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Wall Street Internetboom hinter den Kulissen

 ·  Facebook und Twitter sind noch nicht börsennotiert. Der Handel mit den Aktien der populären Internetunternehmen nimmt trotzdem zu. Jetzt untersucht die Börsenaufsicht SEC diese Praxis.

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An der Wall Street nimmt der Handel mit Aktien von populären Internetunternehmen wie Facebook und Twitter zu, obwohl die Gesellschaften noch nicht börsennotiert sind. Die Anteile werden auf neuen Handelsplattformen wie Secondmarket oder Sharespost gehandelt, die auf nicht börsennotierte Unternehmen spezialisiert sind. Das Handelsvolumen dieser Aktien ist noch nicht hoch, hat sich nach Angaben des Wertpapierhauses NYPPEX in diesem Jahr aber auf 4,9 Milliarden Dollar verdoppelt. Aktien des sozialen Netzwerkes Facebook machen mit 40 Prozent bis 50 Prozent den Großteil der Transaktionen aus.

Die Verkäufer sind zumeist ehemalige Angestellte der Unternehmen und Risikokapitalgeber, die ihre Anteile versilbern wollen. Die Käufer sind überwiegend reiche Spekulanten, die noch vor einem erwarteten Börsengang günstig Anteile an potentiell stark wachsenden Unternehmen erwerben wollen. Kleinanleger und Investoren mit einem Vermögen von weniger als einer Million Dollar dürfen diese als risikoreich geltenden Papiere nicht kaufen. Mehrere kleinere Wertpapierhäuser an der Wall Street wie Greencrest Capital oder Felix Investments sammeln bereits Mittel von Investoren für Fonds ein, die Aktienpakete an Facebook oder an dem Kurznachrichtendienst Twitter erwerben wollen.

Eine unerwünschte Konsequenz

Jetzt untersucht allerdings die Börsenaufsicht SEC diese Praxis, wie die „New York Times“ berichtet. Der Grund dafür ist unklar, aber es könnte mit der Anzahl der Investoren zusammenhängen, die Anteile an den Unternehmen halten. Hat ein Unternehmen mehr als 499 Aktionäre, muss sie nach amerikanischen Regularien ihre Aktien bei der SEC registrieren und ihre Finanzdaten offen legen. Sollte die SEC die Fonds von Greencrest Capital und Felix Investments nicht als einen einzelnen institutionellen Anleger werten, sondern die Zahl der Investoren in den Fonds zugrunde legen, wäre die Offenlegung der Bilanzen möglicherweise eine für Facebook und Twitter unerwünschte Konsequenz.

Bisher haben es diese Unternehmen nicht eilig mit einem Börsengang, auch wenn das an der Wall Street immer wieder Gegenstand von Spekulationen ist. Im September hatte einer der frühen Investoren von Facebook, Peter Thiel, einen Börsengang nicht vor 2012 in Aussicht gestellt. Aber das Interesse an den Aktien ist offenbar hoch, auch wenn potentielle Investoren keine offiziellen Daten über den Umsatz und Gewinn besitzen und ein entsprechendes Risiko eingehen. „Wir bedienen ein wachsendes Bedürfnis“, sagt David Weir, der Vorstandschef der im vergangenen Jahr gegründeten Handelsplattform Sharespost, die aktuell 39.000 registrierte Mitglieder hat. „Vor einem Jahrzehnt wären diese Unternehmen bereits an die Börse gegangen. Investoren können sich nun an diesen Unternehmen beteiligen und Verkäufer können sich von ihren bereits wertvollen Anteile trennen“. Vor zehn Jahren hatte an der Wall Street eine Hausse von Technologie- und Internetaktien ihren Höhepunkt erreicht. Zahlreiche Internetunternehmen hatten trotz Verlusten erfolgreiche Börsendebüts verzeichnet. Nach einer folgenden Baisse war der Börsengang der Suchmaschine Google 2004 aber das letzte große Debüt in der Branche gewesen.

Die Zurückhaltung bei Börsengängen wird von Investoren mit den komplexer und teurer gewordenen regulatorischen Auflagen für börsennotierte Unternehmen begründet. Die Auflagen wurden mit dem 2002 verabschiedeten Sarbanes-Oxley-Reformgesetz verschärft. Der amerikanische Kongress hatte damit auf den Bilanzbetrug bei den Unternehmen Worldcom und Enron reagiert. In den vergangenen Jahren hatte zudem die Finanz- und Wirtschaftskrise für generelle Unsicherheit an den Aktienbörsen und einen entsprechend schleppenden Markt für Erstemissionen geführt. Unternehmen wie Facebook oder Twitter haben zudem keine Schwierigkeiten, auch ohne Börsengang an Kapital zu kommen.

„Buchstäblich zu jedem Preis“

Der Appetit von Investoren auf Technologieunternehmen scheint aber wieder zu wachsen. Kleinere Technologiewerte waren im vergangenen Jahre an den amerikanischen Börsen das Segment mit den meisten Debüts. Eine Anzahl chinesischer Unternehmen war dabei, aber auch der amerikanische Autohersteller Tesla, der Elektrosportwagen produziert. Mit Ausnahme des sanierten Autokonzerns General Motors übertraf aber kein Börsengang in diesem Jahr das Volumen von einer Milliarde Dollar. Nun wartet die Wall Street auf eine mögliche Initialzündung für weitere Börsengänge, wenn Facebook endlich diesen Schritt machen würde. „Wenn Facebook jemals den Börsengang ankündigen würde, wäre die Hölle los“, sagte Scott Sweet, Geschäftsführer des auf Börsengänge spezialisierten Informationsdienstes IPO Boutique. Nach Ansicht von John O'Farrell, Partner der Risikokapitalgesellschaft Andreesen Horowitz, die im November Facebook-Aktien gekauft hatte, kaufen Anleger Aktien von Unternehmen wie Facebook derzeit „buchstäblich zu jedem Preis“.

Das führt zu entsprechend hohen Bewertungen für Unternehmen, über deren finanzielle Verfassung nur wenig bekannt ist. Nach Angaben von Sharespost hat sich der Börsenwert von Facebook, das in diesem Jahr geschätzte zwei Milliarden Dollar Umsatz erzielt, seit März auf mehr als 40 Milliarden Dollar verdreifacht. Zynga, ein Hersteller von Online-Spielen, wird mit mehr als 5 Milliarden Dollar bewertet. Twitter ist zuletzt mit 3,7 Milliarden Dollar und das auf geschäftliche Verbindungen spezialisierte soziale Netzwerk LinkedIn mit 2 Milliarden Dollar bewertet worden.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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