http://www.faz.net/-gqm-6zxxn

Das Personal : David Ebersman ist der Architekt des Börsengangs

Sein dunkler Anzug ist auch ein Kontrastprogramm zu Mark Zuckerberg: Facebook-Finanzchef David Ebersman (Mitte) Bild: Bloomberg

Bei Auftritten seiner Band steht David Ebersman unauffällig im Hintergrund und zupft versunken an seiner Bassgitarre. Doch in diesen Tagen steht der Finanzchef von Facebook im Rampenlicht: Er ist der Architekt für das Wall-Street-Debüt des Jahres.

          In David Ebersman steckt ein Rocker. Der 42 Jahre alte Finanzvorstand von Facebook spielt in seiner Freizeit Bassgitarre. Er ist Mitglied von „Feedbomb“, einer Coverband mit gegenwärtigen und früheren Facebook-Mitarbeitern, zu der auch Randi Zuckerberg gehört, die Schwester von Vorstandschef Mark Zuckerberg. Vorher hat er in einer Band namens „Bottoms Up“ gespielt, und von einem seiner Auftritte lässt sich online noch ein Videomitschnitt finden. Dabei zeigt sich Ebersman eher als unauffälliges Bandmitglied und zupft im Hintergrund versunken an seiner Bassgitarre, während der Sänger furchtbar schräge Versionen von Klassikern wie „Smells like teen spirit“ oder „Sweet child o’ mine“ brüllt. Der Facebook-Manager sieht sein Hobby offenbar als wichtiges Element seines Images. Als Titelfoto für seine Facebook-Seite hat er ein Bild von sich bei einem Bandauftritt gewählt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In diesen Tagen bleibt ihm zum Bassspielen wohl nicht allzu viel Zeit. Trotzdem steht er im Rampenlicht wie noch nie in seinem Leben. Als Finanzvorstand ist er der Architekt für den Börsengang von Facebook, das Wall-Street-Debüt des Jahres. Er spielte erst eine zentrale Rolle hinter den Kulissen, zum Beispiel, als es darum ging, die Konsortialbanken zu bestimmen, die Technologiebörse Nasdaq als Ort der Notierung auszuwählen oder der Bilanzierung von Facebook den für ein börsennotiertes Unternehmen nötigen Schliff zu geben.

          Präsenter als Zuckerberg

          In der jetzigen Endphase vor dem Börsengang, in der Investoren für Facebook begeistert werden sollen, spielt Ebersman nun eine zunehmend öffentliche Rolle - neben Zuckerberg und Sheryl Sandberg, die als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft bei Facebook führt. Auf der Roadshow durch amerikanische Städte stellte er sich in der vergangenen Woche den Fragen der Finanzgemeinde und war dabei präsenter als Zuckerberg, der sich nur auf der ersten Veranstaltung in New York öffentlich blicken ließ.

          Auch in dem von Facebook veröffentlichten dreißigminütigen Video zum Börsengang bestreitet Ebersman weite Strecken. „Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, eine Investition in Facebook in Erwägung zu ziehen“, sagt Ebersman zu Beginn des Clips, um danach auszuführen, wie viel Wachstumspotential noch in Facebook steckt. Etwa in Deutschland, wo nur zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung auf der Seite registriert seien und damit viel weniger als in anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien.

          In komfortabler Position

          Beim Börsengang von Facebook ist Ebersman in einer komfortablen und umschwärmten Position. Investmentbanken haben sich darum gerissen, eine Rolle spielen zu dürfen, auch wenn Facebook ihnen wohl nur einen vergleichsweise geringen prozentualen Anteil am Emissionserlös als Gebühren zahlen wird. Das „Wall Street Journal“ schrieb vor einiger Zeit, Ebersman habe hart mit den Bankern verhandelt und ihnen zu verstehen gegeben, er wisse selbst nicht so genau, wozu er sie eigentlich brauche. Er ist sich aber andererseits auch nicht zu schade, sich auf die Spielregeln der Wall Street einzulassen. Während eines Treffens mit Bankern und Investoren in New York zeigte er sich wie aus dem Ei gepellt mit dunklem Anzug; ein Kontrastprogramm zu Mark Zuckerberg in seiner Standardkluft mit Kapuzenshirt.

          Ebersman kennt sich in der Finanzszene gut aus: Nach einem Studium der Volkswirtschaft und Internationalen Beziehungen an der Brown University in Rhode Island arbeitete er als Analyst in der Investmentbank Oppenheimer. Den größten Teil seines Berufslebens verbrachte er aber im kalifornischen Biotechnologieunternehmen Genentech. Hier stieg er 1994 ein und arbeitete sich bis zum Finanzvorstand hoch. Er verließ das Unternehmen 2009 nach dessen Übernahme durch den Schweizer Pharmakonzern Roche. Kurze Zeit später heuerte Ebersman bei Facebook an.

          In den Vorbereitungen zum Börsengang hat Ebersman bislang eine gute Figur gemacht. Seit dem Einreichen des ersten Börsenprospekts Anfang Februar gab es keine größeren Dramen, anders als etwa bei anderen Börsenneulingen aus der jüngeren Zeit wie Groupon oder Zynga, die in der Aufsichtsbehörde SEC mit ihrer Bilanzierung für Irritation sorgten.

          Ebersman hat im vergangenen Jahr von Facebook ein Grundgehalt von knapp 300 000 Dollar und einen Barbonus von 170 000 Dollar bekommen, genauso viel wie Sheryl Sandberg. Vor allem aber hat er ein umfangreiches Paket von Facebook-Aktien: Laut Börsenprospekt hält er 2,4 Millionen Aktien, dazu kommen Bezugsrechte für 7,5 Millionen weitere Papiere, die er im Laufe der nächsten Jahre ausüben kann. Das Gesamtpaket hat bei dem am Donnerstag festgelegten Ausgabepreis von 38 Dollar damit einen Wert von 375 Millionen Dollar.

          Weitere Themen

          Ein Clash der Systeme

          Amerika gegen China : Ein Clash der Systeme

          Beim Apec-Gipfel auf Papua-Neuguinea machen sich Amerika und China heftige Vorwürfe – und präsentieren ihre konkurrierenden Entwürfe für eine Weltordnung. Beide Länder stehen jedoch vor dem gleichen Problem.

          Topmeldungen

          Amerika gegen China : Ein Clash der Systeme

          Beim Apec-Gipfel auf Papua-Neuguinea machen sich Amerika und China heftige Vorwürfe – und präsentieren ihre konkurrierenden Entwürfe für eine Weltordnung. Beide Länder stehen jedoch vor dem gleichen Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.