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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die Herrscher im Netz Endspiel um das Internet

 ·  Apple, Google, Facebook und Amazon dringen in die Domänen der Nebenbuhler ein und suchen die Entscheidung um die Herrschaft im Netz. Die Börse wettet auf Amazon und Facebook.

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© dapd Werkzeuge der Netzwerker.

Im Durchschnitt halten sich IT-Unternehmen etwa zehn Jahre an der Spitze. Dann kommt eine neue Technik mit neuen Innovatoren und fegt sie weg. Apple, Google, Facebook und Amazon, die aktuellen Gladiatoren des Internet-Zeitalters, sind auf dem besten Weg, diese Regel zu brechen. Alle vier Unternehmen besitzen die Köpfe, die Strategie und/oder das Geld, sich für lange Zeit an der Spitze zu halten. Auf Augenhöhe nebeneinander in seinem Kerngeschäft - mobile Geräte (Apple), Internetsuche (Google), soziales Netzwerk (Facebook) und Handel (Amazon) - unangefochten Weltmeister zu sein, genügt den Gladiatoren aber nicht mehr. Sie gehen aufeinander los, dringen munter in die bisherigen Domänen der Nebenbuhler ein und suchen die Entscheidung für die Herrschaft im Internet. 2012, nach dem Börsengang von Facebook, haben sie vergleichbare Voraussetzungen für die spannendste „strategische Schlacht“ (so Eric Schmidt von Google) zur Verfügung, die das Netz je erlebt hat.

Die Börse wettet auf Amazon und Facebook als Gewinner - und hat die Rechnung ohne Apple und Google gemacht.

Die Köpfe

Die Köpfe an der Spitze könnten unterschiedlicher kaum sein. Ein ehemaliger Wall-Street-Broker, ein Studienabbrecher, ein Controller und ein Softwareingenieur leiten die vier wichtigsten Internetunternehmen der Welt. Was sie eint: Die Gründer stehen (oder standen, bis zum Tod von Steve Jobs) an der Spitze, sorgen für klare Linien und setzen sich gegen kurzfristige Gewinnmaximierungswünsche der Investoren meist durch. Das beste Beispiel dafür ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Er ist mit 27 Jahren zwar der jüngste Firmenlenker im Quartett, hat aber die klarste Vision, wohin er mit seinem Unternehmen will, nämlich eine globale Kommunikationsplattform zu bauen. Das wusste er auch schon mit Anfang 20, als er ein Übernahmeangebot von Yahoo über eine Milliarde Dollar gegen den Widerstand seiner Investoren ablehnte. Heute schwanken die Bewertungen von Facebook zwischen 70 und 100 Milliarden Dollar.

Larry Page ist erst seit wenigen Monaten wieder Vorstandschef von Google. Der 38 Jahre alte Informatiker kam zurück ans Ruder, als Google sich zu verzetteln drohte. Inzwischen ist der Konzern, der Werbung als Ingenieurskunst betreibt, wieder auf Kurs und auch der dringend nötige Eintritt in das Social Web ist geschafft. Als Stratege kann er es mit Zuckerberg aufnehmen, als Charismatikersicher nicht, aber das muss er auch nicht. Google ist eine Firma der Softwareingenieure und Page ist als oberster Computerfreak ihr geachteter Anführer. „Social“, wie Facebook, war, ist und wird Google nie.

Jeff Bezos ist der Mann, der immer das tut, was er für richtig hält. Der 47 Jahre alte Amazon-Gründer kam von der Wall Street und seine Entscheidungen zeichnen sich dadurch aus, dass ihm die Meinung der ehemaligen Kollegen an der Börse komplett egal ist. Lange Zeit hat er sich damit begnügt, das größte Online-Kaufhaus der Welt zu errichten. Dann kamen das Cloud-Computing, das Geschäft mit digitalen Inhalten (Musik, Bücher) und schließlich der Einstieg in das Hardware-Geschäft hinzu, zum Beispiel das Lesegerät Kindle oder der Tabletcomputer KindleFire.

