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Der Börsengang : Facebook geht beim Börsenstart die Puste aus

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg läutet die Eröffnungsglocke der Technikbörse Nasdaq - von der Zentrale in Kalifornien aus. Bild: dpa

Das Internetunternehmen bewegt sich am ersten Tag seiner Aktiennotierung an der Technologiebörse Nasdaq kaum von seinem Ausgabepreis weg. Trotzdem bricht es Rekorde. Und Firmengründer Mark Zuckerberg wird Multimilliardär - viele Mitaktionäre ebenfalls. U2-Sänger Bono wird mit seinen Facebook-Aktien mehr Geld verdienen als mit seiner Musikkarriere.

          Das amerikanische Internetunternehmen Facebook hat bei seinem Börsengang am Freitag nicht das von manchen erwartete Kursfeuerwerk geschafft, aber trotzdem Rekorde gebrochen. Facebook schaffte zwar zum Handelsstart gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar ein Kursplus von 11 Prozent auf 42,05 Dollar. Bis zum Handelsschluss fiel der Kurs aber fast wieder auf den Ausgangswert und notierte bei 38,23 Dollar. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 105 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Börsengang hatte sich um rund 30 Minuten verzögert. Möglicherweise war das Computersystem mit dem Andrang überfordert - Händler meldeten Probleme mit Änderung und Stornierung von Aufträgen.

          Kein amerikanisches Unternehmen wurde zum Zeitpunkt seines Börsengangs auch nur annähernd so hoch bewertet. Bisheriger Spitzenreiter war der Paketdienst UPS, der bei seinem Börsendebüt 1999 auf 60 Milliarden Dollar kam. Facebook lässt mit seinem Börsenwert Unternehmen wie McDonald‘s, Walt Disney oder Cisco Systems hinter sich.

          Der Börsengang bringt 16 Milliarden Dollar

          Mitgründer und Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg läutete von der kalifornischen Facebook-Zentrale in Menlo Park aus am Freitag morgen die Eröffnungsglocke der Technologiebörse Nasdaq. Das Unternehmen hat zunächst 421,2 Millionen Aktien an die Börse gebracht, beim Preis von 38 Dollar entspricht dies einem Emissionserlös von rund 16,0 Milliarden Dollar. Dazu könnte noch eine Mehrzuteilungsoption von 63,2 Millionen Aktien kommen, bei deren Ausübung der Erlös auf 18,4 Milliarden Dollar steigen würde. Gemessen daran könnte Facebook zur zweitgrößten amerikanischen Emission aller Zeiten werden. Spitzenreiter ist nach Angaben des Analyseinstituts Dealogic das Kreditkartenunternehmen Visa, das 2008 nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption auf 19,7 Milliarden Dollar kam. Das Wall-Street-Debüt von Facebook hat auch den Börsengang des Wettbewerbers Google im Jahr 2004 weit in den Schatten gestellt. Google nahm damals 1,9 Milliarden Dollar ein und wurde zum Start mit 23 Milliarden Dollar bewertet. Heute liegt die Marktkapitalisierung von Google bei knapp 203 Milliarden Dollar, knapp zwei Mal so viel wie der Facebook-Börsenwert zum Ausgabepreis. Die Umsätze und Gewinne von Google sind dagegen zehn Mal so hoch wie bei Facebook.

          Facebook hatte im Vorfeld des Börsengangs seine Preisspanne angehoben. Zunächst peilte das Unternehmen 28 bis 35 Dollar an, vor wenigen Tagen wurde die Spanne auf 34 bis 38 Dollar korrigiert. Trotz der großen Nachfrage gab es in den vergangenen Tagen aber auch eine Reihe von Kritikern, die Zweifel am Geschäftsmodell des Unternehmens äußerten. Das Unternehmen macht den größten Teil seiner Umsätze mit Werbung auf seiner Seite. Als einer der großen Schwachpunkte gilt es, dass Facebook bislang kaum Einnahmen auf mobilen Geräten wie internetfähigen Handys (Smartphones) und Tabletcomputern erzielt. Ein Dämpfer kam in dieser Woche auch vom Autohersteller GM, der ankündigte, seine Werbekampagne bei Facebook einzustellen, weil sie nicht effektiv genug sei.

          Aktiengewinn zum Bezahlen von Steuern

          Der Börsengang macht Mark Zuckerberg, der Facebook im Jahr 2004 zusammen mit Kommilitonen in seinem Studentenwohnheim in Harvard gegründet hat, zum Multimilliardär. Zuckerberg hielt bislang 533,8 Millionen Aktien, im Rahmen des Börsengangs hat er 30,2 Millionen Aktien für 1,1 Milliarden Dollar verkauft. Das Geld will er laut Börsenprospekt vor allem für das Bezahlen von Steuern verwenden, die wegen der Ausübung von Aktienoptionen bei ihm anfallen. Sein verbleibender Anteil hat beim Kurs von 38 Dollar einen Wert von 19,1 Milliarden Dollar.

          Unterdessen tauchte am Tag des Börsengangs auch noch eine weitere juristische Bedrohung für Facebook auf. So wurde in einem kalifornischen Gericht eine Sammelklage eingereicht, die wegen Datenschutzverletzungen 15 Milliarden Dollar Schadenersatz für Facebook-Nutzer fordert. In der Klage wird dem Unternehmen vorgeworfen, Daten über die Internetnutzung seiner Mitglieder zu sammeln, auch nachdem sie sich von der Facebook-Seite abgemeldet haben.


          Der amerikanische Fernsehsender CNBC meldet, U2-Sänger Bono werde mit seinen Facebook-Aktien mehr Geld verdienen als mit seiner gesamten Musiker-Karriere. Auf seiner Webseite zeigt er ständig aktualisiert die Buchvermögen der Facebook-Aktionäre - abhängig vom aktuellen Kurs.

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