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Nutzerverhalten : Privates auf Facebook? Muss nicht sein

Zur Geburt seiner Tochter Max schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg einen Brief an die ganze Welt. Bild: dpa

Facebook wird unpersönlicher. Die Nutzer erzählen weniger Geschichten auf dem Leben, stattdessen geht es mehr um Nachrichten. Geschieht das Leben wieder eher offline?

          Wer sich auf Facebook einloggt, wird seit einigen Wochen immer wieder an eigene, alte Beiträge erinnert: Willst du die nicht vielleicht noch mal abschicken?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Glaubt man der Nachrichtenagentur Bloomberg, dann ist diese Funktion ein Hilferuf von Facebook: Schreib was! Bitte! Denn Facebook hat ein Problem, das auch die Nutzer mehr und mehr wahrnehmen: Auf Facebook werden immer weniger persönliche Geschichten geteilt. Der Film vom Konzert, das Foto vom Mittagessen, die kleine Beobachtung im Vorbeigehen: All das kommt aus der Mode.

          Um ein Fünftel seien die persönlichen Postings zurückgegangen, berichtet der Fachdienst „The Information“. Facebook selbst betont, dass die Nutzer nicht weniger Beiträge einstellten als früher: Die privaten Postings werden offenbar durch Links auf Nachrichten und andere Webseiten ersetzt.

          Die Nachrichtenagentur zitiert ungenannte Facebook-Mitarbeiter damit, die persönlichen Geschichten würden in andere Netzwerke gehen: zu Snapchat, aber auch auf Facebooks Foto-Netzwerk Instagram und vielleicht den Nachrichtendienst WhatsApp.

          Auch ein Friseurbesuch ist spannend, findet Mark Zuckerberg

          Denn Facebook ist mit der Entwicklung nicht zufrieden. „Kontext-Zusammenbruch“ (Context Collapse) soll sie intern genannt werden. Um etwas dagegen zu unternehmen, hat Firmengründer Mark Zuckerberg kürzlich die Nutzer zu Live-Videos aufgerufen: Selbst ein Friseurbesuch könnte spannend sein, wenn man andere Leute nur live daran teilhaben lasse.

          Ob das die Nutzer auch so sehen, ist allerdings höchst fraglich. Der bekannte amerikanische Blogger Robert Scoble vertritt auch die These, dass nicht nur Snapchat Schuld sei. Generell sei es etwas aus der Mode gekommen, private Dinge auf Facebook zu teilen. „Die Menschen sind sich eher der Konsequenzen bewusst, wenn sie Dinge öffentlich teilen“, schreibt Scoble.

          Die Freundes-Zahlen seien gewachsen – also achteten die Leute mehr darauf, dass sie Dinge mit Substanz posten. Und sie seien nicht mehr so wild darauf. „Likes für Selfies sind leere Kalorien, die das Leben nicht verbessern. Wenn man lernt, ein neues Gericht zu kochen, wenn man joggen geht oder etwas neues erlebt – das macht das Leben interessanter.“

          Für Facebook bleibt am Ende die Frage: Wird es uninteressanter, wenn die Menschen weniger private Beiträge posten? Wenn es weniger Essensfotos gibt? Mancher – wie Blogger Scoble – glaubt, dadurch könnte Facebook interessanter werden. Auf jeden Fall würde der Nachrichtenstrom auf Facebook weniger Neid auslösen, denn gerade die persönlichen Nachrichten machen andere neidisch. Andererseits war Facebook immer gerade deswegen beliebt, weil sich allgemeine Nachrichten mit Nachrichten über Freunde und entfernte Bekannte vermischt haben.

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