http://www.faz.net/-gqm-83u41

Datenschutz-Experiment : Student verfolgt Bekannte über Facebook

  • Aktualisiert am

Wer es schafft, Daten aus Facebook geschickt zu aggregieren, kann viel über Personen herausfinden. Bild: dpa

Ein Harvard-Student hat ein gruseliges Datenschutz-Experiment gemacht und versucht, mit Hilfe des Facebook-Messengers seine Freunde zu stalken: Wo ist ihr Zimmer auf dem Campus? Wie ist ihr Stundenplan? Die Antworten waren erschreckend einfach zu finden.

          Ein Informatikstudent aus Harvard hat Bedenkliches über den Facebook Messenger herausgefunden. Die App zum Schreiben von persönlichen Mitteilungen an Freunde lässt sich erschreckend einfach dafür missbrauchen, pikante Daten über Personen zu gewinnen. Der Student, der nach eigener Aussage demnächst ein Praktikum bei Facebook absolvieren wird, nutzte Informationen über den Aufenthaltsort der Nachrichtenschreiber und konnte damit etwa herausfinden, in welchem Zimmer auf dem Uni-Campus bestimmte Kommilitonen wohnten oder was ihre ungefähren Stundenpläne waren - ohne die Personen näher zu kennen.

          Woran das liegt: Die meisten Nutzer schicken (unwissentlich) Daten über ihren derzeitigen Aufenthaltsort mit jeder Nachricht mit. Gelingt es, diese Daten zu aggregieren, ergeben sich Informationen über regelmäßige Aufenthaltsorte zu bestimmten Zeiten. Der Harvard-Student erstellte in seinem Experiment regelrechte Karten, auf denen er die täglichen Wege seiner Facebook-Freunde nachverfolgte. Und nicht nur das: Es gelang ihm, selbst über völlig unbekannte Personen solcherlei Daten zu generieren - ohne mit ihnen befreundet zu sein. Es reichte bereits aus, mit diesen unbekannten Menschen über die Messenger-App zu kommunizieren (in seinem Beispiel handelte es sich um eine Gruppe, die sich zum Pokerspielen verabredete). „Leicht gruselig“ findet der Informatikstudent selbst die Ergebnisse seines kleinen Datenexperiments, wie er in einem Artikel schreibt.

          Natürlich ist niemand gezwungen, Daten über seinen Aufenthaltsort über den Facebook-Messenger mitzuschicken. Doch seien sich die meisten Nutzer gar nicht darüber bewusst, dass jede einzelnen Nachricht zunächst einmal diese Information enthält - es sei denn, man schaltet sie ab. „Es ist so leicht, das zu vergessen“, schreibt der Informatikstudent. „Schließlich wirkt es so harmlos, einer einzelnen Nachricht einen Ort hinzuzufügen. Doch das Problem ist, dass, über die Zeit betrachtet, sich diese Informationen zu einem großen Ganzen ergänzen.“

          Der Facebook-Messenger erlaubt es seinen Nutzern, das automatische Mitschicken von Orts-Informationen auszuschalten. Dafür gibt es im Internet einfache und detaillierte Anleitungen.

          Wien : Datenschützer wollen gegen Facebook klagen

          Quelle: nab./FAZ.NET

          Weitere Themen

          Verfolgt von WhatsApp

          Beliebter Messenger : Verfolgt von WhatsApp

          Bislang kann man mit WhatsApp seinen aktuellen Standort verschicken. Jetzt führt der Messenger eine neue Funktion ein, mit der man seinen Freunden noch dichter auf den Fersen sein kann.

          China, Reich der Ideen

          Eigene Innovationen : China, Reich der Ideen

          Bisher haben die Chinesen nur kopiert. Jetzt versuchen sie es mit eigenen Innovationen. Könnte die Weltwirtschaft bald aus dem Reich der Mitte heraus regiert werden?

          Großbrand in 5-Sterne-Hotel Video-Seite öffnen

          Burma : Großbrand in 5-Sterne-Hotel

          Im Süden Burmas stand ein 5-Sterne-Hotel in Flammen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens zwei Personen verletzt, die Brandursache sei noch nicht bekannt.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Forcadell: Europa kann nicht mehr wegsehen!

          Die Präsidentin des katalanischen Parlaments kritisiert die Untätigkeit der EU im Katalonien-Konflikt. Diese ignoriere eine „offensichtliche Verletzung von Grundrechten in einem ihrer Mitgliedstaaten“, schreibt Carme Forcadell in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. In Spanien gebe es wieder politische Gefangene.
          Am 20. März 2012 herrschten an der Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse Trauer und Fassungslosigkeit. An diesem Tag wurden die Leichen von drei Schülerinnen und eines Lehrers überführt, die der Islamist Mohamed Merah mit Kopfschüssen ermordet hatte. Ihre letzte Ruhe fanden die Opfer in Israel. In Frankreich scheint das vergessen.

          Judenhass in Frankreich : Die Täter machen es wie die Nazis

          Verbrechen an Juden werden totgeschwiegen – und in der Banlieue grassiert der islamische Antisemitismus: Die feministische Philosophin Elisabeth Badinter klagt Frankreichs Medien und Politik an.
          Turbinenherstellung von Siemens in Berlin.

          F.A.Z. exklusiv : Siemens schließt Standorte in größter Konzernsparte

          Die Nachfrage nach Kraftwerken ist wegen der Energiewende fast um die Hälfte gesunken. Siemens hat dafür zu viele Werke und muss mit drastischen Maßnahmen reagieren. Tausende Stellen sind betroffen.

          Streit bei den Republikanern : Bannons Krieg gegen die eigene Partei

          Trumps ehemaliger Chefstratege Bannon nimmt dessen Versprechen, in Washington „den Sumpf trockenzulegen“, ernst. Dafür will er moderate Republikaner aus dem Kongress werfen und durch Ultrarechte ersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.