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Der Facebook-Börsengang Zuckerbergs Freundin

 ·  Sheryl Sandberg hat Facebook zu einer professionellen Firma gemacht: Der Börsengang soll zu ihrem Meisterstück werden. Dann wird sie Milliardärin.

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© dapd Die starke Frau bei Facebook: Sheryl Sandberg

Sheryl Sandberg hatte kürzlich eine Art „Coming-out“: In einem Interview offenbarte sie, dass sie jeden Tag um 17.30 Uhr das Büro verlässt, damit sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zu Abend essen kann. Das macht sie, seit sie Kinder hat, bei ihrem früheren Arbeitgeber Google ebenso wie jetzt bei Facebook. Nur traute sie sich lange nicht, darüber zu reden. Es könnte ihr ja als Schwäche ausgelegt werden, dass sie nicht bis spät abends im Büro bleibt.

Für die 42 Jahre alte Sandberg trat freilich das Gegenteil eines Reputationsschadens ein: Sie stand noch mehr als Powerfrau da als ohnehin schon. Als eine, die einfach alles unter einen Hut bekommt. Sie ist die rechte Hand von Mark Zuckerberg, die das operative Geschäft von Facebook schmeißt. Sie bewegt sich geschmeidig auf dem Weltparkett, ob in Davos, in einem Beratergremium für den Präsidenten Barack Obama oder als Gastgeberin von Partys, auf denen schon mal Lady Gaga erscheint. „Forbes“ zählt Sandberg zu den fünf mächtigsten Frauen der Welt, in einer Liga mit Angela Merkel und Hillary Clinton. Und trotz alledem schafft sie es auch noch, ihre Familie nicht zu kurz kommen zu lassen? Es ist fast zu viel Perfektion, um wahr zu sein.

Ein Schliff im Auftritt, den Zuckerberg nicht besitzt

Eine bessere Repräsentantin als Sandberg könnte Facebook vor seinem Börsengang gar nicht haben. Auf der Roadshow, der Werbetour für Investoren, war von Sandberg in dieser Woche viel mehr zu sehen als von Zuckerberg, und vielleicht war das auch gut so. Sie verfügt in ihrem Auftreten über einen Schliff, den der Vorstandschef weder besitzt noch anzustreben scheint. Seinen ersten Auftritt in New York etwa absolvierte er in seinem typischen Kapuzenpulli und Jeans.

Vor allem hören sich die Dinge aus dem Munde von Sandberg überzeugender und sympathischer an. Wenn Zuckerberg in dem Facebook-Videoclip zum Börsengang mit seiner roboterhaft modulierenden Stimme sagt: „Die Mission von Facebook ist es, die Welt offener und vernetzter zu machen“, wirkt das fast bedrohlich. Es lässt gleich an den Datenhunger des Unternehmens denken, das die persönlichen Informationen seiner Nutzer ausschlachtet, um die Werbeumsätze zu optimieren.

Sandberg verkauft Facebook auf viel sanftere Art: „Ich glaube wirklich daran, was Facebook macht“, sagte sie in dem Interview und schwärmte, wie die Seite dabei helfen kann, Organspender zu finden oder auch leibliche Mütter. In ihrer Weltverbesserungsrhetorik steckt sicher Kalkül, aber sie bringt die Botschaft gut herüber.

Auch den künftigen Aktionären macht sie große Verheißungen und stellt sprudelnde Werbeumsätze in Aussicht. Sie jubelt Facebook als ideale Werbeplattform für Unternehmen hoch, weil sie sich hier die Empfehlungen von Freunden untereinander für zielgenaue Anzeigen zunutze machen können.

Manchmal wird der Bogen überspannt

Der Starrummel um Sheryl Sandberg mag überraschen in einer Branche, in der eher die Jungunternehmer zelebriert werden. Sandberg ist weder Gründerin noch steht sie als Nummer zwei hinter Mark Zuckerberg ganz an der Spitze. Aber sie hat Glanzkarrieren bei zwei der einflussreichsten Internetadressen der Gegenwart gemacht und dabei exzellentes Gespür bewiesen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein: Wenn Facebook nun sein Wall-Street-Debüt feiert, kann sie behaupten, bei den beiden prominentesten Börsengängen aus der Internetbranche seit der Jahrtausendwende an Bord gewesen zu sein: Google im Jahr 2004, und nun eben Facebook.

