In dem Maße, wie das Informationszeitalter für eine wachsende Zahl von Menschen Realität wird, werden auch die Technologien, von denen es getragen wird, ausgefeilter und hilfreicher. Sie bieten eine Fülle von Möglichkeiten: Für den Einzelnen und seine Fähigkeit, zu kommunizieren und zu kreieren, zu sprechen und gehört zu werden, ist es ein Quantensprung. Für Volkswirtschaften bedeutet es beschleunigtes Wachstum und Innovation.
Doch gleichzeitig vermitteln diese technologischen Fortschritte manchmal das Gefühl, als lebten wir in einem digitalen Goldfischglas. Unsere Kreditkarten zeichnen auf, wo und was wir einkaufen. Mobiltelefone machen unsere Bewegungen nachvollziehbar. E-Mails hinterlassen eine Spur, mit wem wir „sprechen“ und was wir sagen. Die neuesten Internettrends - Blogs, Social Networks und Videotauschbörsen - ermöglichen es, dass man praktisch alles - Fotos, private Videos, die intimsten Gedanken - mit praktisch jedem austauschen kann.
Selbstregulierung besser als Gesetze
Aus diesem Grund halten wir bei Google es für wichtig, dass neue Datenschutzregeln für die immer transparentere Welt entwickelt werden - und mit neuen Regeln meine ich nicht automatisch auch gleich neue Gesetze. Meiner Meinung nach funktionieren Selbstregulierungsmechanismen oft besser als Gesetze - gerade auf stark umkämpften Märkten, auf denen man einfach den Anbieter wechseln kann.
Die Internetsuche ist hier ein gutes Beispiel. Suchmaschinen wie Google haben traditionell die Anfragen ihrer Benutzer unbegrenzt gespeichert - die Daten helfen uns, unsere Leistungen zu verbessern und Betrug zu verhindern. Sie enthalten die jeweilige Suchanfrage, den Zeitpunkt der Eingabe sowie die Internet-Protokoll-Adresse (IP) und den Cookie des jeweiligen Computers. Bei der IP-Adresse handelt es sich um die Nummer, die (teils dauerhaft, teils temporär) einem Computer zugeordnet ist - sie sorgt dafür, dass die passenden Suchergebnisse auf dem richtigen Bildschirm erscheinen. Und ein Cookie ist eine kleine Datei, die unter anderem die Präferenzen der Benutzer aufzeichnet, so dass sie zum Beispiel die Spracheinstellungen für die Ausgabe von Suchergebnissen nicht ständig neu in ihren Computer eingeben müssen.
Google löscht Teile der IP-Adresse
Durch keine dieser Informationen werden Personen identifiziert. Sie sagen uns nicht, wer ein einzelner Nutzer tatsächlich ist oder wo er lebt. Dennoch sind diese Informationen bis zu einem gewissen Grad persönlicher Natur, weil sie die Suchanfragen von Personen aufzeichnen. Aus diesem Grund hat Google beschlossen, Teile der IP-Adresse und den Cookie nach achtzehn Monaten zu löschen - und damit die Verbindung zwischen den Suchanfragen und dem Computer, auf dem die Anfragen getätigt wurden, zu kappen.
Dies ist dem Verfahren von Kreditkartenunternehmen nicht unähnlich, welche auf Rechnungen Teile der Kreditkartennummern durch Sternchen ersetzen und somit die Sicherheit der Kundendaten erhöhen. Unser Schritt hat eine positive Dynamik ausgelöst, denn andere Suchmaschinen sind bald darauf unserem Beispiel gefolgt. Dies belegt, dass in unserer Branche schon längst nicht nur um die besten Services, sondern ebenso um die besten Datenschutzpraktiken gerungen wird. Dies halte ich für ein hervorragendes Beispiel für Selbstregulierung.
Regulierungsstellen der EU zu komplex
Natürlich bedeutet das nicht, dass Datenschutzgesetze keine Funktion beim Setzen von Mindeststandards erfüllen. Das tun sie. Momentan haben die meisten Länder überhaupt keine Datenschutzgesetze. Und dort wo Gesetze existieren, handelt es sich in der Regel um einen „Mischmasch“ aus verschiedenen Systemen. In den Vereinigten Staaten beispielsweise liegt der Datenschutz weitgehend in der Zuständigkeit der einzelnen Bundesstaaten - mit anderen Worten, es gibt für ein Problem fünfzig verschiedene Ansätze. Die Europäische Union dagegen hat gemeinsame Standards entwickelt, aber manchen Regulierungsstellen sind diese oftmals zu komplex und zu unflexibel.
In jedem Falle sind Datenschutzbestimmungen eines Landes - ungeachtet dessen, wie gut durchdacht sie sind - heutzutage von begrenztem Nutzen, da sich persönliche Daten in nur wenigen Sekunden mehrmals um die Welt bewegen können. Man nehme eine ganz gewöhnliche Kreditkartentransaktion - daran können sechs oder mehr Länder beteiligt sein, wenn man den Standort des Kundenservice und der Datenzentren einbezieht.
Entwicklung von globalen Standards wird nicht
Aus diesen Gründen fordert Google heute einen neuen, besser koordinierten Ansatz beim Datenschutz durch die internationale Gemeinschaft. Einheitliche globale Datenschutzstandards, die auf Transparenz und Wahlfreiheit basieren und damit den Anwendern eine bessere Entscheidungsgrundlage für die von ihnen gewählten Services ermöglichen, würden deutliche Vorteile herbeiführen. Zum einen hätten die Verbraucher dadurch mehr Vertrauen in den Schutz der Daten, wo immer sie gespeichert werden. Zum anderen hätten damit Unternehmen ein weitaus höheres Maß an Planungssicherheit, was der Steigerung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten und Innovationsfreude nur zuträglich sein kann.
Die Entwicklung von globalen Datenschutzstandards wird nicht einfach sein - aber es ist auch kein gänzlich neues Feld. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat bereits 1980 ihre eigenen Richtlinien dazu ausgearbeitet. In jüngerer Zeit haben sich die Vereinten Nationen, das Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsforum und die Internationale Konferenz der Datenschutzbeauftragten für die Notwendigkeit gemeinsamer Datenschutzgrundsätze ausgesprochen.
Atemberaubende Geschwindigkeit der digitalen Revolution
Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der digitalen Revolution sind so atemberaubend, dass man sich nur schwer an die Zeit erinnern kann, in der wir nicht vierundzwanzig Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche kommunizieren und auch wirtschaftlich aktiv sein konnten. Und die Vorteile in Form von verbessertem Zugang zu Informationen, höheren Freiheitsgraden und größerem Wirtschaftswachstum sind derart offensichtlich, dass sich kaum jemand nach ebensolchen Zeiten zurücksehnen wird.
Die Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen, sind zweifacher Natur: Einerseits gilt es, das Vertrauen der Konsumenten zu stärken, indem wir Missbrauch verhindern. Andererseits müssen einheitliche, verlässliche Grundsätze geschaffen werden, um das Umfeld für künftige Innovationen zu fördern. Wenn wir es ernst damit meinen, diese Ziele erreichen zu wollen, ist es nunmehr an der Zeit, dass wir uns auf einheitliche globale Datenschutzgrundsätze einigen. Im Sinne des ökonomischen Wohlstands, der guten Unternehmensführung und der individuellen Freiheit müssen wir unsere Bemühungen verstärken, um dies umzusetzen.
Bock als Gärtner
Thomas Riedel (ThomasRiedel)
- 17.09.2007, 20:45 Uhr
