, glaubt an rasante Steigerungsraten, obwohl im vergangenen Jahr erst 15 Millionen von rund 1 Milliarde insgesamt verkauften Handys eine GPS-Funktion unterstützten. Dabei setzt Nokia nicht nur auf die Navigation auf dem Handy, auch die Speicherung der Ortskoordinaten in den Bilddateien, die mit dem Handy aufgenommen werden, gehört zu den Anwendungen, die die Finnen interessieren.

„Wir sind in guten Gesprächen mit Nokia“, sagt Richter und verweist darauf, dass die Locr-Software - neben einer Version für den Computer zu Hause - auch für eine Reihe von Nokia-Geräten zur Verfügung steht. Ebenso wird an einer Version für das Microsoft-Betriebssystem Windows Mobile gearbeitet, die in Kürze auf den Markt kommen soll.

Durch diese Softwarelösung für die Endgeräte unterscheidet sich Locr auch von seinen Wettbewerbern. So bietet auch Flickr, die zu Yahoo gehörende größte Foto-Community im Internet, ebenfalls Geotagging für die Fotos an. Hier jedoch spielt sich der gesamte Prozess im Internet ab. Gleiches gilt für das kleine spanische Unternehmen Panoramio, das Ende Mai von Google übernommen wurde, was in der Branche als Zeichen für die Attraktivität dieser Technik gewertet wird.

Es geht auch ohne GPS

Für das Verbinden der Geodaten mit Fotos, die mit Geräten ohne GPS-Empfang gemacht wurden, nutzen Locr und andere Anbieter einen Trick. So trägt der Nutzer während seines Fotorundgangs durch die Stadt einen kleinen externen GPS-Empfänger bei sich, der seine Position permanent aufzeichnet. Später werden einfach die in den digitalen Fotos gespeicherten Uhrzeiten ihrer Entstehung mit den GPS-Daten, die zu diesem Zeitpunkt empfangen wurden, verbunden. Dafür gibt es sowohl von Locr als auch von anderen Anbietern entsprechende Softwarelösungen.

Locr hat nach Angaben von Richter allerdings inzwischen mit rund einem Dutzend Anbietern dieser GPS-Geräte Kooperationsvereinbarungen getroffen. Zwischen Juli und September rechnet Richter damit, dass diese GPS-Recorder im Bündel mit der Locr-Software auf den Markt kommen. Dann soll auch die Testphase für die Software und die Internetseite beendet werden und die Nutzer einen Premium-Zugang mit zusätzlichen Diensten gegen ein monatliches Entgelt buchen können. Dann soll Locr auch anfangen, Geld zu verdienen.

Quelle: jcw. / F.A.Z., 25.06.2007, Nr. 144 / Seite 19
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