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Datenklau : Geschäftsmodell Hacker

Gut organisiert: Datendiebe Bild: dpa

Der Datenklau von Millionen Playstation-Nutzern hat die Zunft der Hacker neu ins Gespräch gebracht. Früher waren sie Einzeltäter, die sich mit ihren Angriffen untereinander groß taten. Heute sind sie kriminelle Geschäftsleute, denen es nur ums Geld geht.

          Fast schon ist es so weit, dass man Nachrichten über Datenklau schulterzuckend an sich vorbeiziehen lässt. Aha, schon wieder. Doch der Fall Sony ließ in der vergangenen Woche aufhorchen. Und zwar wegen seiner schieren Größe. Daten von 77 Millionen Nutzern der Playstation sind entwendet worden. Von Unbekannten, die in die Computer des Elektronikriesen eingedrungen sind. Darunter: Adressen, Kennwörter, Mail-Adressen, vielleicht sogar Kreditkartendaten. Das ist einer der größten Hacker-Angriffe, die je an die Öffentlichkeit kamen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das ist einerseits erschreckend: Wo sind Daten noch sicher? Andererseits gelingt es kaum, sich der Faszination zu entziehen, die diese Geschichte eines Coups ausübt. So wie man einst die Raffinesse von Bankräubern bewunderte, so fragt man sich heute nach einem spektakulären Hack: Wie haben die das bloß gemacht?

          Im Unterschied zum Bankräuber, der stets dem Geld hinterherjagt, traut man dem Hacker auch hehre Motive zu, so verquer sie auch sein mögen. Immer wieder haben technologisch versierte Jungspunde sich in Systeme eingehackt, nur um Nachrichten zu hinterlassen wie: „Ich war da, schützt euch besser.“ Und die wohl bekannteste Hackerin der Literatur, Lisbeth Salander aus der Krimi-Trilogie des schwedischen Autors Stieg Larsson, hackt auch, um bei der Aufklärung von Verbrechen zu helfen.

          Kein Sport für Teenager, sondern ein echtes Geschäft

          Doch dieses Bild hat mit der Realität nicht viel zu tun. Das Eindringen in fremde Computer ist kein Sport für übermütige Teenager mehr, es ist zu einem Geschäft geworden. Rund um die Hacker und Cracker hat sich eine Branche gebildet, die genauso professionell wie skrupellos vorgeht. „Bis 1995 gab es im Netz eher Gelegenheitsverbrecher, viele haben Hacking for Fun betrieben“, sagt Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnologie. „Das hat sich seit dem Jahr 2000 verändert. Heute dominiert das organisierte Verbrechen.“ Auch Philipp Wolf, Leiter des Virenlabors beim Anbieter der Antiviren-Software Avira, sagt: „Heute geht es zu 99 Prozent nur noch um Geld.“

          Die Hacker-Branche lässt immer mehr Trojaner, Würmer und Viren auf die Computer dieser Welt los. Avira zum Beispiel bekommt jeden Tag 50.000 bis 100.000 Dateien mit Schadprogrammen von ihren Nutzern geschickt. „In den letzten Jahren wächst die Zahl der Angriffe exponentiell“, sagt Wolf. Wenn man einen Computer ungeschützt im Netz surfen lasse, dauere es nur wenige Minuten, bis er infiziert sei. „Die Branche floriert.“

          Große Datensätze sind eine Menge wert

          Der Grund für den Aufschwung ist simpel: Das Geschäft ist profitabel. Wer die Technik beherrscht, Computer zu manipulieren, kann damit sehr schnell sehr viel Geld verdienen. Große Datensätze wie der von Sony sind eine Menge wert, wenn man sie gestückelt verkauft. Selbst wenn man eine einzelne E-Mail-Adresse im Netz nur für ein paar Cent loswird: Bei Millionen E-Mail-Adressen kommt ein ordentlicher Betrag zusammen. Wenn man zudem Kreditkartendaten entwendet hat, kann man sich auf eine Zukunft ohne Geldsorgen vorbereiten, wenn auch mit Angst vor den Strafverfolgungsbehörden. Andere Kriminelle zahlen für Kreditkartendaten. Ein Dollar ist der Tarif für eine einfache Kartennummer. Wenn Ablaufdatum und Sicherheitscode dabei sind, kann der Preis auf 90 Dollar wachsen. Rechnet man das hoch auf mögliche 77 Millionen Datensätze, kann einem schwindelig werden.

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