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Psychologie : Facebook macht neidisch

Fotos zeigen: Den anderen geht’s gut. Bild: AP

Auf Facebook zeigen unsere Freunde, was sie Tolles machen: Sie berichten vom Konzert, prahlen vom Kneipenabend und stellen Urlaubsfotos aus der Südsee aus. Das erzeugt Neid, wie eine aktuelle Studie beweist.

          Was man auf Facebook von seinen Freunden erfährt, ist oft ein Klischeebild des schönen Lebens: Der eine hat einen tollen Abend mit Freunden hinter sich, der andere war auf einem grandiosen Konzert, der dritte zeigt Fotos aus seinem Südsee-Urlaub. Da muss man doch neidisch werden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          So scheint es tatsächlich zu sein. Forscher der Humboldt-Universität Berlin und der Technischen Universität Darmstadt haben Facebook-Nutzer gefragt, wie es ihnen in dem Netzwerk ergeht. 44 Prozent der Nutzer erzählten von positiven Gefühlen, nur 37 Prozent von negativen. Doch die Forscher sind es gewohnt, belogen zu werden. Darum fragten sie noch einmal anders.

          Denn Menschen sind ehrlicher, wenn sie über andere befragt werden. Darum fragten die Forscher die Facebook-Nutzer auch danach, was andere an Facebook stören könnte - eine gebräuchliche Technik, um etwas über die Gefühle der Befragten selbst zu erfahren. Und prompt zeigte sich: Fast 30 Prozent der Befragten nannten Neid als wesentliches Ärgernis.

          Der Facebook-Neid ist anders

          Dabei ist der Facebook-Neid ein anderer als der, den die Menschen meistens erfahren, also im persönlichen Kontakt. Im persönlichen Kontakt beneiden Menschen andere vor allem um ihren persönlichen Erfolg: um ihre Fähigkeiten oder ihre Karriere. Auf Facebook herrscht dagegen eher Freizeit-Neid: Es geht um tolle Reisen, Hobbys und - im geringeren Maß - um Abende mit Freunden. Und während beruflicher Neid im Alter wächst, weil ältere Leute weniger Chancen haben, ihre Karriere noch grundlegend zu verändern, hat das Alter auf den Facebook-Neid fast keinen Einfluss.

          Obwohl die Forscher nur 600 Studenten befragt hatten, sind die Effekte groß genug, um wissenschaftlich signifikant zu sein. „Das scheint eine solide gemachte Studie zu sein“, sagt Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut. Er hält den Neid allerdings für freundlicher als anderen. „Wenn ich auf Facebook sehe, dass Freunde gerade in der Karibik sind, dann bin ich auch neidisch, aber gleichzeitig freue ich mich auch für sie.“

          „Das soziale Leben spielt sich für viele Studierende zu erheblichen Teilen in Online-Communities ab“, sagt Medienforscher Leif Kramp von der Universität Bremen, „mit allen denkbaren Effekten wie Spaß, Spannung, Entspannung und eben auch Neid.“

          Eine „Neidspirale“ entsteht

          Auf Facebook können die Menschen allerdings leichter reagieren: indem sie selbst eigene Fotos online stellen und selbst von ihrer Freizeit berichten. Zumal das ja auf Facebook allgemein erwartet werde, wie Medienforscher Schmidt betont. Auf diese Weise werden die anderen Nutzer wieder neidischer - und die Studienautoren sehen eine „Neidspirale“ entstehen.

          Gerade in Deutschland seien die Urlaubsfotos beliebt, die bei vielen anderen den Freizeit-Neid auslösen, sagt Studien-Mitautorin Hanna Krasnova. „Vielen Facebook-Nutzern fehlt das Verständnis dafür, was ihre Posts bei anderen bewirken.“

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