http://www.faz.net/-gqe-74gly
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 19.11.2012, 17:20 Uhr

Deutsche Digitalwirtschaft Superbranche mit Potential nach oben

Wie leistungsfähig ist die digitale Wirtschaft in Deutschland? Derzeit belegt sie in einem Ranking den sechsten Platz unter 15 Nationen. Das sei „erfreulich“, aber nicht ausreichend, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

von
© dapd Ambitionierte Ziele: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf dem IT-Gipfel in Essen

Eigentlich müsste den Managern der Hightechbranchen in Deutschland nicht bange sein. Die Internetwirtschaft sowie der IKT-Sektor (Informations- und Kommunikationstechnologien) haben inzwischen eine Position erreicht, für die Wirtschaftsstaatssekretär Hans-Joachim Otto gewichtige Worte findet: „Die digitale Wirtschaft ist der Schlüssel für die Zukunft des Industriestandortes Deutschland.“

Thiemo Heeg Folgen:

Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums haben der Marktforscher TNS Infratest und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim zum IT-Gipfel der Bundesregierung, der vergangene Woche in Essen stattfand, einen Branchenreport erarbeitet. Die umfassende Untersuchung liefert auf den ersten Blick beeindruckende Zahlen. Demnach beschäftigt die IKT-Branche 843.000 Menschen, und damit mehr als die Autoindustrie. IKT-Unternehmen erzielen 222 Milliarden Euro Umsatz, die Internetwirtschaft kommt auf 75 Milliarden Euro.

Knapp vor den Niederlanden

Jährlich werden in Deutschland im Bereich IKT 9000 Unternehmen neu gegründet. 4,5 Prozent der gesamten gewerblichen Wertschöpfung gehen auf diesen Sektor zurück. Die Internetwirtschaft - dazu zählen die Ausgaben von Unternehmen und Privatleuten für digitale Dienste und Produkte - trägt 2,9 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. ZEW-Forschungsgruppenleiterin Irene Bertschek findet das gut und resümiert: „Die deutsche IKT-Branche ist eine leistungsstarke, dynamische und innovative Branche, die sich vor Branchen wie dem Automobilbau und dem Maschinenbau nicht zu verstecken braucht.“

Infografik / Die digitale Wirtschaft in Deutschland 842.600 Menschen arbeiten in der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche © F.A.Z. Bilderstrecke 

Verstecken vielleicht nicht, doch blickt man über die nationalen Grenzen hinaus, relativiert sich der Erfolg zusehends. In der Untersuchung werden 15 Länder einem Leistungsvergleich unterzogen. Im Rennen sind dabei die wichtigsten Standorte der digitalen Wirtschaft auf der Welt. Deren Leistungsfähigkeit wiederum wird mit Hilfe von 33 Kernindikatoren analysiert.

In diesem Jahr belegt die Bundesrepublik den sechsten Platz, knapp vor den Niederlanden, aber hinter Dänemark, Großbritannien und Japan. Unangefochtene Spitzenreiter sind die Vereinigten Staaten auf Rang eins und Südkorea auf dem zweiten Platz.

„Luft nach oben“

In der Bewertung der Standorte liegt nicht automatisch dasjenige Land mit den höchsten Umsätzen vorne - ansonsten könnte auch nicht eine kleine Nation wie Dänemark den großen Nachbarn Deutschland übertrumpfen. Neben der Marktstärke spielen die Infrastrukturvoraussetzungen sowie die Nutzung von Technologien und Anwendungen eine Rolle.

Im Kriterium Markt teilt sich die Wahrnehmung. Die IKT-Branche hierzulande gilt den Experten als „stark“. Schließlich erreicht Deutschland mit seinen entsprechenden Umsätzen einen Anteil von 5 Prozent am Weltmarkt und belegt damit den vierten Platz im 15-Länder-Vergleich. „Während die meisten Industrienationen wirtschaftliche Rückgänge verzeichnen, kann Deutschland die Umsätze mit Telekommunikation stabil halten, die IT-Umsätze sogar um 2,6 Prozent steigern“, heißt es im Monitoring-Report.

