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Facebook : Die machtlosen Aktionäre

Echtes Geld für virtuelle Daten: Der Börsengang von Facebook macht Gründer Mark Zuckerberg sofort zum Milliardär. Bild: AFP

Mark Zuckerberg behält nach dem Börsengang die völlige Kontrolle über Facebook. Auch in anderen Internetunternehmen wie Google und Zynga sichern die Gründer mit einer Mehrklassenstruktur ihre Macht.

          Das Internetunternehmen Facebook bekommt mit seinem Börsengang eine neue Gruppe von Miteigentümern: Die künftigen außenstehenden Aktionäre investieren in der Hoffnung, dass die bisherige Erfolgsgeschichte des sozialen Netzwerks weitergeht und sich für sie in Kursgewinnen niederschlägt. Sollte es aber eines Tages nicht mehr so gut laufen, werden die Aktionäre wenig Möglichkeiten haben, sich Gehör zu verschaffen und Einfluss auf die Strategie auszuüben. Denn der gerade 28 Jahre alt gewordene Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg hat dafür gesorgt, dass er allein das Sagen im Unternehmen hat, auch nach dem Börsengang.

          Zuckerberg behält 57 Prozent der Stimmrechte

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das hat er gleich auf zweifache Weise eingefädelt: zum einen, indem er zwei Klassen von Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten geschaffen hat, zum anderen, indem er sich von anderen Altaktionären Stimmrechte hat überschreiben lassen. Im Ergebnis führt dies laut Börsenprospekt dazu, dass Zuckerberg nach dem Börsengang über mehr als 57 Prozent der Stimmrechte verfügt.

          Die totale Kontrolle durch eine einzelne Person wie nun im Falle von Facebook und Zuckerberg ist ein extremes Beispiel für einen Trend in der Branche: Auch andere prominente Börsenneulinge aus der Internetindustrie wie Groupon, Zynga oder Linkedin haben mit mehreren Aktienklassen dafür gesorgt, dass ihre Gründer gemessen an ihrem Anteil am gesamten Kapital überproportional viele Stimmrechte behalten.

          Einer der Wegbereiter für diesen Trend war Google. Der heutige Internetgigant hat vor seinem Börsengang 2004 zwei Aktienklassen geschaffen: A-Aktien mit einem Stimmrecht und B-Aktien mit zehn Stimmrechten. Nur die A-Aktien kamen an die Börse, die B-Aktien werden vor allem von den beiden Mitgründern Larry Page und Sergey Brin sowie dem früheren Vorstandschef Eric Schmidt gehalten. Page und Brin haben zusammen deutlich mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, obwohl ihr Anteil am Gesamtkapital bei weniger als 20 Prozent liegt.

          Macht zementiert

          Erst vor rund einem Monat setzte Google noch einen drauf mit der Ankündigung, eine dritte Klasse von C-Aktien zu schaffen, die keinerlei Stimmrechte hat. Diese stimmrechtlosen Aktien sollen künftig zum Beispiel für Mitarbeitervergütung oder Akquisitionen eingesetzt werden. Die beiden Gründer wollen damit verhindern, dass ihr Stimmrechtsanteil in der Zukunft verwässert wird, sie zementieren also ihre Macht im Unternehmen. Zur Begründung führten Page und Brin an, diese Struktur ermögliche es Google, Entscheidungen mit einem längerfristigen Horizont zu treffen.

          Die Macht bleibt bei ihm: Facebook-Chef Mark Zuckerberg

          Der Schritt von Google sorgte für einige Proteste: „Google tritt die Aktionärsrechte mit den Füßen“, sagte zum Beispiel Sean Egan von der Fondsberatungs- und Ratinggesellschaft Egan Jones in einem Interview mit „Bloomberg TV“. Auch der große kalifornische Pensionsfonds Calstrs äußerte sich kritisch zu dem Plan. Es gab aber auch positive Stimmen wie von Bill George, dem langjährigen Vorstandschef des amerikanischen Medizintechnikkonzerns Medtronic, der heute Wirtschaftsprofessor an der Eliteuniversität Harvard ist. George beklagte, dass die Sichtweise an den Finanzmärkten immer kurzfristiger werde, daher sei in manchen Fällen eine Eigentümerstruktur mit mehreren Aktienklassen sinnvoll.

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