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Neue Regeln Facebook verärgert seine Nutzer

Kurz vor dem Börsengang diktiert Mark Zuckerberg seinen 800 Millionen Nutzern neue Regeln. Der Monopolist kann sich alles erlauben.

© AFP Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Dieser Tage müssen die Mitglieder von Facebook eine Milliardensumme in das Netzwerk investieren. Denn Facebook ändert sein Layout. Wenn jedes Mitglied auch nur zehn Minuten darauf verwendet, das eigene Facebook-Profil dem neuen Layout anzupassen - dann ist das bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro ein Gesamtwert an Arbeitszeit von mindestens einer Milliarde Euro, wie der Internet-Experte Julius Endert ausgerechnet hat.

Patrick Bernau Folgen:

Der Profit von Facebook ist aber ungleich größer. Denn das soziale Netzwerk hofft, mit der Umstellung seiner Internetseiten auf die sogenannte „Chronik“ - auf Englisch „Timeline“ - noch mehr als bisher über seine Nutzer zu erfahren. Dann könnte das Unternehmen auf seinen Seiten mehr zielgerichtete Werbung verkaufen - zum Beispiel kann es Anzeigen für eine Norwegen-Reise nur den Leuten zeigen, die gern nach Skandinavien reisen. Und solche zielgerichteten Anzeigen bringen viel mehr Profit.

Infografik /  Der Siegeszug von Facebook © F.A.Z. Vergrößern Facebook

Geld zu verdienen wird für Facebook immer wichtiger. Seit Monaten wird darüber spekuliert, das Facebook in diesem Frühling an die Börse geht - nun wird Gründer Mark Zuckerberg den Antrag wohl schon an diesem Mittwoch stellen, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Die angepeilten Einnahmen lägen zunächst bei 5 Milliarden Dollar, schrieb die „New York Times“ am späten Dienstag (Ortszeit) unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Bislang wurde von 10 Milliarden Dollar ausgegangen. Die Summe kann sich aber noch ändern. 

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In jedem Fall liegt der Verdacht einer Blase nahe. Deshalb sind die Reaktionen absehbar, die Facebook anlässlich des Börsengangs zu einem vergänglichen Phänomen erklären werden.

Anderen ist Facebook längst nicht vergänglich genug. Datenschützer Thilo Weichert beschimpfte Facebook ob der Layout-Umstellung vergangene Woche als „ultradreist“. „Das Verhalten steht in absolutem Widerspruch zu den Zusicherungen, die der Konzern dem Datenschutz gegenüber gemacht hat.“ Facebook hätte versprochen, die Profileinstellungen nicht ohne den Willen der Nutzer zu ändern. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner schimpfte über die Umstellung. Die Gegenposition fällt dem Internet-Unternehmer und FDP-Abgeordneten Jimmy Schulz zu: Wem Facebook nicht gefalle, sagt er lapidar, solle es eben nicht nutzen.

Auf dem Weg zu einer Milliarde Nutzer

Aber das ist nicht so leicht. Normalerweise kann ein zorniger Kunde zur Konkurrenz wechseln. Wer mit seiner Videokamera unzufrieden ist, kauft beim nächsten Mal eine andere. Facebook aber hat kaum noch Konkurrenz. Inzwischen steht das Unternehmen unter öffentlicher und politischer Beobachtung, als wäre es im Staatsbesitz, als stellte es eine unverzichtbare Infrastruktur bereit oder versorgte die Menschen mit lebenswichtigen Medikamenten.

Das tut Facebook nicht. Aber das Netzwerk hat die Gesellschaft so durchdrungen, dass manch jüngerer Mensch ohne Facebook von seinen Bekannten abgeschnitten ist. Vor nicht mal acht Jahren als Weiterentwicklung eines Studentenspaßes gestartet, ist Facebook heute auf der ganzen Welt präsent, hat 800 Millionen aktive Mitglieder - dieses Jahr wird wohl die Milliarde überschritten.

In Deutschland, wo - nur - ein Viertel aller Einwohner bei Facebook sind, müssen sich Nichtnutzer über 30 Jahren nicht furchtbar isoliert vorkommen. Doch in Dänemark, Amerika oder Norwegen ist jeder Zweite auf Facebook aktiv, das heißt: Er schaut mindestens einmal im Monat vorbei. Diese riesenhafte Größe garantiert Facebook zwar noch lange kein sicheres Überleben. Wie schnell eine große Nutzergemeinde schrumpfen kann, zeigt der deutsche Nachahmer StudiVZ: Rechnerisch ist dieses Netzwerk im März am Ende.

Facebooks Reichweite macht es dem Netzwerk in vielen Ländern fast unmöglich, im alten Tempo weiterzuwachsen. Das wird neuen Aktionären nicht unbedingt gefallen - schon seit Wochen wächst der erwartete Firmenwert nicht mehr. Am Ende ist es aber wahrscheinlicher, dass Facebook der Welt ein Weilchen erhalten bleibt - und die Aktionäre eher ihren Willen bekommen als die Datenschützer.

Neue Facebook-Regeln

Was ist das?

Facebook hat ein neues Layout für die Profilseiten seiner Mitglieder Es heißt "Chronik", auf englisch "Timeline". Die Seiten werden übersichtlicher gestaltet - so, dass sich in der Zusammenschau eine zeitlich geordnete Übersicht der Beiträge ergibt. Facebook fragt außerdem nach zusätzlichen Angaben, zum Beispiel nach den Urlaubsreisen - aber diese Fragen muss niemand beantworten.

Wann kommt das?

Wer die Chronik für seine Profilseite haben möchte, kann sie heute schon einstellen. In den nächsten Wochen möchte Facebook die Seiten aller seiner Mitglieder umstellen. Die Firma hat angekündigt, dass jeder Nutzer darauf hingewiesen wird - erst eine Woche - nachdem er den Hinweis gesehen hat, kommt die Umstellung tatsächlich.

Wie gefährlich ist es?

Die Chronik zeigt keine Informationen, die bisher noch nicht sichtbar waren. Es kann aber passieren, dass ältere, längst vergessene Beiträge wieder ins Auge stechen. Wer diese Beiträge nicht mehr mag, sollte sie rechtzeitig von seinem Profil entfernen.

Was muss ich tun?

Wer sein Facebook-Profil hübsch halten möchte, sollte einmal prüfen, ob er mit seinen Chronik-Einträgen einverstanden ist. Und ein Foto aussuchen, das als "Titelbild" dient - das muss kein Porträt sein, auch Landschaftsaufnahmen und Stillleben sind beliebt.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 01.02.2012, 06:20 Uhr


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