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Veröffentlicht: 12.05.2012, 13:55 Uhr

 Steuersparmodell Facebook-Mitgründer gibt Staatsbürgerschaft auf

Der Börsengang von Facebook wird Mitgründer Eduardo Saverin zum Milliardär machen - und er sorgt auf ungewöhnliche Weise dafür, dass er möglichst viel davon hat. Der 30-jährige gibt seine amerikanische Staatsbürgerschaft auf, um seine Steuerrechnung zu senken.

© AFP Facebook geht - voraussichtlich am kommenden Freitag - an die Börse:

Vor dem milliardenschweren Börsengang von Facebook hat einer der Mitgründer des sozialen Netzwerks wohl aus steuerlichen Gründen seine amerikanische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Der mittlerweile in Singapur lebende Eduardo Saverin steht auf einer Ende April veröffentlichten Ausbürgerungsliste der amerikanischen Steuerbehörde IRS, wie am Freitag bekannt wurde.

Bürger der Vereinigten Staaten zahlen üblicherweise in ihrer Heimat Steuern auf ihr gesamtes weltweites Einkommen, unabhängig von ihrem Wohnsitz. In Singapur könnte Saverin einem Großteil der Abgaben entgehen, weil der asiatische Stadtstaat Einkommen aus dem Ausland nicht besteuert. Ein Sprecher des Facebook-Mitgründers sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, der 30-Jährige habe die amerikanische Staatsbürgerschaft abgelegt, weil er „auf unbestimmte Zeit“ in Singapur bleiben wolle. Saverin ließ sich demnach bereits im vergangenen September ausbürgern.

Der in Brasilien geborene Saverin war als Kommilitone von Facebook-Chef Mark Zuckerberg einer der Mitgründer des Online-Netzwerks und hielt anfangs einen Anteil von rund 30 Prozent. Später verlor er jedoch an Einfluss, zog sich aus der Führung des Unternehmens zurück und seine Beteiligung wurde drastisch reduziert.

Nach einem Streit mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg verließ Saverin 2005 das Unternehmen. Er verklagte Zuckerberg, sie legten den Streit aber außergerichtlich bei. Saverin bekam eine Abfindung in unbekannter Höhe. Seit seinem Ausscheiden hat er viele Anteile an dem sozialen Netzwerks verkauft und das Geld in junge Technologiefirmen investiert.

Der Börsenprospekt enthält keine Angaben dazu, wie viel Saverin noch an Facebook hält. Bloomberg bezieht sich auf die Website „whoownsfacebook.com“, laut der bei ihm noch vier Prozent liegen, die zum Börsengang rund 3,8 Milliarden Dollar (2,9 Mrd Euro) wert sein könnten.

Das für kommenden Freitag geplante Debüt von Facebook an der Wall Street ist der größte Börsengang in der Geschichte der Technologie-Branche, bei Ausgabe der Aktien wird das soziale Netzwerk etwa 90 Milliarden Dollar (69 Milliarden Euro) wert sein. 
 

Die Menschen hinter den Milliarden

Das Debüt von Facebook an der Wall Street am Freitag ist der größte Börsengang in der Geschichte der Technologie-Branche. Das soziale Netzwerk dürfte dann etwa 90 Milliarden Dollar (69 Milliarden Euro) wert sein. Wer sind die Menschen hinter dieser gigantischen Summe?

Mark Zuckerberg, der als 19-Jähriger an der amerikanischen Eliteuni Harvard das soziale Netzwerk schuf, wird auch nach dem Börsengang das Ruder in der Hand behalten und fast 60 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Derzeit gehören ihm 533 Millionen Aktien an Facebook, von denen er 30 Millionen beim Börsengang verkaufen will, um seine Steuern zu bezahlen. Sein verbleibender Anteil an Facebook wäre dann bei einem Ausgabepreis von 35 Dollar pro Aktie noch immer 17,6 Milliarden Dollar wert.

Dustin Moskovitz war Zuckerbergs Zimmergenosse im Studentenwohnheim in Harvard und brachte Facebook mit auf den Weg. Der jüngsten Mitteilung von Facebook an die amerikanische Börsenaufsicht SEC zufolge besitzt er 133 Millionen Facebook-Aktien, deren Gesamtwert bis zu 4,7 Milliarden Dollar betragen könnte. Die beiden anderen Mitgründer Eduardo Saverin und Chris Hughes werden in dem SEC-Dokument nicht namentlich genannt, aber auch sie dürften ordentlich absahnen. Die Webseite „Who owns Facebook?“ schätzt Saverins Anteil auf 3,4 Milliarden Dollar und Hughes’ Aktienpaket auf 850 Million Dollar.

Sean Parker hatte Ende der 90er die populäre Musiktauschbörse Napster mitgegründet. Als Facebook 2004 von der Ostküste ins Silicon Valley nach Kalifornien umzog, erkannte Parker das Geschäftspotenzial des sozialen Netzwerks und stand Zuckerberg als erster Präsident des Unternehmens beratend zur Seite. Beim Börsengang behält er alle seine knapp 70 Millionen Aktien, die dann gut 2,4 Milliarden Dollar wert sein dürften.

Die Investoren Accel Partners stieg 2005 mit 12,7 Millionen Dollar bei Facebook ein, nun dürften die 201 Millionen Aktien der Investmentfirma bis zu 7,1 Milliarden Dollar wert sein. Durch den geplanten Verkauf von gut 38 Millionen Aktien beim Börsengang winken Einahmen in Höhe von 1,34 Milliarden Dollar. Der russische Investor Juri Milner, dessen Facebook-Anteile auf bis zu 4,6 Milliarden Dollar geschätzt werden, will beim Börsendebüt 920 Millionen Dollar einstreichen. Der Investor Peter Thiel, dessen Anteil eine Wertsteigerung von 500.000 Dollar im Jahr 2004 auf wohl 1,56 Milliarden Dollar verbuchte, will Aktien im Wert von 271 Millionen Dollar verkaufen.

Mit der Managerin Sheryl Sandberg, die Zuckerberg beim Internetriesen Google abwarb, schaffte Facebook den Sprung in die erste Liga. Nach dem Börsendebüt fällig werdende Aktienoptionen inbegriffen kann sie mit einem Anteil im Wert von bis zu 1,4 Milliarden Dollar rechnen. Auch viele andere Facebook-Mitarbeiter halten Anteile an dem Unternehmen, der Börsengang dürfte mit einem Schlag hunderte neue Millionäre im Silicon Valley schaffen. (AFP)
 

Quelle: Bloomberg/dpa/AFP

 

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