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Gleichstellung : Sheryl Sandberg: Nichts hat sich geändert

Sheryl Sandberg ist Topmanagerin bei Facebook und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Bild: EPA

Vor vier Jahren sorgte Sheryl Sandberg mit ihrem Buch „Lean In“ für Aufsehen, feministisches Manifest und Karrierebibel zugleich. Jetzt zieht die Topmanagerin Bilanz.

          Sheryl Sandberg hat vor vier Jahren mit ihrem Buch „Lean In“ einen regelrechten Hype ausgelöst. Die Geschäftsführerin von Facebook kritisierte darin vor allem, dass Frauen noch immer kaum in Führungspositionen vertreten seien. Gleichzeitig forderte sie Frauen auf, ihre Karriere stärker in die Hand zu nehmen, sich also „nach vorne zu lehnen“ und reinzuhängen, wie es der Titel des Buches sagt. Nicht nur für Frauen wurde ihr Werk damals zu einer Art Karrierebibel.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nun, vier Jahre später, beklagt Sandberg: Es hat sich kaum etwas an der (Un-)Gleichstellung von Frauen geändert, weder in der Wirtschaft noch in der Politik. „Es ist eine Schande“, äußerte sich Sandberg gegenüber der amerikanischen Zeitung „USA Today“. Nur sechs Prozent der 500 umsatzstärksten Unternehmen auf der Welt hätten eine weibliche Geschäftsführerin, in den Regierungen sähe es nicht besser aus. Nur in elf Ländern hätten Frauen das Sagen, im Jahr 2011 seien es noch 19 Länder gewesen.

          Sandbergs Traumvorstellung, die sie auch in „Lean In“ schildert, ist eine Welt, in der Frauen die Hälfte aller Führungspositionen in Politik und Wirtschaft besetzen, gleichzeitig sich aber auch Männer um die Hälfte der Hausarbeit kümmern. Auch wenn dieses Ziel – man schaue sich nur das Kabinett des amerikanischen Präsidenten an – ferner denn je erscheint, so gibt sich die Amerikanerin optimistisch: „Menschen auf der ganzen Welt stecken so viel Energie in das Thema Gleichheit.“ Vier Jahre seien eine zu kurze Zeitspanne, um die Verhältnisse auf der Welt umzukrempeln. „Aber ich denke, es kann schneller passieren, als wir glauben.“

          Zu wenig auf alleinerziehende Mütter eingegangen

          Sie spielt damit auch auf die selbsternannte „Lean In Community“ an. Anhängerinnen und Anhänger ihres Buches hatten nach Erscheinen eine Art lokale Fanclubs gegründet, in denen sie sich zu Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf austauschen. Laut Sandberg ist diese Gemeinschaft inzwischen auf 1,5 Millionen Mitglieder angewachsen, organisiert in 33.000 Runden in 150 Ländern.

          „Sehr enttäuscht“ war Sandberg auch, dass Hillary Clinton nicht zur Präsidentin gewählt wurde und ihre Kinder damit wieder keine Frau im höchsten Amt des Staates sehen. Außerdem seien die Vereinigten Staaten das einzige Industrieland der Erde, das keinen bezahlten Mutterschutz oder Elternzeit biete.

          Zugleich seien zwei Drittel aller Beschäftigten, die nur den Mindestlohn verdienen, Frauen. Das sei „nicht akzeptabel“ und müsse dringend behoben werden.

          Die Topmanagerin sieht heute jedoch auch einige Dinge anders als in ihrem Buch beschrieben. Sandberg war damals auch viel Kritik entgegengeschlagen. Ihr wurde vorgeworfen, das Buch aus einer privilegierten Perspektive geschrieben zu haben, die sich schwerlich auf den Alltag aller Frauen übertragen lasse.

          Bereits vor einigen Monaten war sie teilweise zurückgerudert und hatte in einem Facebook-Eintrag geschrieben, sie sei in ihrem Buch zu wenig auf die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter eingegangen. Sandbergs Mann Dave Goldberg war vor einem Jahr plötzlich verstorben, wodurch die Topmanagerin zur alleinerziehenden Mutter zweier Kinder wurde.

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