Der große Unbekannte ist Tim Cook. Nach dem Tod von Steve Jobs steht der 51 Jahre alte Zahlenmensch an der Spitze von Apple. Nicht überraschend, aber aus dem Schatten von Jobs herauszutreten, das wäre für jeden Apple-Manager schwierig. 2012 und danach wird Cook noch von den Produkten profitieren (iPhone 5, iPad 3 und dem Apple-Fernseher), die Jobs mitentwickelt hat. Ob er danach das Innovationstempo hochhalten kann, ist die große Frage. Einen ersten Achtungserfolg wird er in diesem Quartal einfahren. Es wird wohl das beste Quartal in der Geschichte von Apple - dank des gescholtenen iPhone 4S.

Die Strategie

Alle vier Unternehmen sind mit einer Plattformstrategie unterwegs. Das bedeutet: Eine Infrastruktur zu schaffen, die (möglichst) viele und immer mehr Dienste auf den eigenen Angeboten vereint und miteinander verzahnt. Am einfachsten ist das bei Facebook zu erkennen: Eine halbe Milliarde Menschen ist täglich auf Facebook, um miteinander zu kommunizieren. Damit immer weniger Menschen einen Grund haben, das soziale Netzwerk überhaupt zu verlassen, holt Zuckerberg nun Nachrichtenangebote, Musikdienste und bald das Fernsehen auf seine Plattform. Das muss er auch tun, denn in einigen Industrieländern stagniert die Nutzerzahl schon und auch die 18 Milliarden Minuten, die deutsche Nutzer je Monat auf Facebook mit Kommunikation und Katzenbildern verbringen, lassen sich nicht mehr unbegrenzt steigern. Zuckerberg muss also mehr Anreize schaffen, seine Plattform attraktiv für die Nutzer zu halten. Nach Kommunikation, die per se „social“ ist, will Facebook nun auch das Fernsehen, das Musikhören, das Spielen oder das Nachrichtenlesen zu einem sozialen Event machen, um die Wachstumsraten hochzuhalten. Denn nur wer die Nutzer auf seiner Plattform hat, lockt Werbekunden und Verkäufer an. Mit dem Modell, das heute primär auf Werbung basiert, wird Facebook in diesem Jahr rund 4 Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Das ist zwar eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr und ebenfalls eine Marge von 30 Prozent, aber (noch) viel zu wenig für den Eintritt in die Champions League der Internetunternehmen. Zum Vergleich: Apple kommt in diesem Jahr auf rund 120 Milliarden Dollar, Google erreicht etwa 35 Milliarden Dollar Umsatz - bei vergleichbar hohen Margen. Hier liegt das Problem von Facebook: Das Rezept für das große Geld im Web hat das Unternehmen noch nicht gefunden. Ein solch robustes Modell, nämlich hohes Wachstum und Traumrenditen durch alle Konjunkturzyklen hindurch, haben in dem Quartett bisher nur Apple und Google vorzuweisen.

Apple hat den Schlüssel mit dem Bau attraktiver Geräte gefunden: Das Unternehmen verkauft 4 Prozent aller Mobiltelefone, erzielt damit aber 60 Prozent des Gewinns in der Industrie. Besonders wichtig: Mit jedem neuen iPhone-Modell verdient Apple mehr Geld. Die Plattform, nämlich Musik, Filme oder Software über seine Geräte zu verkaufen, ist für Apple nur Mittel zum Zweck. Das Geschäft ist der Verkauf der iPhones, der iPads und iPods. Nächstes Jahr kommt aller Voraussicht nach der Apple-Fernseher hinzu, dem ein ähnlich disruptiver Einschlag zugetraut wird wie dem iPhone. Apple hat es geschafft, mit Hardware hohe Margen zu erzielen, die sonst nur mit Software erzielt werden. Cook steht vor der Aufgabe, in einer Welt erodierender Margen im Hardwaregeschäft den Sonderweg von Apple auch nach Steve Jobs zu gehen. Die Chancen stehen nicht schlecht.

