Drei Buchstaben verdeutlichen, wie früh Jim Breyer und sein Wagniskapitalunternehmen Accel Partners dran waren, als sie in Facebook investierten. Als sich Breyer im April 2005 seinen Anteil am sozialen Netzwerk sicherte, indem er die damals noch recht überschaubare Summe von 12,7 Millionen Dollar aufwendete, hießen das Startup wie auch die dazu gehörige Internetseite noch Thefacebook.com. Sieben Jahre später hat Facebook zwar das „the“ im Namen schon lange abgelegt. Allerdings hat das Unternehmen beinahe rund um den Globus die Marktführerschaft unter den sozialen Netzwerken eingenommen und umso mehr Kapital angehäuft. Laut dem amerikanischen Technologieblog „Techcrunch“ haben verschiedene Kapitalgeber derzeit rund 2,3 Milliarden Dollar in Facebook investiert.
9 Milliarden Dollar Ertrag für 12 Millionen Einsatz
Wenn die neuesten Gerüchte stimmen, dass Facebook noch in dieser Woche die Unterlagen für einen Börsengang bei der amerikanischen Aufsicht SEC einreicht, könnte der dann in wenigen Monaten anstehende Gang aufs Parkett Facebook-Anteilseigner wie Jim Breyers Accel Partners mit einem Schlag zu sehr vermögenden Menschen machen. Grundlage für solche Gedankenspiele sind die jeweiligen Bewertungen des sozialen Netzwerks zum Zeitpunkt der einzelnen Investitionen.
Im Falle von Breyers Einstieg im Jahr 2005 war Facebook geschätzte 100 Millionen Dollar wert. Breyer sicherte sich mithin einen Anteil von rund 13 Prozent am Unternehmen. Legt man vorsichtige Schätzungen zugrunde, die Facebook heute mit einem Unternehmenswert von 75 Milliarden Dollar ansetzen, wäre der Anteil des altgedienten Internetinvestors heute also mehr als 9 Milliarden Dollar wert. Aggressivere Schätzungen gehen gar von einer möglichen Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar aus, was Breyers Vermögen noch mehr anwachsen ließe. Von der Rendite des ursprünglichen Investments ganz zu schweigen. Noch mehr könnte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit einem Börsengang erlösen. Das Magazin „Forbes“ führte ihn schon im März vergangenen Jahres mit einem geschätzten Vermögen von 13,5 Milliarden Dollar auf Rang 52 der Liste der reichsten Menschen des Planeten. Damals bewerteten Analysten das Netzwerk aber noch mit einem Wert von rund 50 Milliarden Dollar - rund 25 Milliarden weniger als jetzt im Raum stehen. Zuckerbergs Vermögen dürfte sich seitdem deutlich erhöht haben.
Zu den möglichen Profiteuren eines Börsengangs des Netzwerks gehört auch der in Frankfurt geborene Manager Peter Thiel. Als Investor der ersten Stunde steckte Thiel schon 2004 Geld in das damals gerade erst gegründete Unternehmen - und zwar lediglich eine halbe Million Dollar. Später wandelte er das Investment in 10 Prozent des Anteilskuchens um, wie Technikjournalist David Kirkpatrick in seiner Unternehmenshistorie „Der Facebook-Effekt“ beschreibt. „Aber versau es nicht“, soll Thiel zu Zuckerberg gesagt haben. Im Gespräch mit dieser Zeitung bezifferte Thiel im November 2010 seinen Anteil auf „weniger als 5 Prozent“, konkreter wollte er damals nicht werden. Nach heutiger Bewertung wären das immer noch rund 3 Milliarden Dollar. Versauen sieht anders aus - was wahrscheinlich auch die beiden amerikanischen Investmentfirmen Greylock Partners und Meritech Capital Partners unterschreiben würden, die zur zweiten Runde von Investoren gehörten.
„Und Facebook ist die Schlossallee“
Ebenfalls freuen könnten sich auch Kapitalgeber, die noch später in Facebook investiert haben und sich nur noch deutlich kleinere Anteile als die Vorreiter sicherten. Dazu zählt etwa die russische Investmentgesellschaft Digital Sky Technologies des Unternehmers Juri Milner, die sich im Sommer 2009 gut 2 Prozent des Netzwerks per Vorzugsaktien einverleibte. Dazu gehören aber auch amerikanische Wagniskapitalfirmen wie Elevation Partners, Kleiner Perkins Caufield & Byers oder Hercules Technology, die teils über den Sekundärmarkt Anteile an Facebook kauften. Laut „Wall Street Journal“ wendeten sie seit Anfang 2010 kleinere Summen in zweistelliger bis dreistelliger Millionenhöhe auf. Doch weil die Bewertung des Netzwerks immer neue Höhen erreichte, könnten sie dennoch eine ansehnlichen Rendite einfahren.
Als einer der letzten hatte Manuel Henriquez über das von ihm mitgegründete Unternehmen Hercules Technology Anfang dieses Jahres knapp 10 Millionen Dollar in Facebook-Anteile gesteckt. „Es wäre absolut verrückt, im Silicon Valley zu sein, und nicht daran teilzuhaben, was wahrscheinlich der größte Börsengang der Wagniskapitalindustrie werden wird“, sagte Henriquez dem „Wall Street Journal“. „Das ist gerade eine Art von Monopoly-Geld - und Facebook ist die Schlossallee.“
Fakebook?
Oliver Köhl (ok.koehl)
- 31.01.2012, 14:56 Uhr
