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Der Börsenprospekt - kommentiert von der F.A.Z. Facebooks Geheimnisse

Der Internetkonzern geht an die Börse - und wird so transparent wie nie. Jetzt zeigt sich, wer Mark Zuckerbergs beste Freunde sind und was seine Charterflüge kosten. 13 überraschende Fakten aus dem Börsenprospekt.

© AFP Der Börsengang des Jahres? Facebook sammelt Kapital auf dem Aktienmarkt ein

Zuckerberg behält die Kontrolle. Einst dachten wir ja, Apple-Chef Steve Jobs sei der größte Absolutist in der amerikanischen Unternehmenswelt gewesen. Doch gegen die Macht von Mark Zuckerberg wirkt Jobs wie ein biederer Angestellter. Zuckerberg kontrolliert 57 Prozent der Stimmrechte, er leitet den Verwaltungsrat und hat auch noch die Hälfte seiner externen Kontrolleure selbst berufen, zum Beispiel Netscape-Erfinder Marc Andreessen. So hat er auf jeder Entscheidungsebene die Mehrheit.

Patrick Bernau Folgen:

Der Chef fliegt privat. Rund 700.000 Dollar hat Facebook im vergangenen Jahr für die Privatflüge von Mark Zuckerberg und seinen Freunden ausgegeben. Zuckerberg müsse auch auf privaten Reisen im Charterflugzeug fliegen, schreibt Facebook, weil der Chef angesichts der öffentlichen Wirkung seiner Firma sehr gefährdet sei. Familienmitglieder und Freunde darf er mitnehmen, auch dafür zahlt Facebook. Die Ausgaben für die Flüge waren im vergangenen Jahr fast so hoch wie sein Gehalt von 704.000 Dollar.

Ein Dollar Gehalt für Zuckerberg. So ein hohes Gehalt wie im vergangenen Jahr will Mark Zuckerberg bald nicht mehr bekommen. Von nächstem Jahr an reiht er sich unter den Firmenchefs ein, die nur einen Dollar im Jahr bekommen - so, wie es Apple-Chef Steve Jobs tat und wie es auch bei den Google-Chefs Tradition ist. Arm wird Zuckerberg davon nicht, seine Aktien dürften nach dem Börsengang rund 28 Milliarden Dollar wert sein.

Teurer als Google. Facebook stellt zwar nichts Greifbares her, hat aber mit seiner Internetseite im vergangenen Jahr schon 3,7 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Und weil Facebook, wie andere Internetfirmen auch, recht geringe Kosten hat, bleibt eine Milliarde an Gewinn übrig. Rechtfertigt das einen aktuellen Firmenwert von 100 Milliarden Dollar? Nicht unbedingt. Als Google an die Börse kam, war sein Firmenwert im Verhältnis zum Gewinn deutlich niedriger - dabei war das Unternehmen noch jünger und hatte mutmaßlich noch mehr Wachstum vor sich.

Kopie von Facebook Die Risikoliste im Börsenprospekt von Facebook ist 21 Seiten lang © dapd Bilderstrecke 

Facebook hat eine eigene Währung. Zwar verdient Facebook im Moment satte 85 Prozent seines Umsatzes mit den Anzeigen, die auf seiner Seite zu sehen sind. Doch es gibt noch eine zweite Geldquelle, die immer wichtiger wird: Facebook hat seine eigene Währung, mit der die Nutzer in Spielen für kleine Vorteile zahlen können. Diese Währung hat im vergangenen Jahr schon Hunderte von Millionen Dollar gebracht.

Politiker schüchtern Facebook ein. Wenn sich in Deutschland die Politiker über den Datenschutz von Facebook aufregen und Verbraucherministerin Aigner ihr Konto dicht macht, dann kratzt das den internationalen Milliardenkonzern Facebook wenig: So scheint es immer. Doch die Meinung der Politiker ist Facebook wichtig genug, um sie in den Risikobericht aufzunehmen: „Gesetzgebern und Regulierern liegen einige Vorschläge vor, die unserem Geschäft ernsthaften Schaden zufügen könnten.“ Facebook vergisst nicht mal die Medien. Risiko Nummer eins sei „unvorteilhafte Medienberichterstattung“.

Spiele beflügeln den Umsatz. Ohne Spiele geht es nicht auf Facebook. Allein die Daddeleien der Onlinespiele-Firma Zynga, die selbst dank Facebook groß geworden ist, sorgen inzwischen für rund zwölf Prozent des Facebook-Umsatzes. Und es gibt noch andere Spielefirmen auf der Seite.

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Deutschland ist klein. Wer hätte gedacht, dass Deutschland für einen Weltkonzern noch ein Wachstumsmarkt sein könnte? Für Facebook schon. Die Deutschen sind so spät auf den Geschmack gekommen, dass nach Facebooks eigenen Schätzungen höchstens 30 Prozent der Internetnutzer auf Facebook aktiv sind. Da ist noch viel Luft nach oben bis zu den 80 Prozent, die Facebook in Chile, der Türkei und Venezuela erreicht.

Marks beste Freunde. Wer vertraut Mark Zuckerberg am meisten? Viele frühe Investoren haben die Stimmrechte für ihre Aktien an Zuckerberg übertragen. Dazu gehören der Silicon-Valley-Finanzier Peter Thiel, Mitgründer Dustin Moskovitz, Napster-Gründer Sean Parker, Zuckerbergs guter Freund und frühere Mitarbeiter Matt Cohler - aber auch der Schweizer Investor Klaus Hommels.

Sheryl Sandberg ist noch wichtiger als gedacht. Die Nummer zwei bei Facebook ist Sheryl Sandberg, ehemalige Stabsschefin des amerikanischen Finanzministers Larry Summers. Dass sie für Facebook wichtig war, war vorher bekannt - dass Facebook selbst ihr Ausscheiden für eines der größten möglichen Risiken hält, ist eine Überraschung.

Reiche Programmierer. Solche Probleme hätten andere Firmen gerne: „Einige unserer Mitarbeiter besitzen Anteile an unserer Firma, die ihnen ein nennenswertes Vermögen bringen. Deshalb kann es für uns schwierig werden, diese Mitarbeiter zu halten und weiterhin zu motivieren“, schreibt Facebook - völlig zu Recht. Schon Google hat nach seinem Börsengang aus dem gleichen Grund viele gute Mitarbeiter verloren.

Viel Geld in der Kasse. Noch bevor der Börsengang Geld in Facebooks Kassen spült, hat die Firma rund vier Milliarden Dollar flüssig. Das hätte selbst zu Schleckers besten Zeiten gereicht, die ganze Drogeriekette auf einmal zu kaufen.

Die Werbung läuft schlecht. Facebooks 845 Millionen Mitglieder bringen der Firma durchschnittlich nicht mal vier Dollar Werbeumsatz im Jahr. Das hatte die Firma 2006 besser im Griff, wie der Prospekt beweist. Auch andere Daten weisen darauf hin, dass Anzeigen auf Facebook nicht besonders gut funktionieren, obwohl die Firma so viel über Alter, Wohnort und Vorlieben ihrer Nutzer weiß. Trotz allem klickten auf jede Anzeige nur fünf von 10000 Mitgliedern, weiß die Agentur Spruce Media. Nachrichtenseiten schaffen den doppelten Wert.

Quelle: F.A.S.

 
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