http://www.faz.net/-gqm-74x3d

Rechenzentrum im Eis : Facebook friert gerne

Luleå in Schweden: Weil es so kühl ist, baut Facebook hier ein riesiges Rechenzentrum Bild: Vario Iimages

Nur hundert Kilometer südlich vom Polarkreis baut Facebook Europas größtes Rechenzentrum. Das Städtchen Luleå in Nordschweden kann sein Glück kaum fassen.

          Ganz am Ende stellt Fredrik Kallioniemi die Frage aller Fragen selbst. „Was passiert, wenn Facebook untergeht?“ Der Mann mit dem Headset auf dem Kopf und dem Smartphone in der Hand schaut in die Gesichter der Studenten, die in den größten Hörsaal der Universität von Luleå in Nordschweden gekommen sind.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kallioniemi hat ihnen eher eine Predigt als einen Vortrag gehalten: über Geschäftsmöglichkeiten in sozialen Netzwerken, über eine Zukunft mit maßgeschneiderten Freizeitangeboten und zielgerichteten Rabattaktionen auf dem Display - und über die Rolle, die Luleå mit seinen knapp 75.000 Einwohnern auf dem Weg dorthin spielen soll. „Wir sind die perfekte Modellstadt für Facebook. Weil hier alle mitmachen. Drei von vier Einwohnern sind schon dabei. Phantastisch!“

          Fredrik Kallioniemi
          Fredrik Kallioniemi : Bild: Sebastian Balzter

          Es sind nur hundert Kilometer von der Universität bis zum Polarkreis, der Winter ist hier lang und frostig. Bis nach Ostern hielt sich deshalb der überlebensgroße hochgereckte Daumen aus Eis im Stadtpark. Und als die steigenden Temperaturen an ihr zu nagen begannen, hatte die Skulptur ihren Zweck längst erfüllt.

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte ein Foto des glitzernden Daumens auf die Seite gestellt, die er selbst in seinem sozialen Netzwerk unterhält; darüber ein knappes Lob für die Stadt, in der das neue Rechenzentrum des Unternehmens gebaut wird. Es ist das erste außerhalb der Vereinigten Staaten. Von Luleå aus wird Facebook künftig seine Nutzer in Europa bedienen. Es dauerte nicht lange, bis eine halbe Million Nutzer rund um den Globus auf den „Gefällt mir“-Knopf unter dem Eisdaumen gedrückt hatten.

          Sogar der Facebook-Daumen ist aus Eis
          Sogar der Facebook-Daumen ist aus Eis : Bild: Archiv

          Wenn er davon in seinem Büro im Rathaus erzählt, klopft sich Bürgermeister Karl Petersen auf die Brust. Denn der Daumen war natürlich seine Idee. Petersen, blauäugig, grauhaarig, schlitzohrig, ist schon seit 2002 Bürgermeister von Luleå. In diesen zehn Jahren hat sich der schleichende wirtschaftliche Niedergang der Stadt am nördlichen Rand Europas in einen rasanten Aufschwung verwandelt.

          Zuerst stieg auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach dem Stahl und Eisenerz aus Lappland, das hier seit Generationen verschifft wird. Dann mauserte sich die Universität zu einem Magneten für Ingenieurstudenten aus dem gesamten Königreich. Die Mieten und Häuserpreise stiegen zuletzt so stark wie nirgendwo sonst in Schweden. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,8 Prozent, weit unter dem Durchschnitt. Die Zahl der Neugeborenen ist um 23 Prozent gestiegen. Und jetzt kommt auch noch Facebook.

          Der Bürgermeister Karl Petersen
          Der Bürgermeister Karl Petersen : Bild: Sebastian Balzter

          „Gerade haben wir im Stadtrat den Ausbau des Wasserwerks beschlossen“, berichtet der Bürgermeister. „Für 25000 zusätzliche Einwohner.“ Vom Rathausdach, hoch über dem Schachbrettmuster der Innenstadt, erklärt er, wo die Stadt wachsen soll, zwischen dem Hafen im Süden, der Bahnlinie im Osten, dem Flughafen im Westen und der Uni im Norden, wo Facebook 34 Hektar Grund gekauft hat. Die erste der drei geplanten Hallen soll Anfang 2013 in Betrieb gehen. Wenn der Standort für 550 Millionen Euro gebaut ist, wird er die Fläche von 18 Fußballfeldern belegen.

          Weitere Themen

          Bäume müssen nicht vermenschlicht werden Video-Seite öffnen

          Kritik an Peter Wohlleben : Bäume müssen nicht vermenschlicht werden

          Die Deutschen lieben den Wald. Der Förster Peter Wohlleben schreibt in seinen Büchern, Bäume liebten sich auch untereinander. Der Forstwissenschaftler Prof. Christian Ammer von der Georg-August-Universität Göttingen durchbricht jetzt die Bestseller-Idylle: Massensterben ist an der Tagesordnung, der Wald muss nicht vermenschlicht werden, um Bewunderung hervorzurufen.

          Topmeldungen

          Wahlkampfabschluss der AfD : Revolte von rechts

          Am Abend vor der Wahl trifft sich der Landesverband der AfD Sachsen zur Kundgebung in Görlitz. Ohne Frauke Petry. Die hatte zuvor abgesagt – wegen „innerparteilichen Querelen“. Dafür tritt einer ihrer Feinde auf.
          Versuchen fast alles, um Merkel zu stürzen: Die AfD-Spitzenkandidaten Weidel und Gauland.

          Neue Internetseite der AfD : Teuflisch genial

          Im Online-Wahlkampf holte sich die AfD Unterstützung von einer Werbeagentur, die bereits für Donald Trump arbeitete. Jetzt hat die Partei eine neue Website veröffentlicht – und startet damit eine Schmutzkampagne gegen die Kanzlerin.

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.