Home
http://www.faz.net/-gqm-74gly
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Deutsche Digitalwirtschaft Superbranche mit Potential nach oben

Wie leistungsfähig ist die digitale Wirtschaft in Deutschland? Derzeit belegt sie in einem Ranking den sechsten Platz unter 15 Nationen. Das sei „erfreulich“, aber nicht ausreichend, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

© dapd Vergrößern Ambitionierte Ziele: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf dem IT-Gipfel in Essen

Eigentlich müsste den Managern der Hightechbranchen in Deutschland nicht bange sein. Die Internetwirtschaft sowie der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologien) haben inzwischen eine Position erreicht, für die Wirtschaftsstaatssekretär Hans-Joachim Otto gewichtige Worte findet: „Die digitale Wirtschaft ist der Schlüssel für die Zukunft des Industriestandortes Deutschland.“

Thiemo Heeg Folgen:    

Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums haben der Marktforscher TNS Infratest und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim zum IT-Gipfel der Bundesregierung, der vergangene Woche in Essen stattfand, einen Branchenreport erarbeitet. Die umfassende Untersuchung liefert auf den ersten Blick beeindruckende Zahlen. Demnach beschäftigt die IKT-Branche 843.000 Menschen, und damit mehr als die Autoindustrie. IKT-Unternehmen erzielen 222 Milliarden Euro Umsatz, die Internetwirtschaft kommt auf 75 Milliarden Euro.

Knapp vor den Niederlanden

Jährlich werden in Deutschland im Bereich IKT 9000 Unternehmen neu gegründet. 4,5 Prozent der gesamten gewerblichen Wertschöpfung gehen auf diesen Sektor zurück. Die Internetwirtschaft - dazu zählen die Ausgaben von Unternehmen und Privatleuten für digitale Dienste und Produkte - trägt 2,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. ZEW-Forschungsgruppenleiterin Irene Bertschek findet das gut und resümiert: „Die deutsche IKT-Branche ist eine leistungsstarke, dynamische und innovative Branche, die sich vor Branchen wie dem Automobilbau und dem Maschinenbau nicht zu verstecken braucht.“

Infografik / Die digitale Wirtschaft in Deutschland 842.600 Menschen arbeiten in der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche © F.A.Z. Bilderstrecke 

Verstecken vielleicht nicht, doch blickt man über die nationalen Grenzen hinaus, relativiert sich der Erfolg zusehends. In der Untersuchung werden 15 Länder einem Leistungsvergleich unterzogen. Im Rennen sind dabei die wichtigsten Standorte der digitalen Wirtschaft auf der Welt. Deren Leistungsfähigkeit wiederum wird mit Hilfe von 33 Kernindikatoren analysiert.

In diesem Jahr belegt die Bundesrepublik den sechsten Platz, knapp vor den Niederlanden, aber hinter Dänemark, Großbritannien und Japan. Unangefochtene Spitzenreiter sind die Vereinigten Staaten auf Rang eins und Südkorea auf dem zweiten Platz.

„Luft nach oben“

In der Bewertung der Standorte liegt nicht automatisch dasjenige Land mit den höchsten Umsätzen vorne - ansonsten könnte auch nicht eine kleine Nation wie Dänemark den großen Nachbarn Deutschland übertrumpfen. Neben der Marktstärke spielen die Infrastrukturvoraussetzungen sowie die Nutzung von Technologien und Anwendungen eine Rolle.

Im Kriterium Markt teilt sich die Wahrnehmung. Die IKT-Branche hierzulande gilt den Experten als „stark“. Schließlich erreicht Deutschland mit seinen entsprechenden Umsätzen einen Anteil von 5 Prozent am Weltmarkt und belegt damit den vierten Platz im 15-Länder-Vergleich. „Während die meisten Industrienationen wirtschaftliche Rückgänge verzeichnen, kann Deutschland die Umsätze mit Telekommunikation stabil halten, die IT-Umsätze sogar um 2,6 Prozent steigern“, heißt es im Monitoring-Report.

Dagegen sehen die Autoren für die Internetwirtschaft „Luft nach oben“. Im Schnitt geben die Bundesbürger für Medieninhalte im Netz 9,31 Euro aus - pro Jahr. In Online-Medien dominierten daher werbefinanzierte Angebote: „Deutschland generiert bereits 24 Prozent der gesamten Werbeumsätze im Netz.“ Werbung und Bezahlinhalte als Finanzierungsmodelle schlössen sich allerdings nicht aus, resümiert die Studie und nennt als Beispiel Südkorea. Das Land erreiche Platz eins bei den Ausgaben für Online-Content und Platz zwei bei den Internet-Werbeumsätzen.

Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele

Nachholbedarf sieht die Untersuchung daneben in den Bereichen Infrastruktur und Nutzung. Die Verbreitung von Internet und Breitband nehme hierzulande zwar zu, aber langsamer als in den meisten anderen betrachteten Ländern. Und in der Disziplin Nutzung von neuen Technologien und Anwendungen falle Deutschland sogar zurück. Im vergangenen Jahr ist demnach die Zahl der E-Commerce-Nutzer ebenso gesunken wie die Zahl derjenigen, die online Medieninhalte herunterladen.

Das muss sich ändern, schließlich hat die Bundesregierung ambitionierte Ziele. In Essen gab Wirtschaftsminister Philipp Rösler das Ziel aus: Bis 2020 soll Deutschlands digitale Wirtschaft zu den drei leistungsfähigsten auf der ganzen Welt gehören.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Europas Schlusslicht Deutschland verpasst den Anschluss im Glasfasernetz

Wo das Internet lahmt, haben Unternehmen kein Interesse sich anzusiedeln. Eine Studie zeigt aber gravierende Schwächen auf. Mehr

12.12.2014, 11:29 Uhr | Wirtschaft
Bundesregierung verabschiedet die Digitale Agenda

Gestern noch Neuland, heute ganz oben auf der To-do-Liste. Am Mittwoch hat die Bundesregierung eine Digitale Agenda verabschiedet, die Deutschland in Sachen Internet an die Spitze führen soll. Um dieses Ziel zu erreichen haben sich gleich drei Ministerien zusammengetan. Mehr

20.08.2014, 16:53 Uhr | Wirtschaft
Monopolkommission Die Zähmung der Internet-Giganten

Monopole im Internet haben auch ihr Gutes – aber nur so lange, wie sie um ihre Vorherrschaft kämpfen müssen. Die Monopolkommission plädiert für mehr Schlagkraft in der Wettbewerbskontrolle. Mehr Von Helmut Bünder, Bonn

18.12.2014, 17:32 Uhr | Wirtschaft
Vogelplage Gänsekrieg: Deutschland vs. Niederlande

An der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden nisten sich immer mehr Wildgänse ein. Die Folgen: Ackerschäden. Für Bauern sind die Tiere eine Plage. Es kommt zum Gänsekrieg zwischen Deutschland und den Niederlanden. Mehr

13.11.2014, 12:14 Uhr | Gesellschaft
Beliebter Online-Handel Warum all die Pakete?

Deutschland schimpft über seine Online-Händler - doch die Kunden kaufen trotzdem weiter ein. Online-Händler hängen viele große Ladenketten ab. Warum? Mehr Von Patrick Bernau

15.12.2014, 13:22 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.11.2012, 17:20 Uhr


Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Bescherung im Bundesrat

Von Heike Göbel

Die jüngsten Beschlüsse im Bundesrat bringen den Ländern mehr Geld. Für den Bund ist das nicht so gut. Mehr 2

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --