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Börsengang Facebook wird auf 100 Milliarden Dollar taxiert

 ·  Der Facebook-Börsengang könnte im Frühjahr stattfinden. Da passen Zweifel an der „Wachstumsstory“ nicht ins Konzept. Tatsächlich scheinen einige Industrieländer gesättigt zu sein. Aber in Deutschland geht das Wachstum weiter.

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Die Bewertungen für das soziale Netzwerk Facebook steigen vor einem möglichen Börsengang immer höher. Nach einem Bericht des Wirtschaftssenders CNBC könnte der Börsengang im ersten Quartal des kommenden Jahres stattfinden, der Marktwert von Facebook könnte dann bei mehr als 100 Milliarden Dollar liegen.

Das würde die gegenwärtigen Marktkapitalisierungen von Technologie-Schwergewichten wie Hewlett-Packard, Cisco Systems oder Amazon.com übertreffen. Bei einer von der Bank Goldman Sachs geführten Privatplatzierung im Januar dieses Jahres war Facebook noch mit 50 Milliarden Dollar bewertet worden. Auf außerbörslichen Handelsplattformen wie Secondmarket und Sharespost sind seither noch höhere Bewertungen von 80 Milliarden Dollar und mehr angesetzt worden.

Der Facebook-Gründer und -Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg hat in den vergangenen Jahren oft durchblicken lassen, dass er nur widerwillig an die Börse geht. Allerdings wird Facebook wohl noch in diesem Jahr die Schwelle von 500 Aktionären überschreiten. Dies wird das soziale Netzwerk dazu zwingen, seine Finanzergebnisse zu veröffentlichen. Bisher ist bekannt geworden, dass Facebook im vergangenen Jahr rund 2 Milliarden Dollar Umsatz und dabei 600 Millionen Dollar Gewinn erzielt hat. Damit würde Facebook mit weniger Umsatz einen höheren Gewinn als die Suchmaschine Google bei ihrem Börsengang im Jahr 2004 erzielen.

Facebook peilt Börsenrekord an

„Mehr als 50 Prozent loggen sich jeden Tag ein“

Die voraussichtliche Börsennotierung wird für Facebook den Vorteil bringen, dass die eigenen Mitarbeiter ihre Aktien leichter als bisher verkaufen können. Die bei Facebook für das Tagesgeschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg hat vor wenigen Wochen einen Börsengang als „unausweichlich“ bezeichnet. In der Branche wird schon seit einiger Zeit erwartet, dass Facebook seinen Börsenprospekt noch bis Ende dieses Jahres bei der Aufsichtsbehörde SEC einreicht und der Börsengang einige Monate später über die Bühne geht.

Allerdings steht Facebook unter Druck, die „Wachstumsstory“ aufrechtzuhalten, die das Unternehmen für seinen Börsengang braucht. Das Blog „Inside Facebook“ hat am vergangenen Wochenende berichtet, Facebook habe in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada im vergangenen Monat Nutzer verloren und damit Zweifel an dieser „Wachstumsstory“ geweckt.

Normalerweise reagiert Facebook auf solche Meldungen nicht, sieht sich nun aber zu einer Reaktion gezwungen. „Geschichten dieser Art nutzen Daten, die aus unserem Werbeplaner stammen. Sie zeigen aber nur eine Schätzung der Reichweite der Facebook-Werbung und sind nicht dafür gemacht, das Wachstum von Facebook zu messen“, teilte das weltgrößte soziale Netzwerk mit. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem Wachstum und dem Engagement der Nutzer“, heißt es weiter. „Mehr als 50 Prozent unserer aktiven Nutzer loggen sich jeden Tag auf Facebook ein.“

„Facebook wächst in allen Ländern“

Tatsächlich zeigen Marktforschungsdaten, dass Facebook in aller Welt weiter schnell wächst. „Facebook wächst in allen Ländern“, heißt es zum Beispiel beim renommierten Marktforscher Comscore. Rund 700 Millionen Menschen nutzen inzwischen das soziale Netzwerk. Allerdings hat sich der Wachstumsschwerpunkt aus Industrieländern wie den Vereinigten Staaten und Großbritannien in die Schwellenländer verlagert.

Die höchsten Zuwächse erzielt das Netzwerk nun in Ländern wie Brasilien (plus 134 Prozent in sechs Monaten), Ägypten (plus 65 Prozent) und Indien (plus 60 Prozent), wie die Internetseite Socialbakers.com gemessen hat. Diese Messungen basieren allerdings auch auf dem Facebook-Werbeplaner, der den tatsächlichen Zahlen meist etwas hinterherläuft. Facebook selbst gibt nur sporadisch Nutzerzahlen bekannt, zum Beispiel jüngst die Zahl von 20 Millionen für Deutschland.

In einigen englischsprachigen Industrieländern zeigt sich jedoch eine gewisse Sättigung. In den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada, Australien oder Hongkong nutzt inzwischen etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung das soziale Netzwerk. Dieser Wert von 50 Prozent scheint zurzeit eine Art Sättigungsgrenze für Facebook zu sein. Die monatlichen Zuwächse sind dort nur noch sehr gering, in manchen Monaten geht die Zahl der aktiven Nutzer auch schon mal zurück. In Norwegen, Hongkong oder Kanada ist die Facebook-Nutzung zuletzt wieder gefallen, nachdem sie sich dem Wert von 50 Prozent genähert hat.

Deutschland ist von dieser Sättigungsgrenze aber noch weit entfernt. Da Facebook hierzulande erst vergleichsweise spät gewachsen ist, beträgt die Nutzerquote erst rund 23 Prozent. Deutschland gehört nun zu den am schnellsten wachsenden Facebook-Ländern: Seit dem vergangenen September hat sich die Zahl der Nutzer von 10 auf 20 Millionen verdoppelt. Rund 10 Millionen deutsche Nutzer sind täglich auf Facebook unterwegs, sie verbringen dort mehr als 11 Prozent ihrer gesamten Online-Zeit. Nur noch Google weist eine ähnliche Größe im deutschen Internet auf.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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