Schon bei Google dürfte Sandberg finanziell ausgesorgt haben. Spätestens der Börsengang von Facebook macht sie nun aber zur Milliardärin, zumindest auf dem Papier. Laut Börsenprospekt hält sie knapp 1,9 Millionen Aktien, dazu kommen Bezugsrechte für 39,3 Millionen Papiere, die sie im Laufe der nächsten Jahre ausüben kann. Das Gesamtpaket hätte am oberen Ende der von Facebook angestrebten Preisspanne von 28 bis 35 Dollar einen Wert von 1,4 Milliarden Dollar.

So gekonnt Sandberg Facebook und sich selbst auch vermarktet: Manchmal überspannt sie den Bogen. Kürzlich sagte sie, vor ihrem Einstieg bei Google habe sie sich nicht vorstellen können, für ein gewinnorientiertes Unternehmen zu arbeiten. Zu Google sei sie dann nur gegangen, weil sie erkannt habe, dass nichts das Leben der Menschen so verändert wie Technologie.

2001 der Einstieg bei Google

Nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium an der Eliteuniversität Harvard arbeitete sie für die Unternehmensberatung McKinsey. Ansonsten hat sie die frühen Jahre ihrer Karriere vor allem in Washington verbracht und für Larry Summers gearbeitet, der in Harvard ihr Mentor war. Er rekrutierte Sandberg zu seiner Forschungsassistentin, als er Chefökonom der Weltbank wurde und machte sie später in seiner Zeit als amerikanischer Finanzminister zu seiner Stabschefin.

Als sie 2001 bei Google einstieg, hatte das Unternehmen gerade 300 Mitarbeiter und überschaubare Umsätze. Sandberg spielte eine zentrale Rolle, das Geschäft mit Anzeigen, die neben Google-Suchergebnisse gestellt werden, zu einer Goldgrube zu machen. Sie wurde Chefin des Anzeigenvertriebs, war aber dann doch empfänglich für ein Abwerbemanöver von Mark Zuckerberg. In einem Sandberg-Porträt im „New Yorker“ hieß es, sie habe neben dem Führungstrio von Eric Schmidt und den Mitgründern Sergey Brin und Larry Page zu wenig Perspektiven gesehen. Ein Vorstoß von ihr, als Chief Operating Officer in die Vorstandsriege berufen zu werden, sei abgeblockt worden.

Heute bei der Suchmaschine eine „persona non grata“

Diesen Titel trägt sie nun bei Facebook, und sie hat weitreichende Autoritäten. Sandberg verantwortet Vertrieb, Marketing und andere Bereiche, Zuckerberg konzentriert sich auf die Produktstrategie. Ihr Wechsel zu Facebook verlief nicht ohne Unfrieden. Angeblich ist sie heute bei Google „Persona non grata“, weil sie viele frühere Kollegen zu Facebook geholt hat. In ihrer ersten Zeit bei Facebook wurde gemunkelt, sie gehe allzu forsch an ihre neue Aufgabe heran und vergraule Mitarbeiter. Das viel gelesene Klatschblog „Valleywag“ machte sich einen Spaß daraus, Sandberg in einer Fotomontage mit einem Gewehr abzubilden.

Heute sind die Kritiker verstummt, und Sandberg hat sich Respekt verschafft. Wie schon bei Google wurde sie auch bei Facebook zu einer Architektin des Geschäftsmodells. Sie hat geholfen, aus der rasant wachsenden Nutzergemeinde mehr Kapital zu schlagen, mit Werbung, die auf die Mitglieder und die von ihnen auf der Seite hinterlassenen Informationen zugeschnitten ist. Das geschieht nicht ohne Argwohn von Datenschützern, aber es bringt Facebook mittlerweile die stattlichen Umsätze und Gewinne ein, die den angepeilten Börsenwert von fast 100 Milliarden Dollar rechtfertigen sollen.