Kaum weniger gut steht Google (wieder) da. Google macht Software - und das weiterhin so gut wie kaum ein anderes Unternehmen. Denn neben dem Kerngeschäft, der Internetsuche, mit der Google mehr als 40 Prozent des globalen Online-Werbemarktes gewinnt, ist die Expansion in neue Geschäftsfelder gelungen. Das mobile Betriebssystem Android ist inzwischen auf der Hälfte aller neuen Smartphones installiert. In den Markt der grafischen Online-Werbung hat Google mit Hilfe seiner Milliarden und seiner Ingenieurskunst auch den Eintritt geschafft. Auf die Fernsehgeräte kommt Google auch. Im kommenden Sommer werde die Software auf der Hälfte der Fernsehgeräte, die in den Läden angeboten werden, installiert sein, verkündete Eric Schmidt dieser Tage.

Zur gleichen Zeit könnten auch die Apple-Fernseher auf den Markt kommen. Die Plattform, die einst nur auf dem Computerschirm zu sehen war, wird also mit jedem Tag größer. Amazon kann da nicht wirklich mithalten. Die Margen sind mit 3 Prozent vergleichsweise winzig, weil die Plattformstrategie eine ganz andere ist: Amazon verkauft Hardware, um anschließend geringmargige Software oder Inhalte vertreiben zu können. Apple bietet umgekehrt Software und Inhalte an, um seine hochmargigen Geräte zu verkaufen. Klingt ähnlich, bedeutet aber einen Unterschied zwischen 6,6 Milliarden Dollar Gewinn im dritten Quartal für Apple und 63 Millionen Dollar Gewinn für Amazon.

Das Geld

Mehr als 70 Milliarden Dollar liquide Mittel haben sich inzwischen bei Apple angehäuft; 42 Milliarden sind es bei Google. Das Geld schafft Sicherheit, sich auch teure Flops leisten zu können, und die Möglichkeit, aufstrebende Konkurrenten oder spannende Technologien einfach vom Markt wegkaufen zu können - was vor allem Google gern macht. Im Durchschnitt erwirbt Google jede Woche ein Unternehmen.

Die unterschiedlichen Strategien werden an der Börse aber nicht wirklich honoriert. Apple wird mit 365 Milliarden Dollar bewertet, hat aber nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14. Das ist vergleichbar mit der Bewertung eines Unternehmens wie der Deutschen Telekom und bedeutet, dass die Börsianer dem Unternehmen wenig zutrauen. Google schafft 158 Milliarden Dollar Börsenwert und ein KGV von immerhin 21, was auch noch sehr vorsichtig ist. Auch das ist eine moderate Bewertung. Die Hoffnungen ruhen eindeutig auf Amazon und Facebook: Amazon kommt auf 87 Milliarden Dollar Börsenwert und ein KGV von 100, ist also spekulativ bewertet. Ebenso wie Facebook, dessen kolportierte Bewertung von 100 Milliarden Dollar ebenfalls einem KGV zwischen 70 und 100 entspricht, je nach dem Gewinn, der dieses Jahr eingefahren wird. Der dürfte zwischen 1 und 1,5 Milliarden Dollar liegen. Dafür braucht Apple nicht mal zwei Wochen, Google schafft das in 5 Wochen. Auf lange Sicht gilt: „Software rules the world“. Und das spricht für Apple und Google.

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Lieber ehrlich

Von Johannes Pennekamp

Die SPD und noch mehr die Grünen haben höhere Steuern für Top-Verdiener angekündigt - und finden sich dabei besonders ehrlich. Was sie gerne verschweigen: Zu den Top-Verdienern im Land zählen nicht nur Millionäre mit Sportwagen, sondern auch schon leitende Angestellte, Handwerksmeister und Beamte. Mehr 3


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