Dagegen sehen die Autoren für die Internetwirtschaft „Luft nach oben“. Im Schnitt geben die Bundesbürger für Medieninhalte im Netz 9,31 Euro aus - pro Jahr. In Online-Medien dominierten daher werbefinanzierte Angebote: „Deutschland generiert bereits 24 Prozent der gesamten Werbeumsätze im Netz.“ Werbung und Bezahlinhalte als Finanzierungsmodelle schlössen sich allerdings nicht aus, resümiert die Studie und nennt als Beispiel Südkorea. Das Land erreiche Platz eins bei den Ausgaben für Online-Content und Platz zwei bei den Internet-Werbeumsätzen.

Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele

Nachholbedarf sieht die Untersuchung daneben in den Bereichen Infrastruktur und Nutzung. Die Verbreitung von Internet und Breitband nehme hierzulande zwar zu, aber langsamer als in den meisten anderen betrachteten Ländern. Und in der Disziplin Nutzung von neuen Technologien und Anwendungen falle Deutschland sogar zurück. Im vergangenen Jahr ist demnach die Zahl der E-Commerce-Nutzer ebenso gesunken wie die Zahl derjenigen, die online Medieninhalte herunterladen.

Das muss sich ändern, schließlich hat die Bundesregierung ambitionierte Ziele. In Essen gab Wirtschaftsminister Philipp Rösler das Ziel aus: Bis 2020 soll Deutschlands digitale Wirtschaft zu den drei leistungsfähigsten auf der ganzen Welt gehören.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Smart Cities Die vernetzte Stadt

Die Zukunft des Wohnens hat längst begonnen. Überall auf der Welt wird am Konzept der smarten Stadt getüftelt, um das Leben der Bewohner bequemer, sicherer und energieeffizienter zu gestalten. Wo führt das alles hin? Mehr Von Kristina Pezzei

26.08.2016, 12:31 Uhr | Wirtschaft
Fliegendes Essen In Neuseeland kommt die Pizza bald per Drohne

Eine Pizza-Kette aus Auckland wird in Neuseeland vermutlich schon bald die weltweit erste Pizza-Lieferung per Drohne anbieten. So ganz vom Himmel gefallen kommt das Essen dann aber doch nicht. Mehr

25.08.2016, 20:19 Uhr | Technik-Motor
Umfrage Deutliche Mehrheit für Burka-Verbot

Mehr als 80 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland aus. Auch um die Themen Sicherheit, Rente und Bildung soll sich die Bundesregierung der Umfrage zufolge kümmern. Mehr

26.08.2016, 03:22 Uhr | Politik
Nudeln, Konserven, Snacks Haben Sie Vorräte?

Das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung empfiehlt den Deutschen, Vorräte anzulegen. Wie gut sind Frankfurts Einwohner mit ihren Vorräten für den Ernstfall vorbereitet? Wir haben nachgefragt. Mehr

26.08.2016, 18:35 Uhr | Gesellschaft
Merkels Pendeldiplomatie Die Europareisende

Angela Merkel trifft in dieser Woche mit Staats- und Regierungschefs von 15 EU-Staaten zusammen. Mit diesem diplomatischen Marathon sendet sie vor allem ein Signal: Europa soll leben. Mehr Von Günter Bannas, Jörg Bremer, Berlin/Rom

24.08.2016, 08:43 Uhr | Politik
Technik-Aktien
Name Kurs %
NASDAQ 100 -- --
APPLE -- --
ALPHABET INC.CL.A DL-,001 -- --
FACEBOOK INC.A DL-,000006 -- --
ZYNGA INC. DL -,01 -- --
TecDAX ® -- --
UTD.INTERNET -- --
ZALANDO SE -- --
ROCKET INTERNET SE -- --

Nach dem Golde drängt alles

Von Christian Siedenbiedel

Schon in Goethes „Faust“ heißt es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“. Was aber rückt das Gold heute wieder so in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger? Der Brexit? Sorgen um die Weltwirtschaft? Etwas ganz anderes? Mehr 12 18