Dem sozialen Netzwerk Facebook wird gerne nachgesagt, nach der Herrschaft im Internet zu streben. Wenn man „Herrschaft“ so definiert, immer größere Teile des Netzes an sich zu ziehen und zu integrieren, um die Nutzer möglichst lange auf der eigenen Homepage (und damit nahe an der eigenen Werbung) zu halten, ist die These nicht von der Hand zu weisen.
Was Firmengründer Mark Zuckerberg zum Wochenbeginn in San Francisco ankündigte, geht einen weiteren Schritt in diese Richtung. Der Facebook-Chef will den schon existierenden Nachrichtendienst zu einer übergreifenden Kommunikationsplattform ausbauen – und damit letztlich anderen E-Mail-Anbietern, allen voran Google, die Bits abgraben.
Auf den ersten Blick kommt das Projekt „Messages“ vergleichsweise unspektakulär daher. Auffälligste Neuerung ist, dass jeder Facebook-Nutzer künftig eine eigene Facebook-E-Mail-Adresse (benutzername@facebook.com) bekommen kann. Aber das ist nur ein Randaspekt. Denn eigentlich sei die Kommunikation über Mails ein Auslaufmodell, glaubt Zuckerberg. Jungen Leuten seien sie zu kompliziert, zu langsam und zu formal, argumentiert der selbst gerade 26 Jahre alte Manager. Sie bevorzugten SMS über das Handy oder Facebook-Mitteilungen.
Google versuchte ähnliches mit Buzz und Wave
Als Konsequenz dieser Erkenntnis baut Facebook nun sein bislang internes Nachrichtensystem zu einem Universal-Postfach aus. Die elektronische Post sowie SMS- und Instant-Messaging-Nachrichten (Chats) sind dabei nicht mehr über getrennte Wege zugänglich, sondern über einen einzigen Zugangsweg – und der heißt Facebook. Unterschiedliche Kommunikationsformen laufen in einem Posteingang ein und werden nach Absender geordnet. Alle mit einer Person ausgetauschten Nachrichten werden an einem Ort gesammelt, egal über welches Medium sie verschickt wurden. „Wir haben es wie einen Chat gestaltet“, sagt Chefentwickler Andrew Bosworth. Elemente wie E-Mail-Betreffzeilen gibt es hier nicht.
„Facebook startet eigenen Maildienst“, „Facebook will E-Mail neu erfinden“, „Facebook arbeitet an der Ablösung von E-Mail“ – so kommentierten Medien und Blogger nach der Vorstellung das Vorhaben. Entscheidend aber ist: Facebook will die Kommunikation im Internet noch stärker auf sich ziehen als es das mit seinem mehr als 500 Millionen Nutzern jetzt schon tut.
Dabei ist Zuckerberg nicht der erste, der das versucht. Rivale Google etwa startete Projekte wie Wave (ein System zur Kommunikation und Zusammenarbeit in Echtzeit) oder Buzz (ein soziales Netzwerk), allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Im August kündigte Google im Firmenblog an, die Entwicklung von Wave einzustellen und die entsprechende Website gegen Ende des Jahres zu schließen.
Einfaches kommt an - das beweist auch Apple
Ob Facebook mehr Erfolg hat, ist noch nicht ausgemacht, aber die Chancen stehen gut. Schon deshalb, weil in der komplexen Computer- und Internet-Welt Einfaches ankommt – das beweist nicht zuletzt Apple. Einen interessanten Vergleich zieht Gartner-Analyst Ray Valdes mit Blick auf den Tablet-Computer iPad. Gerade die Experten habe das Gerät anfangs auch nicht beeindruckt. In der Zielgruppe freilich sei es dann ein großer Erfolg geworden. Einen Startvorteil hat Zuckerberg schon durch die schiere Masse. Den Messaging-Dienst in der herkömmlichen Form nutzen schon heute etwa 300 Millionen Menschen, sie verschicken tagtäglich 4 Milliarden Nachrichten.
Einzig der Datenschutz könnte Facebook einen Strich durch die Rechnung machen. Das Unternehmen hatte schon in der Vergangenheit damit seine Schwierigkeiten. Und so mancher Nutzer dürfte sich fragen: Will ich wirklich meine gesamte Kommunikation über einen einzigen Anbieter laufen lassen?
Irrtum?
Rolf Teucher (rolf.teucher)
- 16.11.2010, 20:09 Uhr
@rolf.teucher
Erwin Löffler (turbooeko)
- 16.11.2010, 20:29 Uhr
Re: Irrtum?
Raoul Duke (RaDuke)
- 16.11.2010, 20:32 Uhr
kein Irrtum!
Ek Ke (vino1)
- 16.11.2010, 20:33 Uhr
ja es ist real
peter neumann (wammy)
- 16.11.2010, 20:38 Uhr