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Deutsche Bank, UBS & Co. : Großbanken arbeiten an neuer Digitalwährung

  • Aktualisiert am

Bitcoin-Mining: Große Rechner, wie hier nahe Keflavik in Island, erschaffen digitale Währung. Bild: Reuters

Vier führende Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank, wollen ihre Kräfte bündeln, um eine digitale Währung zu erschaffen. Es geht um viele Milliarden Dollar. Überzeugen müssen sie noch die Notenbanken.

          Innovative und als sicher geltende Daten-Technologien beschleunigen die Veränderungen in der Finanzbranche: Nun haben sich offenbar vier der bedeutendsten Geldhäuser der Welt zusammen getan, um ein neues digitales Zahlungsmittel zu erschaffen, mit dem sie unter anderem Wertpapierkäufe und -verkäufe abwickeln wollen. Basis soll die sogenannte Blockchain-Technologie sein, die auch die Digitalwährung Bitcoin unterstützt.

          Die Deutsche Bank, die schweizerische UBS, die spanische Bank Santander und das amerikanische Geldhaus Bank of New York Mellon (BNY) bündeln nun ihre Kräfte, um das zu schaffen, berichtet die „Financial Times“. Demnach gehört auch der führende Broker Icap der Zusammenarbeit an. Die Finanzinstitute wollen ihre Idee nun Zentralbanken vorstellen und sie im Frühjahr 2018 einsetzen.

          Citicoin und SETLcoin

          „Heute ist der Handel zwischen Banken und Institutionen schwierig, zeitaufwändig und kostenträchtig, weswegen wir alle große Abrechnungsstellen haben“, wird Julio Faura, ein für technische Neuerungen führender Mitarbeiter von Santander in dem Bericht zitiert. „Hier geht es jetzt darum, das zu modernisieren und effizienter zu machen.“

          Die Blockchain-Technologie, über die sich derzeit führende Köpfe vieler Branchen Gedanken machen, basiert auf einer dezentralen und komplexen Reihe von Algorithmen. Dadurch können Transaktionen elektronisch über ein Computer-Netzwerk verifiziert werden ohne dass es etwa ein zentrales Register braucht.

          Durch einige Ungereimtheiten mit der Bitcoin-Währung zunächst abgeschreckt, ergründen nun wohl immer mehr Finanz-Unternehmen, welche Chancen sich mit der Technologie verbinden. Denn es geht auch in diesem Bereich um viel echtes Geld: Die Kosten der Finanzbranche für das sogenannte Clearing and Settlement beliefen sich auf zwischen 65 und 80 Milliarden Dollar pro Jahr, habe die Unternehmensberatung Oliver Wyman errechnet.

          Dem Bericht der „FT“ zufolge arbeiten andere große Banken ebenfalls an entsprechenden Ideen. Die amerikanische Großbank Citigroup beispielsweise am „Citicoin“, die Investmentbank „Goldman Sachs“ habe sich das Patent für den „SETLcoin“ gesichert. Auch JP Morgan treibe ein entsprechendes Projekt voran. Die Gruppe Setl, die ihren Sitz in London hat und von Hedgefonds gegründet wurde, ist ein weiteres Beispiel.

          Drei große Notenbanken

          Bislang gelten für Transaktion üblicherweise je nach Wertpapier Fristen von ein bis drei Tagen, in denen sie vollständig abgeschlossen werden - also Wertpapiere übertragen sind und Geld dafür geflossen ist. Diese Zeit soll sich durch die neue Technologie drastisch verkürzen, in dem digitale Währungen gegenüber Notenbanken direkt in Cash umgewandelt werden können.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve, die Bank von England und die kanadische Zentralbank untersuchen schon länger, welche Vorteile sich aus digitalen Währungen ergeben könnten. Der frühere amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke hatte in einer Rede einmal ausdrücklich bekundet, dass es sich dabei um eine womöglich sehr chancenreiche Technologie handele.

          Nach wie vor gibt es allerdings Bedenken hinsichtlich der Sicherheit solcher Währungen. Viele Erfahrungen mit dem Bitcoin und darauf ausgerichteten Handelsplätzen schrecken nach wie vor ab.

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