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Die Aktie : War das alles, Mr. Zuckerberg?

Die Wall Street im Facebook-Fieber Bild: REUTERS

Der erste Handelstag der Facebook-Aktie war für Anleger eine herbe Enttäuschung. Auch für die kommenden Monate sind die Aussichten schlecht: Nach Meinung vieler Experten werden die mauen Kurszuwächse eher Regel als Ausnahme sein.

          Mark Zuckerberg war in Feierlaune. „Ich kann es nicht erwarten, mit Euch weiter nach vorn zu schreiten“, rief der Facebook-Gründer seinen Mitarbeitern zu, die sich am Freitagmorgen im kalifornischen Menlo Park versammelt hatten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor der dortigen Facebook-Zentrale nämlich und nicht im fernen New York läutete Zuckerberg die Glocke für den drittgrößten Börsengang in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Facebook goes Wall Street. Noch nie war ein amerikanisches Unternehmen am Tag seines Debüts so hoch bewertet. Der Börsenwert des sozialen Netzwerks lag nach der Eröffnung bei stolzen 104 Milliarden Dollar.

          Auch deutsche Anleger können nun endlich dabei sein: War es vor dem Börsengang nahezu unmöglich an Facebook-Papiere zu kommen, notiert die Aktie seit vergangenem Freitag auch an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart. Über Online-Broker wie Cortal Consors oder die Filiale der Hausbank können sich Interessierte das Papier ins Depot buchen.

          Kaum in Partylaune

          Privatanleger sollten sich aber gut überlegen, ob sie die Aktie wirklich wollen. Denn auch wenn Firmengründer Zuckerberg vor seinen Mitarbeitern die große Jubelfeier ausrufen ließ: In Partylaune dürften am Ende nur die wenigsten neuen Investoren gewesen sein. Denn Facebooks erster Handelstag an der US-Technologiebörse Nasdaq war eine herbe Enttäuschung. Zum Handelsschluss notierte die Aktie bei 38,37 Dollar - und damit nur leicht über dem Ausgabepreis von 38 Dollar. „Die Kursentwicklung hat die Erwartungen klar verfehlt“, sagt Frederic Fayolle, Aktienfondsmanager für Technologie- und Internetwerte beim Fondsanbieter DWS.

          Und nach Meinung vieler Experten werden die mauen Kurszuwächse eher Regel als Ausnahme sein. Sie rechnen damit, dass auch die kommenden Monate für Facebook-Aktionäre so verlaufen könnten wie der erste Handelstag: enttäuschend.

          Dabei ging es zunächst eigentlich ganz gut los. Zwar konnte die Nasdaq wegen technischer Probleme erst mit 30-minütiger Verzögerung einen ersten Kurs für die Aktie des sozialen Netzwerks stellen: Der aber lag mit 43 Dollar deutlich über dem Ausgabepreis von 38 Dollar - die Nachfrage überstieg also das Angebot klar.

          „Ich kann es nicht erwarten, mit Euch weiter nach vorn zu schreiten“: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seinen Mitarbeitern im Menlo Park Bilderstrecke

          Nicht ungewöhnlich bei Börsengängen, schon gar nicht bei einem Debüt von dieser Dimension. „Alle potentiellen Verkäufer halten sich zunächst zurück und warten auf die erste Preisfeststellung“, erklärt Michael Reuss von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen in München. „Käufer dagegen, die unbedingt eine Aktie ergattern wollen, geben so früh wie möglich ihre Kauforder ab.“ Das treibt den Börsenkurs zunächst nach oben.

          Bei Facebook hielt die Anfangseuphorie jedoch nicht lange. Am Freitagnachmittag sackte das Papier wieder in Richtung seines Ausgabepreises ab. Nur Stützungskäufe der sogenannten Konsortialführer um die amerikanische Großbank JP Morgan verhinderten einen Absturz unter den Anfangskurs. Alles andere wäre auch eine totale Blamage für das Konsortium aus insgesamt 33 Banken gewesen, die den Börsengang seit Monaten vorbereitet hatten. Schließlich ist es eine ihrer wichtigsten Aufgaben, einen Ausgabepreis festzulegen, der an der Börse Bestand hat.

          Die massiven Eingriffe zeigen: Das ist ihnen gründlich misslungen. „Bei der Festlegung des Ausgabepreises der Aktie ist Facebook zu aggressiv vorgegangen“, kritisiert DWS-Fachmann Fayolle. „Mark Zuckerberg und die Banken haben das Spiel überreizt, der Emissionskurs war viel zu hoch angesetzt“, sagt auch Vermögensverwalter Reuss.

          Aktienoptionen mit Sperrfrist versehen

          Der Eindruck drängt sich in der Tat auf. Noch bis Mitte der vergangenen Woche hatte die von Zuckerberg angedachte Preisspanne für eine einzelne Facebook-Aktie zwischen 28 und 35 Dollar gelegen. Erst kurzfristig wurde sie dann erhöht - auf 34 bis 38 Dollar. Außerdem gab das Internetunternehmen ein Viertel mehr Aktien aus, als zunächst angekündigt. All das - davon sind die Experten überzeugt - um die Erlöse aus dem Börsengang auf die Spitze zu treiben. 16 Milliarden Dollar nahm Facebook auf diese Weise am Freitag ein, über das technische Instrument einer Mehrzuteilungsoption sind sogar noch einmal zwei zusätzliche Milliarden drin.

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