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Der Cartoon-Schlepper aus Hollywood

16.04.2003 ·  Seine erste Schlacht gewann er im Kinderzimmer: Haim Saban, der Mann, der Kirchs Erbe antreten will, fing mit den Power Rangers an

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In der gerade veröffentlichten "Forbes-Liste" der reichsten Personen der Welt steht Haim Saban an zweihundertsechsunddreißigster Stelle. Das ist nicht schlecht für jemanden, dem das Epitheton Selfmademan bei jeder Gelegenheit ans Porträt geheftet wird. Doch weitaus besser wird ihm das gefallen haben: Während etliche Global Player im vergangenen Jahr durch fallende Aktienpreise empfindliche Vermögenseinbußen, gar auch den Verlust ihres Chefsessels hinnehmen mußten, hat der amerikanische Milliardär Haim Saban sich seit dem Vorjahr um zweiundzwanzig Plätze verbessert. Die Richtung stimmt: nach oben.

Und sollte der israelisch-amerikanische Medienmogul, dem Disney im vergangenen Jahr für seinen Anteil an Fox Family Worldwide einen Scheck über anderthalb Milliarden Dollar cash ausgestellt hat, jetzt tatsächlich nach einem monatelangen Nervenkrieg den Zuschlag im scheinbar nicht enden wollenden Verhandlungsmarathon um das Kirch-Erbe bekommen, wofür allerhand spricht, nachdem Sabans letzter Konkurrent, der Hamburger Verleger Heinz Bauer, gestern vormittag seinen Rückzug aus dem Bieterwettstreit bekanntgab, dann wäre dies für Haim Saban der erste weitere Schritt in die richtige Richtung.

Daß seine Kirch-Media-Offerte anfangs nicht sonderlich ernst genommen wurde, wird ihn dabei nicht weiter irritiert, sondern höchstens an seinen ersten großen Deal erinnert haben. Ende der siebziger Jahre war der bis dahin wechselhaft erfolgreiche Musikpromoter und Cartoon-Soundtrackhändler nach Lebensstationen in Ägypten, Israel und Paris nach Los Angeles gezogen, hatte im San Fernando Valley seine Firma gegründet und putzte in Hollywood Klinken. Margaret Loesch, damals Präsidentin und Chief Executive beim Fox Kids Network, erinnert sich gut an das allererste Treffen in Sabans Büro, zu dem neben Lunch ein "schrecklicher" (Loesch) japanischer Zeichentrickfilm nach dem anderen gereicht wurde.

Ein Dutzend Kassetten später hatte die Fernsehfrau genug und wollte das Treffen beenden. Ihr Verhandlungspartner überlegte kurz, rannte aus dem Büro und kam nach kurzer Zeit mit neuem Material zurück. "Darling, du willst etwas ganz Eigenwilliges, du willst etwas völlig anderes: Hier ist es", besserte er sein Angebot nach. Was Loesch sah, überzeugte sie sofort. Sie kaufte die Mighty Morphin Power Rangers gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Der Rest ist Geschichte. Die Power Rangers, über deren pädagogischen Wert man nach wie vor trefflich streiten kann, wurden zum gigantischen Erfolg und verhalfen Haim Saban zu seinen ersten Millionen. Noch heute nennt sich der Milliardär selbst gerne "Cartoon-Schlepper". Die Tiefstapelei sollte alle warnen, die seinen Geschäftssinn unterschätzen.

HEIKE HUPERTZ

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