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Digital Rights Management Apple fordert Online-Musikhandel ohne Kopierschutz

08.02.2007 ·  Musikkonzerne sollen beim Online-Verkauf von Musiktiteln auf den Kopierschutz verzichten. Das forderte Apple-Chef Steve Jobs. Analysten sehen in Jobs' Forderung ein geschicktes Ablenkungsmanöver, das mit dem neuen Windows Betriebssystem Vista zu tun haben könnte.

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Die großen Musikkonzerne sollen zukünftig beim Online-Verkauf von Musiktiteln auf den Kopierschutz verzichten. Das forderte Steve Jobs, Gründer und Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Computer- und Unterhaltungselektronikkonzerns Apple, in einem auf der Homepage des Unternehmens veröffentlichten Brief.

Unter dem Titel "Thoughts on Music" bezeichnete Jobs das Digitale Rechtemanagement (DRM) als gescheitert. Musikkonzerne wie Sony BMG Music Entertainment, Universal Music Group, Warner Music Group und die EMI Group haben sich frühzeitig gegen den Missbrauch digital gespeicherter Musik zur Wehr gesetzt, indem sie DRM-Systeme entwickelten, mit denen das unkontrollierte Kopieren und illegale Verbreiten von Musikstücken unterbunden werden sollte.

DRM konnte Musikpiraterie nicht aufhalten

Online-Musikhändler wie Apple, Microsoft, Sony, Napster oder Musicload sind verpflichtet, ihre im Internet vertriebenen Musiktitel mit einer solchen DRM-Kopierschutz-Software zu versehen. Im Gegensatz zum Online-Musikhandel seien Lieder, die auf CDs vermarktet werden, ohne diese DRM-Software ausgestattet, kritisierte Jobs. Die Musikkonzerne verzichteten deshalb auf Kopierschutz beim CD-Verkauf, weil viele CD-Spieler heute noch keine DRM-Software auslesen könnten, schreibt Jobs.

Der Online-Musikverkauf, der nicht einmal 10 Prozent des gesamten Musikmarktes ausmache, würde durch die DRM-Vorgaben benachteiligt. Auch sei der Nutzen von DRM fraglich, wenn mehr als 90 Prozent der Musiktitel ohne Kopierschutz vermarktet würden. Nach seiner Ansicht habe das DRM die Musikpiraterie nicht aufhalten können. Gerade einmal 2 Milliarden Lieder im vergangenen Jahr seien mit Kopierschutz verkauft worden, schreibt Jobs. Dem stünden mehr als 20 Milliarden gehandelte Titel ohne Kopierschutz gegenüber, die über CDs verkauft wurden.

Jobs Vorstoß ein Ablenkungsmanöver

Viele Ressourcen würden in die Entwicklung von DRM-Systemen gesteckt. Diese könnten mit der Abschaffung des Kopierschutzes eingespart werden, schreibt Jobs. Der Kopierschutz behindere die Vermarktung von Liedern im Internet. Denn Musikanbieter wie Sony oder Apple hätten jeweils eigene DRM-Systeme entwickelt, die nur auf ihren eigenen Musikspielern abgespielt werden könnten, sagen Branchenbeobachter. Solange die Anbieter ihre DRM-Software nicht für die Konkurrenz frei verfügbar machten, ist die Musiknutzung eingeschränkt, heißt es aus Branchenkreisen. Ohne einen Kopierschutz könnten aus dem Internet heruntergeladene Musikstücke ohne Probleme auf den verschiedenen Abspielgeräten abgespielt werden. Das wäre für die Konsumenten die beste aller Lösungen, schreibt Jobs in dem Brief.

Jobs' Vorstoß ist nicht ganz uneigennützig: Die Online-Musikplattform iTunes von Apple geriet abermals in die Kritik von europäischen Verbraucherschützern. Diese werfen Apple vor, seine Position im Online-Musikmarkt auszunutzen. Denn Musiktitel von iTunes seien mit der Apple-eigenen DRM-Software Fair Play ausgestattet und könnten nur auf Apple-Produkten abgespielt werden. Analysten sehen in Jobs' offener Forderung ein geschicktes Ablenkungsmanöver, da es nun an den Musikkonzernen sei, zu reagieren.

iTunes hat Probleme mit Windows Vista

Die Hoffnungen, die an das Ende des Kopierschutzes geknüpft sein dürften, werden jedoch durch neue Nachrichten aus dem Hause Apple getrübt. Denn Nutzer des Apple-Musikspielers iTunes müssen damit rechnen, dass sich ihr Musikspieler nicht mit dem neuen Microsoft Betriebssystem Windows Vista verträgt. Nach der Installation von Vista können die bei iTunes gekauften Musiktitel nicht mehr abgespielt werden. Mit einer neuen iTunes-Version, die in ein paar Wochen verfügbar sein soll, erhoffen sich die Apple-Verantwortlichen mehr Harmonie zwischen Betriebssystem und Musik-Plattform. Die sicherste Methode, Schaden aufgrund der Inkompatibilität der Anwendungen zu vermeiden, sei der einstweilige Verzicht auf Vista, bis dass der Fehler behoben sei, heißt es aus Branchenkreisen.

Quelle: utb., F.A.Z., 08.02.2007, Nr. 33 / Seite 15
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