Sandberg spricht gern über Karriere. Vor allem spricht sie gern über das Thema „Frauen und Karriere“, es ist eine persönliche Mission von ihr. In Reden beklagt sie immer wieder, wie niedrig der Frauenanteil an der Spitze von Unternehmen und Regierungen ist. Aber sie gibt Frauen daran eine Teilschuld und fordert sie auf, ihr Schicksal stärker selbst in die Hand zu nehmen. Sandbergs Rat: Frauen müssen ehrgeiziger werden, dürfen im Beruf nicht zu früh „den Fuß vom Gaspedal nehmen“, und sie müssen den richtigen Partner finden: Jemanden, der wirklich 50 Prozent der Arbeit macht und nicht nur davon spricht. „Die wichtigste Karriereentscheidung für Frauen ist die Wahl des Partners“, sagt Sandberg. Sie selbst meint offenbar, mit ihrem Mann Dave Goldberg einen guten Fang gemacht zu haben. Goldberg, Vorstandschef des Internetunternehmens Survey Monkey, sagte kürzlich, er verlasse das Büro ebenso wie seine Frau um 17.30 Uhr. Er gab aber zu, dass die Sandberg-Goldbergs vielleicht nicht die typische Durchschnittsfamilie sind und sich Hilfe im Haushalt leisten können.

Die Predigt, Frauen sollten ganz nach oben drängen

Vor knapp einem Jahr hielt Sandberg die Ansprache für die Abschlussklasse des New Yorker Barnard College, einer Universität für Frauen. Sie rief den Absolventinnen zu: „Eine Welt, in der Männer die Hälfte unserer Haushalte führen und Frauen die Hälfte unserer Institutionen, wäre einfach eine viel bessere Welt.“ Kann Sandberg, die anderen Frauen predigt, ganz nach oben zu drängen, mit ihrer gegenwärtigen Rolle als zweite Geige bei Facebook auf längere Sicht zufrieden sein? Zumal Mark Zuckerberg das Unternehmen mit seiner Stimmrechtsmehrheit klar dominiert und Sandberg bisher nicht einmal einen Sitz im Verwaltungsrat gegeben hat? Anderswo könnte sie vielleicht Vorstandsvorsitzende werden, ebenso denkbar wäre eine Rückkehr in die Politik. Sandberg selbst beteuert, wie zufrieden sie mit ihrer Aufgabe bei Facebook sei.

Gewiss ist wohl, dass sie weiter Karriereratschläge verteilen wird. Schon kurz nach dem Börsengang hat Sandberg den nächsten Auftritt: Am 23. Mai hält sie die Rede für die Abschlussklasse in Harvard. Es wird eine Veranstaltung mit Symbolik, denn Harvard ist nicht nur Sandbergs Alma Mater, sondern auch die Universität, an der Mark Zuckerberg einst sein Studium abgebrochen hat, um sich auf Facebook zu konzentrieren.

„Eine echte Streberin“

Sheryl Sandberg wurde am 28. August 1969 in Washington geboren. Sie sagt, sie sei in der Schule „eine echte Streberin“ gewesen. Sie studierte Wirtschaft an der Harvard-Universität. Zu Facebook kam sie 2008, sie ist als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig. Sandberg hat 2011 ein Grundgehalt von 300 000 Dollar und einen Barbonus von 170 000 Dollar bekommen. Ihre Aktien und Bezugsrechte machen sie nach dem Börsengang zur Milliardärin. Sie ist verheiratet mit dem Web-Manager Dave Goldberg, das Paar hat einen sieben Jahre alten Sohn und eine vier Jahre alte Tochter. Das Unternehmen Es ist der Börsengang des Jahres. Facebook plant am 18. Mai die Premiere an der Technologiebörse Nasdaq und will bis zu 13,6 Milliarden Dollar einnehmen. Die Preisspanne wurde auf 28 bis 35 Dollar je Aktie angesetzt, das würde einem Börsenwert von bis zu 96 Milliarden Dollar entsprechen. Facebook wurde 2004 von Mark Zuckerberg und Kommilitonen an der Universität Harvard gegründet. Heute hat die Seite weltweit mehr als 900 Millionen Mitglieder. 2011 hat das Unternehmen einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von einer Milliarde Dollar gemacht.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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