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Kommentar : Facebooks Lüge

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Bild: dpa

Facebook hat die Europäische Kommission angelogen. Ausgerechnet in einer Datenschutz-Frage. Wie kann man sicherstellen, dass das nicht wieder vorkommt?

          Wenn große Internet-Konzerne kleine Start-ups kaufen, versprechen sie den Kunden meistens, dass sich gar nichts ändert: Natürlich bleibt das Start-up komplett eigenständig, in eigenen Büros, auch die Gründer arbeiten weiter. Oft passiert ein paar Monate später etwas ganz anderes: Die Gründer gehen, die Mitarbeiter werden in andere Teams integriert, das Start-up verwächst mit dem Konzern. Ups, heißt es dann, da haben sich eben die Pläne geändert.

          Die Europäische Kommission hat Facebook jetzt eine regelrechte Lüge nachgewiesen – und das gerade in einer besonders heiklen Frage. Als Facebook im Jahr 2014 den Nachrichtendienst Whatsapp kaufte, argwöhnten alle: Kombiniert Facebook jetzt seine Nutzerdaten mit denen von Whatsapp? Facebook beteuerte: Nein nein, das geht technisch gar nicht.

          Es ging doch. Vergangenes Jahr begann Facebook, die Konten der Nutzer auf den beiden Diensten zusammenzuführen. Dass das gehen würde, wusste Facebook auch schon im Jahr 2014 – so schreibt es die Europäische Kommission und spricht zurückhaltend von „inkorrekten oder irreführenden Informationen“. Es war eine glatte Lüge. Die Strafe von 110 Millionen Euro ist dafür vergleichsweise mild. Das Geld verdient Facebook in drei Tagen.

          Im Datenschutz ist Vertrauen unersetzlich

          Das ist fatal. Gerade wenn es um Datenschutz geht, ist Vertrauen unersetzlich. Löscht Facebook das Foto wirklich von seinen Festplatten, wenn ich es aus meinem Profil lösche? Löscht Facebook erst, wenn ich mein ganzes Konto lösche? Oder bleiben die Daten trotzdem irgendwo auf den Facebook-Servern liegen? Oder: Wenn ich bei Google meine Daten herunterlade, bekomme ich dann wirklich alles, was Google über mich gespeichert hat?

          Viel Vertrauen konnte Facebook nicht zerstören. Denn die Nutzer haben sowieso nicht viel. Aber wenn Facebook dann auch noch die Europäische Kommission anlügt, bleibt gar nichts mehr übrig.

          Jetzt sind beide Seiten gefragt. Die EU und andere Behörden müssen darüber nachdenken, wie sie sicherstellen, dass sie den Angaben der Konzerne vertrauen können. Muss Facebook dazu den Quellcode seiner Software offen legen? Vielleicht nicht. Aber wenn neue Gesetze eingeführt werden, schießen sie oft übers Ziel hinaus.

          Schon allein deshalb ist es im Interesse der Internet-Konzerne, Vertrauen aufzubauen. Sie können sich jetzt überlegen, welche Transparenz-Initiative den Schaden wieder gut machen kann. Facebook ist zuerst am Zug.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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          Quelle: FAZ.NET

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