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Das Leben von Steve Jobs „Leider ist der Tag gekommen“

Steve Jobs tritt als Apple-Chef zurück. Gebannt blicken wir auf das abwechslungsreiche Leben des Apple-Gründers und fragen: Wird man schon zum Genie geboren?

© (c) AP Vergrößern Abschied: Im Juni trat Jobs zum letzten Mal als Apple-Chef auf - in der vergangenen Woche verkündete er dann seinen Rücktritt

Er sei radikal, urteilen Menschen, die ihn kennen, radikal im Denken, radikal im Handeln. Bei Steve Jobs lief beides auf dasselbe hinaus, er tat was er für richtig hielt. Es gibt diese Anekdote von dem kleinen, nicht sehr wichtigen Apple-Programm, das nicht richtig funktionierte und sich schlecht verkaufte, Jobs schrie die Programmierer an, sie müssten einander hassen, weil sie die Firma im Stich gelassen und Apples Reputation aufs Spiel gesetzt hätten. Dann feuerte Steve Jobs den Leiter des Teams und bestimmte einen neuen. Noch auf dem Flur.

Es gibt viele solcher Geschichten über Steve Jobs, ein Beobachter hat die Theorie aufgestellt, dass Jobs wie in einem binären System denke, in Nullen und Einsen, er kennt nur schwarz oder weiß. Sein Freund und Apple-Mitgründer Steve Wozniak hat über Jobs gesagt: „Er kommt in ein Meeting und sagt: Vergesst das Projekt. Es ist ein Haufen Müll. Ihr seid alle Idioten.“ Entweder eine Sache ist „insanely great“, wahnsinnig gut, also erfolgreich, oder sie ist „bullshit“, wahnsinnig schlecht, denn die Angelegenheit läuft nicht so wie sich Jobs das vorstellt. Wenn seine Psyche wirklich nur Sieg oder Niederlage kennt, dann hat er verloren. Egal, was vorher war. Mitte vergangener Woche schrieb Steve Jobs einen Brief an die Belegschaft von Apple, an Aktionäre, Kunden, an die Welt. Der Brief war neun Sätze kurz und doch hätte ein einziger davon genügt: „Leider ist der Tag gekommen.“

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Der Mann, der Apple gegründet hat, aus dem eigenen Unternehmen geworfen wurde, zwei Jahre später zurückgeholt und mit iPod, iPhone und iPad Apple zum zweitgrößten Unternehmen der Welt baute, tritt ab. Seine Gesundheit hat sich noch einmal verschlechtert. Konkretes sagt Jobs nicht, das käme einer Verteidigung gleich, Defensive hat er nicht nötig. Und doch ist zu befürchten, dass er den Kampf gegen den Krebs verloren hat, der 2004 bei ihm entdeckt wurde. Sein Rückzug ist das Ende einer Ära.

erstes foto © Brandi Lifland/Polaris/laif Vergrößern Kindheit in Kalifornien: Mit elf Jahren zog Jobs (Zweiter von rechts) mit seinen Adoptiveltern in die Nähe von San Francisco - in der Homestead High School besuchte er einen Computerkurs

Den Unterschied ausmachen

Selten hält die Welt inne, nur weil ein Firmenboss abtritt. In Deutschland passiert das noch seltener, schwer vorstellbar, dass Eltern dem urlaubenden Nachwuchs Textnachrichten auf den Peloponnes senden, Dieter Zetsche habe seinen Vorstandsposten niedergelegt. Ein Unternehmer hat der Menschheit seine sündhaft teuren Produkte verkauft, sehr erfolgreich, er hat Milliarden daran verdient und die Welt verehrt ihn dafür.

Jobs hat einmal gesagt, der iPod, das mobile Abspielgerät für digitale Musik, habe Abermillionen Menschen überall auf der Welt ihre Liebe zur Musik neu entdecken lassen, und darauf sei er stolz. Das ist ein bemerkenswerter Satz. Er klingt größenwahnsinnig. Oder? Das Bauchgefühl sagt: Da ist was dran. So ist das eben mit Heiligen: Sie predigen, die Jünger folgen. Jobs hat schon oft die richtigen Sätze zur richtigen Zeit gesprochen, das ist eines seiner vielen Erfolgsgeheimnisse, Worte wie Gold.

„To make a difference“, den Unterschied ausmachen, das wird schon in Amerikas Krippen den Kindern als Lebensmotto eingebleut. Als Jobs für Apple einst einen externen Chef suchte und den Pepsi-Chef John Sculley fand, fragte Jobs ihn: „Willst Du weiterhin Zuckerwasser verkaufen oder mit mir die Welt verändern?“ Später wurde Jobs wieder selbst zum Chef, und nun trauert die Nation, denn mit Jobs Rückzug verliert sie einen Teil ihrer Identität.

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