01.11.2007 · Amerika steht wieder ganz oben auf der neuen Rangliste des Weltwirtschaftsforums. Deutschland verbessert sich im Vergleich zu 2006 um zwei Plätze. Schlechte Noten gibt es für den Arbeitsmarkt - erstklassig sei hingegen die Infrastruktur.
Die Vereinigten Staaten werden im internationalen Vergleich als der wettbewerbsfähigste Standort eingeschätzt. Nach der neuen Rangliste des „Global Competitiveness Report 2007/2008“ des Weltwirtschaftsforums nehmen die Amerikaner wieder den ersten Platz ein. Die Schweiz hat sich um zwei Plätze verbessert und liegt nun in der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit auf Rang 2.
Auf den dritten und den vierten Platz kommen Dänemark und Schweden. Deutschland hat sich gegenüber 2006 vom siebten auf den fünften Platz verbessert. Für die Rangliste haben Ökonomen für das Weltwirtschaftsforum offizielle statistische Kennziffern ausgewertet sowie 11.000 Führungskräfte der Wirtschaft befragt.
Vereinigte Staaten zeigen auch „einige Schwächen“
„Die Vereinigten Staaten bestätigen ihre Position als die wettbewerbsfähigste Wirtschaft in der Welt“, sagte der Wirtschaftsprofessor Xavier Sala-i-Martin (Columbia-Universität) am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts in Genf. Wichtige Punkte für die gute Beurteilung seien die effizienten Märkte, eine „sehr ausgereifte Wirtschaftsgemeinschaft“, die technologische Innovationsfähigkeit und die erstklassigen Eliteuniversitäten.
„Allerdings gibt es einige Schwächen“, sagte Sala-i-Martin, „besonders die makroökonomischen Ungleichgewichte, die weiterhin ein Risiko für das allgemeine Potential der Wettbewerbsfähigkeit des Landes und für die Weltwirtschaft als Ganzes darstellen.“ Diese Gefahr sei erst jüngst wieder durch die Ausfälle bei schlecht abgesicherten Hypotheken deutlich geworden.
Erstklassige deutsche Infrastruktur
Deutschland hat seine Wettbewerbsposition steigern können. Wie in früheren Studien wird die Infrastruktur als erstklassig beurteilt. Auch die Leistungen der deutschen Manager und das nationale wirtschaftliche Umfeld werden als sehr gut eingeschätzt. Hinderlich für die Wettbewerbsfähigkeit sei dagegen die Regulierung des Arbeitsmarktes. Hier liegt Deutschland auf Platz 115 der Liste von insgesamt 131 Staaten.
Das System der Lohnverhandlungen und die hohen Entlassungskosten hätten die Schaffung von Arbeitsplätzen schwer behindert, schreiben die Autoren der Studie. Die makroökonomische Stabilität Deutschlands wird im unteren Mittelfeld verortet: Vor allem die hohe Staatsverschuldung (Rang 102) drückt hier die Bewertung.
Großbritannien und Frankreich auf 9 und 18
Großbritannien, die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft, kommt nach der Studie auf den neunten Platz und verbessert sich damit leicht. Punkten kann Großbritannien mit seinem flexiblen Arbeitsmarkt und als leistungsfähiger Standort für Finanzdienstleistungen.
Frankreich, die drittgrößte europäische Volkswirtschaft, erreicht Platz 18 der Rangliste. Der französische Arbeitsmarkt wird als übermäßig reguliert kritisiert, die öffentliche Verwaltung sei zu schwerfällig. Auch die makroökonomische Stabilität gebe wegen der hohen öffentlichen Verschuldung und der weiterhin hohen Haushaltsdefizite Anlass zur Sorge.
„Exzellente Innovationsfähigkeit“ in der Schweiz
Als sehr wettbewerbsfähiger Standort wird die Schweiz beurteilt. Ihre „exzellente Innovationsfähigkeit und sehr ausgereifte Wirtschaftsgemeinschaft“, starke Forschungseinrichtungen und das institutionelle Umfeld rechtfertigten die Spitzenposition.
Die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland werden in der Studie für ihr stabiles makroökonomisches Umfeld, effiziente Institutionen und ihr Bildungswesen gelobt. Von den wirtschaftlich bedeutenden Schwellenländern liegt China auf Rang 34 weiterhin im Mittelfeld, Indien fällt sechs Plätze auf Rang 48 zurück. In Lateinamerika steht Chile mit Rang 26 am besten da.
„Wichtiger denn je, Fundamente zu legen“
„In einem unsicheren globalen finanziellen Umfeld ist es wichtiger denn je für alle Länder, die Fundamente für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung zu legen“, sagte Klaus Schwab, der Gründer und Leiter der gemeinnützigen Stiftung Weltwirtschaftsforum. Der „Global Competitiveness Report“ gebe der Politik wichtige Entscheidungshilfen für institutionelle Reformen.
Einfluss auf die Ergebnisse der Studie hat allerdings auch eine methodische Überarbeitung. Nach der alten Untersuchungsmethode fielen die Vereinigten Staaten wegen ihrer makroökonomischen Ungleichgewichte vergangenes Jahr auf Rang 6 zurück; die Schweiz galt als wettbewerbsfähigster Standort.
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